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Home » Countries » Sri Lanka » Friedensaktivist Kumaran von Abschiebung bedroht

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Friedensaktivist Kumaran von Abschiebung bedroht


Videoclips
Photos der Mahnwache
Flugblatt für Kumaran (pdf)
Taz-Bericht15.04.04
Unterdrückung der Tamilen im Kontext geostrategischer Interessen
Kumaran seit 10. Mai im Hungerstreik in Abschiebehaft
Am 2. April 04 fanden erneut Parlamentswahlen in Sri Lanka statt, deren Ausgang insbesondere von den Tamilen in allen Teilen der Welt mit Besorgnis aber auch Hoffnung verfolgt wurden. Das Wahlergebnis sollte für die ernsthafte Fortführung fruchtbarer Friedensverhandlungen zwischen der srilankischen Regierung und der LTTE als Vertretung der tamilischen Bevölkerung entscheidend sein. Auch die Gedanken des 23-jährigen Tamilen Gnavelkumaran Nadarajah kreisten um die Zukunft seines Heimatlandes als er an diesem Tag, den Nahverkehrszug in Bremen-Vegesack bestieg. Für Kumaran war klar, dass der Friedensprozess in Sri Lanka scheitern wird, wenn die Partei der derzeit amtierenden Präsidentin Chandrika Kumaratunga und deren singhalesisch-chauvinistischen Verbündete die Wahlen für sich entschieden. Der Tag hätte für ihn kaum schlimmer enden können. Kumaran wurde von Bremer Polizeibeamten noch im Zug verhaftet und in das Abschiebegefängnis in der Neuen Vahr verbracht. Er soll nun abgeschoben werden in ein Land, das nach dieser hoffnungsvollen Periode von Friedensverhandlungen erneut in die Fortsetzung des fast zwanzigjährigen blutigen Krieges abzugleiten droht, - denn die Partei der Präsidentin Chandrika Kumaratunga hat die Parlamentswahlen gewonnen.

Kumaran verließ im Alter von 16 Jahren seine Familie und Freunde, um diesem blutigen Krieg zu entfliehen. Er stammt aus Thelipalai, einer kleinen Stadt auf der nördlichen Halbinsel Jaffna, die im Jahre 1995 von der srilankischen Armee unter der Führung der heute noch immer amtierenden Präsidentin Kumaratunga militärisch besetzt wurde. Mit der Besetzung begann der alltägliche Terror. Er wurde nicht nur Zeuge von kriegerischen Auseinandersetzungen, Zerstörungen und Bombardierungen, er wurde selbst zur Zielscheibe der srilankischen Sicherheitskräfte. Als jugendlicher Tamile wurde er ständig der Mitgliedschaft in der LTTE verdächtigt. Auf dem Schulweg und selbst in der Schule wurden er und seine Mitschüler von Soldaten schikaniert. Im September 1996 wurde er schließlich mit vielen anderen jungen Männern auf dem Schulweg verhaftet und in ein Armeelager verbracht. Dort verhörte und folterte man ihn mehrfach. Kumaran berichtete, dass viele seiner Mitgefangenen diese Haft nicht überlebten – sie wurden erschossen. Nach einem Monat gelang es Kumarans Angehörigen, seine Freilassung zu erwirken. Kurze Zeit später wurde er jedoch erneut fünf Tage lang inhaftiert, als er seine herzkranke Mutter bei einem Klinikbesuch in Colombo begleitete. Wieder lautete die Begründung seiner Inhaftierung der Verdacht auf Mitgliedschaft in der LTTE. Ihm und seiner Familie wurde bewusst, dass er weiteren Verhaftungen nur entgehen konnte, wenn er Sri Lanka verlassen würde.
Ende des Jahres 1996 floh Kumaran nach Deutschland und beantragte Asyl. Seine Tante, die in Bremen als anerkannter Flüchtling lebte, übernahm seine Vormundschaft.

In dem Zeitraum seines ersten Asylverfahrens wuchs Kumaran von einem traumatisierten Jugendlichen zu einem selbstbewussten und verantwortungsvollen Erwachsenen heran. Er besuchte die Schule, erlernte die deutsche Sprache, fand ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis und engagierte sich zudem im Internationalen Menschenrechtsverein Bremen und in der Solidaritätsgruppe für das Selbstbestimmungsrecht der Tamilen. Seine Teilnahme an Kampagnen, die auf die schwierige Situation der Tamilen in Sri Lanka aufmerksam machten und sein Einsatz für Tamilen, die von Abschiebung nach Sri Lanka bedroht waren, offenbaren, dass ein großer Teil seiner Gedanken und Gefühle bei den Menschen verankert ist, die er bei seiner Flucht zurücklassen musste. Gemeinsam mit den Bremer Tamilen argumentierte er, dass Präsidentin Chandrika mit ihrer Politik des „War for Peace” das größte Hindernis für die Aufnahme von Friedensverhandlungen in Sri Lanka sei und versuchte deutsche Regierungsvertreter dazu zu bewegen, ihren Einfluss auf die srilankische Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunga zu nutzen. Seine Enttäuschung war groß, als er feststellen musste, dass die Bundesregierung, den Opfern dieser kriegerischen Politik keine Beachtung schenkte. Am 13. März 2001 rollte die Bundesregierung der srilankischen Präsidentin während ihres mehrtägigen Staatsbesuches den roten Teppich aus, vereinbarte wirtschaftlich rentable Investitionen und drückte der Präsidentin vollstes Vertrauen und Unterstützung in ihre Politik aus. Kein Wort fiel über die eklatanten Menschenrechtsverletzungen durch staatliche Sicherheitskräfte, über die Bemühungen der norwegischen Friedensinitiative und über die Notwendigkeit den derzeit einseitigen Waffenstillstand der LTTE positiv zu beantworten. Die Staatspräsidentin setzte auf Krieg und der Bürgerkrieg eskalierte ein weiteres Mal.

Die Friedensbemühungen der tamilischen Flüchtlinge in Bremen jedoch wurden mit Abschiebeandrohungen beantwortet. Kumaran, der in seinem ersten Asylverfahren nicht einmal die Gelegenheit für eine Anhörung vor dem Verwaltungsgericht erhielt, stürzte in eine tiefe Krise. Eine Rückkehr in die Kriegswirren in Sri Lanka war für ihn undenkbar. So tauchte er unter und begann ein Leben in der Illegalität. Über zwei Jahre irrte er in verschiedenen europäischen Ländern umher. Verzweifelt und ohne jegliche Perspektive versuchte er seine Probleme im Alkohol zu ertränken und verfiel mehr und mehr selbstschädigenden Tendenzen (bevor er untertauchte, hatte er weder Alkohol noch Zigaretten jemals angerührt).

Als er vor kurzem nach Bremen zurückkehrte, haben ihn seine Freunde kaum wiedererkannt. Seine Schilderungen über das Leben in der Illegalität haben uns zutiefst erschüttert, um so mehr da wir wissen, mit welcher Kraft und Ausdauer er sich zuvor für seine Landsleute eingesetzt hat. Wir werden es nicht zulassen, dass so wertvolle Menschen wie Kumaran von der Kriegs- und Abschiebepolitik zerstört werden. Mit seinem Engagement für Frieden hat Kumaran gezeigt, dass Flüchtlinge nicht nur die Opfer des Krieges, sondern auch die Botschafter des Friedens sind.

Wir bitten Sie um tatkräftige Unterstützung bei unserem Protest gegen die drohende Abschiebung des Friedensaktivisten Gnavelkumaran Nadarajah. Schicken Sie Protestbriefe an den Bremer Innensenator Thomas Röwekamp, in denen Sie die sofortige  Freilassung und ein Bleiberecht für Kumaran fordern.

Thomas Röwekamp, Senator für Inneres und Sport
Fax: (0421) 362-9009 - Mail: office@inneres.bremen.de
Schicken Sie bitte eine Kopie an den Internationalen Menschenrechtsverein Bremen unter (0421) 498 72 76.