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Home » Archive » Assad in Berlin
Berliner Kuh-Handel - Öl gegen Freibrief für Folterer Auf Einladung der deutschen Regierung stattet
der syrische Präsident Basher Al Assad vom 9.-11. Juli 2001 einen
Staatsbesuch in Deutschland ab.
Die Hintergründe der Abschiebung des syrischen Kurden Hussein Daoud von Braunschweig nach Syrien im Dezember letzten Jahres offenbaren mit grausamer Deutlichkeit, wie sich diese deutsch-syrischen Beziehungen auswirken. Nachdem sich die syrische Botschaft monatelang weigerte, Hussein Daoud erforderliche Reisedokumente auszustellen, mit denen er ausgewiesen werden sollte, und dadurch die erzwungene Ausreise verzögerte, wurde er plötzlich und unerwartet nach Syrien abgeschoben. Gleich nach seiner Ankunft wurde er vom syrischen Geheimdienst verhaftet und in den berüchtigten Folterkammern Syriens verhört. Seit einigen Wochen gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm. Seine Angehörigen und internationale Organisationen wie amnesty international äußern die Befürchtung, dass er, wie es bereits vielen anderen politischen Gefangene in syrischen Gefängnissen erging, in Folge schwerster Misshandlungen gestorben ist. Das syrische Außenministerium teilte
den deutschen Behörden kürzlich mit, Herr Daoud befinde sich
in Haft und sei am Leben. Seinen Angehörigen und unabhängigen
Beobachtern wird jedoch jeglicher Zugang zu ihm verwehrt. Die Glaubwürdigkeit
der Aussagen des syrischen Außenministeriums wird allseits angezweifelt,
Hussein Daoud bleibt weiterhin verschollen.
Sollte Hussein Daoud tatsächlich noch am Leben sein, so stellt sich für uns die Frage, warum er in Haft gehalten wird. Offensichtlich führte sein Engagement für die Rechte der in Syrien lebenden Kurden zu seiner Inhaftierung. Gerade aufgrund einer solchen befürchteten Verfolgung und Inhaftierung, floh er Jahre zuvor als Asylsuchender nach Deutschland. In Deutschland setzte er sein Engagement fort und beteiligte sich an zahlreichen Protestaktivitäten vor der syrischen Botschaft. Doch die Aussagen politischer Flüchtlinge aus Syrien werden im Gegensatz zu den Aussagen des syrischen Regimes von deutschen Asylbehörden überwiegend als unglaubwürdig abgestempelt. Die deutschen Behörden hätten wissen müssen, welche Gefahren Hussein Daoud dort drohten. Trotz der jüngsten Entlassung von 600 politischen Gefangenen befinden sich noch immer ca. 16.000 politische Gefangene in Syrien in Haft. Folter steht für sie an der Tagesordnung. Seit Jahrzehnten verfolgt die syrische
Regierung eine chauvinistische Politik der Arabisierung gegenüber
den Kurden. Ein Großteil der kurdischen Dörfer trägt heute
arabische Namen. 225.000 Kurden wurde die syrische Staatsbürgerschaft
aberkannt. 150.000 von ihnen besitzen zwar Auszüge aus den Zivilregister
für Staatenlose, alle zivilen und militärischen Rechte werden
ihnen aber vorenthalten. 75.000 sind unregistrierte Staatenlose, sie besitzen
keine Auszüge aus irgendwelchen Registern.
Die überaus prekäre Menschenrechtslage
in Syrien ist den deutschen Behörden sehr wohl bekannt. Dennoch setzten
sie Hussein Daoud einer lebensgefährlichen Situation aus. Der
Zugriff auf die Erdölquellen Syriens ist weitaus attraktiver für
die deutsche Regierung als der Schutz eines von der syrischen Regierung
verfolgten Flüchtlings. Der Staatsbesuch von Al-Assad bedeutet, dass
er im Zuge der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland und anderen
Ländern der europäischen Union einen Freibrief für weitere
Menschenrechtsverletzungen erhält.
Asylanträge syrischer Kurden werden
systematisch abgelehnt. Auch das grausame Schicksal von Hussein Daoud ändert
nichts daran. Das besondere an dem Fall von Hussein Daoud ist, dass er
durch sein Engagement im Rahmen der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge
und MigrantInnen für sich und viele andere Flüchtlinge bekannt
wurde. Sein Verschwinden in Syrien blieb deshalb nicht wie bei vielen anderen
abgeschobenen Flüchtlingen unbeobachtet.
Die Verhältnisse in Syrien erfordern einen generellen Abschiebestop ! Die Einschätzungen des Auswärtigen Amtes bezüglich der Lage der Menschenrechte, insbesondere für die Kurden in Syrien müssen der Realität angepasst werden ! Der Nazi-Kriegsverbrecher Alois Brunner muss aus Syrien ausgeliefert werden! Bitte wenden Sie sich an Bundesaussenminister Joschka Fischer und befragen sie ihn zu dem Verbleib von Hussein Daoud und den Hintergründen für seine Festnahme. Fordern Sie ihn auf, dass er sich, falls Hussein Daoud überhaupt noch am Leben ist, umgehend für dessen Freilassung und Rückkehr nach Deutschland einsetzt.. Bundesaussenminister Joschka Fischer
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