go to content (skip navigation)
Home
Lang:  Country: 
Urgent Campaigns

Background

Links

Archive



Search Search



Information by
Topic
Country



Info Info

Kontakt Kontakt

Impressum Impressum

/

Home » Archive » Interview mit dem Bruder von Hussein Daoud

[!]
Archived Documents
This part of the Website is not constantly maintainced any longer. Documents can lead to missing links and the drop-down selection of your favourite language does not work.

Interview mit dem Bruder von Hussein Daoud

Sheho Fawzi, Mitglied des Internationalen Menschenrechtsverein Bremen und der Partei Yekiti und Mezgin Haj-Younes ebenfalls asylsuchender Kurde aus Syrien führten am Samstag, den 12. Mai 2001 im Anschluss einer Demonstration in Braunschweig, anlässlich der Ermordung von Hussein Daoud, ein Interview mit Husseins Bruder Kamo Daoud. Kamo ist vor ca. 1 1/2 Monaten aus Syrien nach Deutschland geflohen und lebt zur Zeit in der ZAST (Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber) Braunschweig – in demselben Gebäude in dem Hussein Daoud im Rahmen des Projekt X untergebracht wurde.

Kamo, wir waren sehr betroffen und wütend, als wir von dem Schicksal Deines Bruders erfahren hatten. Schon allein, wenn man seine Erklärung zu seinem Hungerstreik gegen das Projekt X liest, steigt der Zorn in einem hoch. Hussein hatte sehr genau gewusst, was ihn im Falle seiner Abschiebung nach Syrien erwartet. Was Kannst Du uns dazu sagen? Wie hast Du das erlebt?

Wir hatten von Husseins Abschiebung über einen gemeinsamen Onkel erfahren, der hier in Hameln lebt. Er informierte uns, dass Hussein am 10.12. 2000 abgeschoben werden sollte. Wir versuchten sofort bei seiner Ankunft Kontakt mit ihm aufzunehmen, aber das war unmöglich, denn der syrische Geheimdienst war uns zuvorgekommen. Hussein wurde verhaftet und in das Gefängnis in Damaskus verbracht.

Was habt Ihr dann gemacht?

Wir waren alle sehr besorgt um Ihn, da wir wissen, was der syrische Staat mit politischen Häftlingen macht. Hussein konnte nichts anderes erwarten als Misshandlungen und Folter.
Wir haben immer wieder versucht, ihn im Gefängnis zu besuchen, und baten die Sicherheitsbeamten des Gefängnisses ihn sehen zu können. Zum Schluss drohten diese uns an, dass wir Husseins Schicksal teilen werden, wenn wir nicht verschwinden würden.
Ich selbst versuchte mit dem Verteilen von Flugblättern und Erklärungen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, was meinem Bruder geschehen war. Dabei haben sie mich dann auch erwischt und sofort verhaftet. Der syrische Geheimdienst verhörte und misshandelte mich durch Schläge und Elektroschocks. Sie beschuldigten meinen Bruder und mich, dass wir Verschwörer seien, die  Syrien zerstören würden. Nach einiger Zeit liessen sie mich wieder gehen und drohten mir, wenn ich nicht schweige, würden sie wieder kommen und mich zu meinem Bruder bringen. Ich habe dann sobald es ging Syrien verlassen, weil ich sicher war, dass sie mich wieder verhaften würden.

Was ist in der Zwischenzeit mit Deinem Bruder geschehen?

Sie hatten Hussein nach ein paar Wochen von Damaskus in ein Spezialgefängnis nach Kamishli (ca. 30 km von seiner Heimatstadt Amouda) gebracht. Dann erhielten wir plötzlich die Nachricht von der Gefängnisbehörde, dass Hussein sehr krank geworden ist. Sie verlangten Geld für seine medizinische Behandlung von uns, aber wir durften ihn nicht sehen. Wir erhielten unterschiedliche Informationen und dann war es nicht klar, ob er nach Damaskus zurückgebracht wurde, oder ob er immer noch in Kamishli war. Bis heute sind wir uns nicht sicher, wo sie ihn hingebracht hatten.

Hatte Deine Familie vorher schon Schwierigkeiten mit dem Geheimdienst oder anderen Regierungskräftenin Syrien?

Hussein war schon in Syrien im Untergrund politisch aktiv gewesen, daher musste er ja auch letztlich verschwinden.
Als Hussein Syrien verlassen hatte, und in Deutschland begann, politisch zu arbeiten, wurden wir immer wieder bedroht. Die Proteste vor der syrischen Botschaft in Deutschland wurden gefilmt und nach Syrien geschickt. Sie haben uns dann kaum mehr in Ruhe gelassen. Auch jetzt, nachdem ich geflohen bin, haben sie meine Familie unter Druck gesetzt und über meinen Verbleib ausgefragt. Ich bin daher sehr besorgt um meine Familie.