(Teil 2 )
Von
Ramsey Clark
Die USA behaupten, bei den Angriffen seien 4.300 Panzer und 1.856 Panzerfahrzeuge
zerstört worden. Das Pentagon behauptet, allein die F-111-Flugzeuge
hätten 1.500 Panzer zerstört, was durch Videoaufnahmen bestätigt
sei. Nahezu alle diese Flugzeuge verwendeten lasergesteuerte Raketen mit
abgereichertem Uran und hinterließen über den gesamten Irak
verstreut 900 Tonnen radioaktiven Abfalls, ohne sich in irgend- einer Weise
um die Konsequenzen für das zukünftige Leben dort zu kümmern.
Die Verbreitung von Tumoren, Krebs, Leukämie und anderen tödlichen
Krankheiten hat in den letzten Jahren im Irak in alarmieren- der Weise
zugenommen. Ärzte vertreten die Meinung, daß die Verstrah- lung
eine Hauptursache dieser Erscheinungen ist.
In der Endphase der Bombenkampagne wurden Zehntausende irakische Soldaten
schlicht und einfach ermordet. Im April 1991 wurde dem Europäischen
Parlament folgende Beschreibung vorgetragen: »Hunderte, vielleicht
Tausende irakische Soldaten begannen, unbewaffnet mit erhobenen Händen
auf die US-Stellung zuzugehen und versuchten sich zu ergeben. Die betreffende
Einheit hatte jedoch die Anweisung, keine Gefangenen zu machen. ... Die
Kommandeure der Einheit eröffneten das Feuer, indem sie eine Anti-Panzer-Rakete
durch einen der irakischen Soldaten schossen. Dabei handelt es sich um
eine Rakete, die für die Zerstörung von Panzern gebaut wurde,
aber hier wurde sie gegen diesen einen Mann eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt
begannen alle in der Einheit zu schießen. Es war ganz einfach eine
Schlächterei.« (Mike Erlich vom Military Counseling Network,
Aussage bei den Anhörungen vor dem Europäischen Parlament, März/April
1991)
»Im Dunkeln zerfetzt«
Der »Toronto Globe and Mail« brachte eine frühe Reuters-Meldung
über den Bodenkrieg unter dem Titel »Im Dunkeln zerfetzt«:
»Das erste Hightech-Video über die Bodenkämpfe im Krieg
am Persischen Golf zeigt terrorisierte irakische Infanteristen, die von
US-Kampfhubschraubern im Dunkeln in Fetzen geschossen werden. Einer nach
dem andern wurde in Angst und Schrecken vor einem unsichtbaren Feind niedergemetzelt.
Einige der Soldaten wurden durch explodierende, aus Kanonen abgefeuerte
Granaten in Stücke gerissen. Andere flohen aus dem Schlaf gerissen
in einem Feuersturm in ihre Bunker. Das Band wurde durch die Nachtsicht-
geräte der Apache AH-64-Kampfhubschrauber aufgenommen, die die dunkelste
Nacht in ein gespenstisches Tageslicht verwandeln. Nicht nur Journalisten,
sondern auch abgehärtete Soldaten hielten den Atem an, als das erste
Video in einem Konferenzzelt des 18. Luftwaffenkorps gezeigt wurde, desselben
Korps, dessen Hubschrauberbesatzungen den Krieg als erste direkt zu den
Irakis gebracht hatten ... Die Piloten der 6. Kavallerie sonnen sich in
ihrer Tüchtigkeit. 'Mir war einfach nicht klar gewesen, wie es sein
würde, da hochzufliegen und sie im Dunkeln total zu erledigen, und
dabei wußten sie nicht mal, woher verdammt noch mal das ganze Feuer
kam', sagte ein Soldat namens Balak aus Beemer, Nebraska. 'Rechts fliegt
ein Lastwagen in die Luft, links neben dir explodiert der Boden. Sie hatten
keine Ahnung, wo wir waren und wovon sie getroffen wurden', sagte er. 'Als
ich zurückkam, saß ich da auf dem Flügel und lachte. Ich
lachte nicht über die Irakis. Ich dachte an die Ausbildung, an die
Erwartungen. ... Wahrscheinlich lachte ich über mich selbst ..., wie
ich mich da hoch gestohlen und alles mögliche in die Luft gejagt hatte.
Ein Typ kam zu mir rüber gelaufen, und wir klopften uns auf die Schulter
und so, und er sagte: Mensch, ich hatte das Gefühl, als hätten
wir mitten in einen verdammten Bauernhof geballert. Es sah aus, als hätte
jemand den Schafstall aufge- macht.'« (Globe and Mail, 25. Februar
1991)
Der Reuters-Bericht bestätigte demnach nicht nur, daß die
irakischen Soldaten ihren Gegner überhaupt nicht sehen konnten, sondern
auch, daß dies den US-Soldaten sehr schnell klar wurde. Es war, als
würde man im Pferch gefangene Tiere schlachten. Ein Bericht von William
Branigin in der »Washington Post« beschrieb, auf welches Bild
die Erste Kavalleriedivision beim Einrücken in den Irak stieß:
»Am Rand einer Pistenstraße in der Wüste im Südosten
des Irak stand ein Last- wagen, der zur Elitetruppe von Präsident
Hussein, der Republikanischen Garde, gehört hatte. In ihm und um ihn
herum lagen die Leichen von acht irakischen Soldaten. Das Areal um die
Szenerie war mit Bändern abgesperrt wie der Tatort eines Verbrechens.
Die kopflose Leiche eines der Soldaten lag unweit des Lastwagens auf dem
Rücken. Ein anderer Körper war im Motorraum festgeklemmt. Zwei
weitere Leichen lagen mit dem Gesicht nach oben im Bett des Fahrzeugs,
und ihre Füße schauten grotesk über den Rand heraus.
Das war das grausige Gesicht des Krieges am Persischen Golf, eine Facette
des Konflikts, die viele der jungen amerikanischen Soldaten, die an der
alliierten Bodenoffensive gegen den Irak diese Woche teilnahmen, bis dahin
noch nicht gekannt hatten. Nach Wochen eines weitgehend aus der Luft geführten
Hightech-Krieges kamen die Schrecken des Bodenkriegs für einen Teil
der Soldaten völlig überraschend.
... Schon jetzt haben Einheiten der Ersten Kavalleriedivision, die auf
ihrem von Widerstand ungehinderten Weg durch den Südirak keinerlei
Opfer zu beklagen hatten, erleben müssen, daß einige ihrer Soldaten
durch Bomben oder Minen in dem Gebiet, das sie jetzt besetzt halten, getötet
oder verwundet wurden ...
Einige Meilen von diesem Fahrzeug entfernt wurde ein großer Streifen
Wüste, der offenbar der Republikanischen Garde als Trainingsgebiet
gedient hatte, durch ein Bombardement aus der Luft verwüstet, bevor
die US-Panzereinheiten hindurchfuhren. ... Das gesamte Gebiet war von Munitionsfragmenten
übersät, darunter auch Hunderte von nicht explodierten gelben,
aus Fächerbomben stammenden Einzelbomben, die im Sand steckten.«
(Washington Post, 3. März 1991)
»Truthahnschießen«
Die Berichte in der US-Presse mußten, obwohl sie vom Pentagon
zen- siert wurden und der Billigungspflicht durch das Militär unterlagen,
unvermeidlich doch die gegen die Streitkräfte des Irak begangenen
Kriegsverbrechen enthüllen. Die »New York Newsday« veröffentlichte
am 31. März 1991 eine eindrückliche und umfangreiche Zusammenfassung
über den Bodenkrieg. Dort wurde der Angriff auf eine völlig kampf-
unwillige Armee beschrieben. Der Artikel berichtete über »einseitiges
Grauen«, Fahrzeuge mit weißen Kapitulationsfahnen, die zerstört
wurden, und »konsternierte und ausgehungerte irakische Wehrpflichtige
an der Front, die froh und glücklich waren, sich zu Tausenden zu ergeben«.
Er beschrieb, wie US-Piloten die Angriffe als »Truthahnschießen«
bezeichneten und Ladeeinheiten hastig Bombenflugzeuge neu beluden, damit
die Bomber die Irakis »wie Fische in einem Fischteich« ab-
schießen konnten.
Die »New York Newsday« berichtete noch über eine weitere
Metzelei an irakischen Soldaten, die von General Schwartzkopf zwei Tage
nach dem Waffenstillstand genehmigt wurde. US-Militärsprechern zufolge
war es die umfangreichste Kampfhandlung während der Bodenkampagne
des Golfkriegs, aber dennoch gab es keine amerikanischen Opfer.
»Die Schlacht ereignete sich am 2. März, nachdem Soldaten
aus der 7.000 Mann starken irakischen Einheit auf eine Patrouille der 24.
Panzergrenadierdivision feuerten. ... 'Wir haben es ihnen wirklich besorgt',
sagte einer der amerikanischen Kommandeure der Operation Wüstensturm,
der ungenannt bleiben wollte ...
Obwohl die Zahl der getöteten irakischen Soldaten immer noch unbekannt
ist, hat New York Newsday Armeeaufnahmen der Kämpfe erhalten können,
auf denen etliche offenbar getötete oder verwundete Elitesoldaten
des irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu sehen waren, während
[amerikanische] Apache-Hubschrauber die Hammurabi- Division der Republikanischen
Garde unablässig mit lasergesteuerten Hellfire-Raketen angriffen.
'Grüßt Allah von mir', sagte ein Amerikaner auf einer dieser
Aufnahmen, Augenblicke, bevor ein Hellfire-Hubschrauber eines der 102 von
den Apaches in Flammen gesetzten Fahrzeuge vernichtete.
... Obwohl McCaffreys Division über Hubschrauber mit Lautsprechern
verfügte, wurden die Lautsprecher nie zur Verbreitung der Nachricht
vom Waffenstillstand eingesetzt. 'Es war keine Zeit mehr, die Lautsprecher
zu benutzen', sagt Lamar. Statt dessen massierte McCaffrey nach dem Angriff
der Iraker um 6.30 Uhr Kampfhubschrauber, Panzer, Kampffahrzeuge und Artillerie
für den amerikanischen Angriff, der um 8.15 Uhr begann. Laut Lamar
war der Angriff kurz nach 12 Uhr zu Ende, und die Trümmer waren meilenweit
über Straße 8, die wichtigste im Tal des Euphrat verlaufende
Straße nach Bagdad, verstreut.
Ein hoher Kommandeur der Operation Wüstensturm meinte, die Einzelheiten
über den nach dem Waffenstillstand erfolgten Angriff seien seinerzeit
zurückgehalten worden, obwohl Beamte in Riyad und Washington schon
kurz nach Ende der Schlacht über das Ausmaß von Tod und Zerstörung
Bescheid wußten. ... 'Wir waren genau [über die Zerstörung]
informiert, aber so direkt nach dem Waffenstillstand machte das keinen
guten Eindruck', sagte der Wüstensturm-Offizier. ... Die Kampfaufnahmen
vom Angriff am 2. März zeigen, wie die Apaches Fahrzeuge zerstörten,
um eine Straßen- sperre zu schaffen, so daß die Hammurabi-Division
nicht auf der Nationalstraße entkommen konnte, die über den
nahegelegenen Haw-al- Hammar-Sumpf verläuft. 'Ye-HAH', sagte eine
Stimme. An einer Stelle der Aufnahme rennt ein irakischer Soldat genau
in dem Augenblick vor einem Panzer her, in dem die Hellfire-Rakete explodiert
und den Soldaten zusammen mit zerfetzten Metallstücken in die Luft
schleudert.« (Patricl Sloyan, »Buried Alive«, Newsday,
12. September 1991)
Lebendig begraben
Das Pentagon verfügt über dokumentarisches Material einschließlich
mehrerer Stunden von Videobändern über diesen tödlichen
Angriff auf eine praktisch wehrlose irakische Einheit.
Monate später berichtete Newsday über den vielleicht furchtbarsten
Vorfall von allen. Während der ersten beiden Tage der Bodenoffensive
waren Tausende irakische Soldaten lebendig begraben worden.
»Nach Auskunft von Sprechern der US-Armee setzt die US-Division,
die die vorgeschobenen Verteidigungslinien Saddam Husseins durchbrach,
auf Panzer montierte Pflüge und kriegstaugliche Erdbewegungsgeräte
ein, um über eine Front von mehr als hundert Kilometern Tausende von
irakischen Soldaten - von denen einige noch lebten und ihre Waffen abfeuerten
- in ihren Schützengräben zu begraben. In den ersten beiden Tagen
der Bodenkämpfe der Operation Wüstensturm machten drei Brigaden
der Ersten Panzergrenadierdivision - der 'Großen Roten' - von dieser
grausigen Neuerung Gebrauch, um Schützengräben und Bunker zu
zerstören, die nach Schätzungen von Armeesprechern mit mehr als
8.000 irakischen Soldaten bemannt waren. Während sich etwa 2.000 der
Soldaten ergaben, wurden die irakischen Toten und Verwundeten zusammen
mit den Soldaten, die Widerstand leisteten und immer noch ihre Waffen abfeuerten,
nach Aussage von Teilnehmern dieses sorgfältig geplanten und geübten
Angriffs unter Tonnen von Sand begraben.
'Als wir uns das Ganze ansahen, war außer denen, die sich ergeben
hatten, niemand mehr übrig', sagte Captain Bennie Williams, dem für
seine Rolle bei diesem Angriff der Silver Star verliehen wurde. Diese beispiellose
Kampfmethode wurde bisher nicht öffentlich gemacht. ...
'Nach allem, was mir bekannt ist, könnten wir Tausende getötet
haben', sagte Oberst Anthony Moreno, der Kommandeur der Zweiten Brigade,
die den Angriff auf die schwersten Befestigungen führte.« (Newsday,
12. September 1991)
Weiter hieß es in dem Artikel, nachdem die erste Welle der Bulldozer
die irakischen Verteidiger außer Gefecht gesetzt habe, habe eine
zweite Welle die Schützengräben mit Sand gefüllt, um sicherzustellen,
daß keiner der Verwundeten überleben würde.
Viele der Menschen, die während ihrer Flucht aus Kuwait massakriert
wurden, waren gar keine irakischen Soldaten, sondern Palästinenser,
Sudanesen, Ägypter, Filipinos und sonstige Gastarbeiter. Sie versuch-
ten zu fliehen, um ihr Leben zu retten. Über die »Straße
des Todes« zwischen Kuwait und Basra berichtete Newsday: »Bei
den Fahrzeugen auf den Fotos handelte es sich in großer Mehrheit
um Autos, Busse sowie militärische und zivile Lastwagen, die neben
einigen Zivilisten offenbar irakische Soldaten samt ihrer Gewehre und großer
Mengen in Kuwait geplünderter Güter transportierten. Journalisten
beschrieben einen Abschnitt der Nationalstraße als eine beinahe ununterbrochene
Mauer aus zerstörten und feuergeschwärzten Fahrzeugen, die sich
in einem Chaos aus zertrümmertem, verbogenen Metall aufeinander türmten;
da lagen zermalmte Sammeltaxis, unter Bussen platt gewalzte Autos und andere
Wagen, die sich überschlagen hatten.
Panzerrohre zeigten bizarr in den Himmel, während der Rest des
Panzers umgestürzt auf der Seite lag. In einem der fotografierten
Straßenab- schnitte waren weniger als ein Zehntel der Fahrzeuge Panzer,
Truppen- transporter oder Artilleriegeschütze. ...« (Knute Royce
und Timothy Phelps, »Pullback a Bloody Mismatch«, Newsday,
31. März 1991)
Der aus North Carolina stammende GI Mike Ange beschrieb, was er gesehen
hatte, folgendermaßen: »Ich ging also hin und sah mir zwei
Autos aus der Nähe an, in denen wahrscheinlich Flüchtlinge versucht
hatten, aus dem Kampfgebiet zu kommen. Das eine war ein Toyota- Kleinlaster,
der auf der gesamten Ladefläche mit Möbeln und Koffern und Teppichen
und der Katze und ähnlichem Kram vollgeladen war, und kleine Laster
wie diesen blies es ebenso weg wie die Militärfahrzeuge.« (Bill
Moyers, PBS- Sonderbericht: Nach dem Krieg, Frühling 1991)
Kaum Verluste der USA
Die Bombardierung des Irak kostete unmittelbar mehr als 150.000 Menschenleben
und ließ ein gebrochenes, am Boden liegendes Land zurück. Die
Bomben töteten wahllos, zum größten Teil Irakis, aber auch
Angehörige
anderer Nationen. Unter den Toten befanden sich Muslime und Christen, Kurden
und Assyrer, Junge und Alte, Männer, Frauen, Kinder und Säuglinge.
Während 110.000 Lufteinsätzen verloren die USA 38 Flugzeuge,
und diese wahrscheinlich allesamt durch Maschinenversagen, Fehler der Piloten
und Unfälle. Diese Verlustrate war niedriger als bei Manövern,
wo keine scharfe Munition verwendet wird. Keine einzige der B-52, die den
Irak mit einem Bombenteppich von 27.500 Bomben eindeckten, ging verloren.
Bei den großen Bombenangriffen auf Deutschland im Zweiten Weltkrieg
betrugen die Verluste bis zu 25 Prozent der beteilig- ten Flugzeuge. Die
Gesamtzahl der US-Verluste einschließlich der 37 Soldaten, die laut
offiziellem Eingeständnis durch »freundliches Feuer« ums
Leben kamen, lag laut Pentagon bei 148 Toten.
Die USA haben ihre Angriffe auf den Irak seitdem weiter fortgesetzt,
wobei sie ihre Luftwaffe, die den Himmel über dem Land Tag und Nacht
kontrolliert, sowie die Lenkraketen einsetzen, die von der enormen Anzahl
von US-Militärpositionen in der Region, zu denen auch die größte
Flottenmassierung seit dem Zweiten Weltkrieg gehört, abgefeuert werden.
Während die USA den Irak weiterhin als gefährlich und als
Bedrohung für den Frieden hinstellen, unterhalten sie ihrerseits ein
Kernwaf- fenarsenal, das weit größer ist als das sämtlicher
anderer Länder zusammen. Im Steuerjahr 1996 betrugen ihre Militärausgaben
264 Milliarden Dollar; die Vergleichszahlen für die Russische Föderation
und die Volksrepublik China liegen bei 47 Milliarden bzw. 32 Milliarden
Dollar. Das Bruttosozialprodukt des Irak, mit dem dieser sämtliche
Bedürfnisse seiner Bevölkerung befriedigen muß, lag dagegen
bei 11,5 Milliarden Dollar - weniger als fünf Prozent der Militärausgaben
der USA.
Mit einer Arroganz, die ihrer Gewalttätigkeit das Wasser reichen
konnte, forderten die USA dann eine Untersuchung der vom Irak an US-Soldaten
und Bürgern Kuwaits begangenen Verbrechen durch den UN-Sicherheitsrat.
Dies war ein Vorläufer späterer Forderungen der USA nach strafrecht-
lichen UN-Anklagen gegen Serben, Hutus, Pol Pot sowie - nach dessen Tod
- noch lebende Mitglieder der Roten Khmer, Saddam Hussein und andere, während
sie sich gleichzeitig einem unabhängigen Internationalen Strafgerichtshof,
der allen gleichen Schutz unter dem Gesetz bieten könnte, widersetzten.
In Wirklichkeit gab es keinen Krieg. Keinen Kampf. Es gab lediglich
einen planvollen, systematischen Völkermord an einer wehrlosen Bevölkerung,
wobei die Täter kaum einen Fuß auf irakischen Boden setzen mußten.
Als Dr. Martin Luther King 1967 kommentierte, »der größte
Anstifter zur Gewalt auf der Welt« sei »meine eigene Regierung«,
konnte er sich nicht einmal in seinen schlimmsten Alpträumen vor-
stellen, was die USA später dem Irak antun würden.
(Übersetzung: Michael Schiffmann)
aus: junge Welt, v. 28. 02. 2001
Teil1 Krieg
ohne Kampf
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