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Sorge um abgeschobenen Kurden
Regimekritiker in Syrien inhaftiert und vermutlich
gefoltert
Von Thomas Maron
Deutschland verweigerte ihm Asyl, Syrien verweigert ihm jetzt die Freiheit:
Der Kurde Hussein Daoud, der bis Dezember in Braunschweig lebte, wurde
unmittelbar nach seiner Abschiebung in Damaskus festgenommen.
HANNOVER, 8. Juli. Monatelang verweigerten die syrischen Behörden
die Auskunft darüber, ob der 30-Jährige noch lebt. Menschenrechtler
fürchteten, Daoud sei gefoltert worden und an den Folgen mangelnder
medizinischer Versorgung gestorben. Amnesty International schlug deshalb
Alarm. Das Auswärtige Amt gab jetzt teilweise Entwarnung: "Daoud lebt",
sagte eine Sprecherin der FR. Er sei jedoch ohne Angabe von Gründen
in Haft. Ein Mitglied der Deutschen Botschaft habe Kontakt mit Daoud aufnehmen
können. Anzeichen körperlicher Misshandlungen habe man nicht
festgestellt. Unklar sei aber, ob der Kurde psychisch gequält wurde.
Der Niedersächsische Flüchtlingsrat und Pro Asyl fordern angesichts
dessen einen Abschiebestopp nach Syrien. Außerdem müssten die
Verwaltungsgerichte und die Entscheidungsträger des Bundesamtes für
die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge künftig der dortigen
politischen Situation Rechnung tragen.
Im Lagebericht des Auswärtigen Amtes heißt
es knapp: "In Syrien wird gefoltert". Schon
im normalen Polizeigewahrsam seien "Misshandlungen üblich". Bei
Verhören durch die Geheimdienste werde systematisch
gefoltert. Insbesondere bei Fällen
"mit politischem Bezug" werde physische und psychische Gewalt
eingesetzt, um Geständnisse zu erzwingen.
Nach Ansicht des Flüchtlingsrates war die Verfolgung Daouds absehbar
gewesen, weil er sich während seines fünfjährigen Aufenthalts
in Deutschland "politisch gegen den brutalen Umgang des syrischen Regimes
mit Oppositionellen engagiert" habe. Syrien gehe ohnehin rigide gegen die
1,5 Millionen Kurden im Land vor.
Das Niedersächsische Innenministerium bedauert den Fall, lehnt
Konsequenzen aber ab. Einem Abschiebestopp müssten die Innenminister
aller Länder zustimmen, hieß es. Ressortchef Heiner Bartling
(SPD) werde einen solchen Vorstoß nicht unternehmen. Gleichwohl würden
in Niedersachsen Abschiebungen nach Syrien so lange "nicht terminiert",
bis das Schicksal Daouds restlos aufgeklärt sei.
Daoud lebte in Deutschland zuletzt in der umstrittenen Zentralen Anlaufstelle
Braunschweig (ZAST). Niedersachsen bringt dort jene Asylbewerber unter,
die angeblich nicht genügend bei der Beschaffung persönlicher
Ausweispapiere mitwirken. Daoud war deshalb der syrischen Botschaft vorgeführt
worden. Der Flüchtlingsrat vermutet, dass "die syrischen Behörden
erst im Zuge der behördlichen Vorführung auf Hussein Daoud aufmerksam"
wurden.
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Copyright © Frankfurter Rundschau 2001
Dokument erstellt am 08.07.2001 um 21:12:19 Uhr
Erscheinungsdatum 09.07.2001
Weitere Meldung in der FR vom 09.07.2001: Alte
Garde bremst Assad |