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Kurdistan und die kurdische Frage in Syrien

Ein Beitrag vonMohammed Muoffak
Hochburgerstr.56/2
79312 Emmendingen
tel. 01741741284

Die Kurden: Historischer Überblick
Das kurdische Volk stammt von den indoeuropäischen Völkern ab; und die kurdische Sprache gehört zu den arischen Sprachen. Dieses Volk hat sich vor 2600 Jahren als Gruppe gebildet, nach der midischen Dynastie in Mesopotamien 612 v.Chr., aus verschiedenen Stämmen der Hutiia, Luriia, Kassisin, Misania, Syriania und Auraratu (der heutigen Berber). Sie wurden in Mesopotamien sesshaft, im heutigen Kurdistan. Der russische Wissenschaftler F. Minorskij schrieb in seinem Buch „Die Kurden – Bemerkungen und Eindrücke“, dass die Kurden von den alten Sippen abstammen, die in einem Gebiet leben südostlich des Taurus-Gebirges bis zum Zagros-Gebirge.

Die erste Gebietsreform fand statt in der Zeit der Seldjuken, nämlich unter Sangar (690-751 n.Chr.). Er nannte einen Teil seines Herrschaftsgebietes Kurdistan, mit der Hauptstadt Bahar, südlich von Hamadan. Das Gebiet war unterteilt in viele Provinzen, von der Zagros-Gebirgskette bis zum Ararat und nach Khosastan.

Das Wissenschaftler Muhammad Amin Zaki schreibt in seinem Buch „Die Kurden und Kurdistan“, dass das damalige Kurdistan aus dem heutigen Aserbeidschan, Luristan, Schahrezour und Quistang bestand – dem Gebiet südlich der heutigen Türkei bis zum Zab und Tigris.

Nach dem Zerschlagung der midischen Dynastie durch die Perser wurde Kurdistan von den Türken, Seldjuken und Mongolen angegriffen. Als Folge davon wurde Mesopotamien unterteilt nach der Schlacht bei Galdiran zwischen Osmanen und Safawiden im Jahre 1514. Dies war die erste Teilung Kurdistans. Danach entstanden kleine kurdische Herrschaften in der islamischen Zeit: die Dynastien der Marwanen, der Shaddadiyya, der Dostikiyya, der Ruadiyya, der Ghaznawiyya, der Ayoubiyya, der Badlis, der Butan und der Ardilan. Diese Dynastien wurden zerstört durch türkische und persische Überfälle.

Die politische Karte der Region änderte sich mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs, das Gebiet wurde durch Briten und Franzosen besetzt. Die Alliierten haben die Besatzungsgebiete aufgeteilt. Nach dem Abkommen von Sykes-Picot im Jahre 1916 ging die Herrschaft in Mossul an Frankreich; 1918 hat England dann Mossul übernommen, dort eine Verwaltung aufgebaut und große Erdölvorkommen –v.a. bei Kirkuk- entdeckt. Daraufhin hat Großbritannien seine Politik geändert und wollte Frankreich zu einem Gebietstausch Mossul gegen Liwa Iskanderun bewegen, verbunden mit dem Angebot, sich an der türkischen Erdölgesellschaft zu beteiligen. Diese war in der osmanischen Zeit gegründet worden unter Beteiligung Deutschlands. Am 10.08.1920 wurde das Seifer-Abkommen zwischen den Alliierten und dem Osmanischen Reich unterzeichnet. Die §§ 62 bis 64 behandelten die Fragen der Kurden, nämlich im Gebiet zwischen Euphrat und Tigris im Norden bis hin zur syrischen Grenze. Als Mustafa Kemal Atatürk in der Türkei an die Macht kam, lehnte er dieses Abkommen ab; es wurde ersetzt durch das Abkommen von Lausanne 1923, in dem die Kurden als Gruppe nicht mehr anerkannt waren. Der südliche Teil des kurdischen Gebietes wurde dem Irak zugeordnet, der südwestliche Teil Syrien.

 Nach der Studie des kurdischen Wissenschaftlers Abderrahman Kasmelo besteht das Gebiet Kurdistans aus 409 600 km2 , die wie folgt aufgeteilt sind:

194400 km2 auf dem Gebiet der Türkei, d.h. 48% der Gesamtfläche
124900 km2 auf dem Gebiet des Iran, d.h. 30% der Gesamtfläche
72000 km2 auf dem Gebiet des Irak, d.h. 18% der Gesamtfläche
18300 km2 auf dem Gebiet Syriens, d.h. 4% der Gesamtfläche.

Die kurdische Frage in Syrien
Die Kurden umfassen 13 % der syrischen Bevölkerung, d.h. 2,3 Millionen, und werden als Minderheit und Nationalität zweiten Grades betrachtet. Sie leben hauptsächlich in den Gebieten Afrin, Kubani und Al Gezirah; einige auch in Damaskus und einigen Dörfern in der Nähe von Hama, wohin sie auf Grund der Unterdrückung umgesiedelt waren. Die Kurden haben mit den Syrern gegen die französische Herrschaft und für die Unabhängigkeit gekämpft, bis die Franzosen am 17.04.1946 das Land verließen.

Die neue syrische Herrschaft wollte die Existenz der Kurden nicht anerkennen und hat eine rassistisch-chauvinistische Politik durchgesetzt; sie wollte die Kurden in der arabischen Bevölkerung aufgehen lassen. Gemäß Regierungserlass Nr. 93 vom 23.08.1962 wurde in Hasaka eine Volkszählung durchgeführt, nach deren Ende am 05.10.1962 120000 Menschen die syrische Staatsangehörigkeit aberkannt wurde; sie galten fortan als Ausländer. Ferner wollte die Regierung das Gebiet arabisieren und hat die politisch Aktiven verfolgt.

Nach der Studie von Muhammad Talab Hilal, Leiter des Sicherheitsapparates, „Die Provinz El Hasaka – Eine soziologische, politische und ethnische Studie“, erschienen im Jahre 1963, sind die Kurden ein Volk ohne Kultur, ohne Geschichte, ohne Sprache und ohne Nation. Sie verdienen Unterdrückung und Gewalt; dies ist normal für Bergvölker. (s.S.5) Sie sprechen kurdisch nur vor anderen; es gibt keinen Unterschied zwischen ihnen und den Israelis. (s.S:40)
Hilal führt 12 Punkte an zur Lösung des Kurdenproblems: Ausweisung, Ausschluss der Kurden aus den arabischen Schulen, Behinderung der Arbeitsaufnahme, Aberkennung der religiösen Titel kurdischer Gelehrter, Zwietracht säen zwischen den Kurden, Ansiedlung von arabischen und anderen Nationalitäten besonders im Grenzgebiet, Stationieren von Militär in den Grenzgebieten zur Unterdrückung der Kurden und Unterstützung der anderen Volksgruppen, Gründung gemeinsam bewirtschafteter Landwirtschaften für militärisch ausgebildete Araber an der nördlichen Grenze (wie die Kibbuz in Israel). (s.S:43-46) Diese Pläne wurden durchgesetzt; in den Jahren 1973 bis 1975 entstand im Norden Syriens an der türkischen Grenze ein „arabischer Gürtel“ auf einem Gebiet von 350 km Länge und 15 bis 20 km Breite, die Kurden wurden dadurch vertrieben.

Die kurdische Nationalbewegung
Diese ist eine politisch-demokratische Bewegung, die die nationalen Rechte anstrebt. Die erste politische Partei (die Kurdische Demokratische Partei in Syrien) wurde im Jahre 1957 von den kurdischen Bildungseliten gegründet; Führer dieser Partei waren u.a. Othman Sabri und Dr. Nureddin Zaza. Die Regierung versuchte, diese Bewegung zu unterdrücken und ihre Mitglieder zu verhaften, obwohl sie nur die nationalen Rechte der Kurden in Syrien anstrebten. Danach bildeten sich andere politische Bewegungen heraus, die wie die Gezeiten einem ständigen Wechsel unterlagen und keinem konsequenten Leitbild folgten; in dieser Zeit wurde die kurdische Frage in die anderen kurdisch besiedelten Gebiete verbreitet.

Die traurige kurdische Lage
Die politische Bewegung wurde schwach, nachdem die kommunistische und die anderen arabischen Nationalbewegungen sich unter Führung der Bath-Partei zusammengeschlossen haben. Dies führte zu einer Trennung zwischen dem Kampf innerhalb und außerhalb Kurdistans.
Die kurdische Frage in Syrien ist in erster Linie eine Frage der Demokratie: Wenn die Demokratie fehlt, werden sich immer wieder kleine nationalistisch-kurdische Gruppen herausbilden, die gemeinsam für die kurdische Sache kämpfen. Zu erwähnen sind besonders die Rivalitäten zwischen der Bourgeosie, vertreten durch die Muslim-Bruderschaft, und der Regierung. Es kam zu großen Hindernissen für die politischen Bewegungen und zu politischer Unterdrückung als Folge.

Die kurdische Bewegung in Syrien ist im Großen und Ganzen mit der Demokratie in Syrien verbunden. Sie hat vieles in Syrien erlebt, z.B. wurde in den 90er  Jahren die kurdische Bewegung verfolgt, viele Anhänger wurden verhaftet und anschließend zerstreut. Der gemeinsame Kampf für die Demokratie ist der einzige Kampf für die kurdische Frage.