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Home » Archive » Abschiebung als Beitrag zum Friedensprozess in Sri Lanka?

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Abschiebung als Beitrag zum Friedensprozess in Sri Lanka?

Chandran Sinathamby Mylvaganam floh 1996 nach Deutschland. Seit Anfang arbeitete er mit dem Internationalen Menschenrechstverein Bremen zusammen und beteiligte sich u.a. als Sprecher aktiv an Demonstrationen gegen die Unterdrückung des tamilsichen Volkes und - seit 2000 - für die Unterstützung der norwegischen Friedensinitiative in Sri Lanka (Photos: No.1 - No.2 - No.3 - No.4). Er hat in Bremen gearbeitet und viele Freundschaften geschlossen (Brief von einem Freund - Brief von der Zionsgemeinde Bremen).

Wie viele andere Tamilen soll Chandran Mylvaganam jetzt nach Sri Lanka abgeschoben werden.

Die Bundesregierung hat durch die Representation ihrer Entwicklungsprojekte in Sri Lanka, wie der GTZ, einen umfassenden Einblick in die schwierige Situation im Norden und Osten der Insel erhalten. Ihr ist bekannt, dass diese traditionellen tamilischen Siedlungsgebiete durch den Krieg verwüstet wurden und allein mehr als 500.000 tamilische Inlandsflüchtlinge keine Möglichkeit finden, in ihre Heimatgebiete zurückzukehren, um sich ein Minimum an Existenz aufzubauen.

Die derzeit stattfindenden Friedensverhandlungen enthüllten der internationalen Öffentlichkeit zum ersten Mal das gesamte Ausmass des zwanzigjährigen, blutigen Krieges. Die Vereinbarungen der Friedensvehandlungen ermöglichten nicht nur die Aufhebung der jahrelangen Pressezensur sondern auch den Wegfall des jahrzehntelangen ökonomischen Embargos, so dass sich die Realität der harten Lebensbedingungen in den tamilischen Siedlungsgebieten vor aller Augen offenbarte.
Experten und Journalisten nicht zuletzt aus Deutschland sind in der Lage zu beobachten, wie langsam sich die srilankischen Streitkräfte aus den von ihnen besetzten Siedlungsgebieten, den Familienhäusern, Tempeln, Schulen etc. zurückziehen und somit die Rückkehr der Vertriebenen erschweren. Sie können mit ihren eigenen Augen verfolgen, dass die gesamte Infrastruktur der Region durch den Krieg zerstört wurde und noch immer unzählige Siedlungsgebiete vermint sind. Für sie sollte nachvollziehbar sein, dass die tamilischen Inlandsflüchtlinge, die unter den schwersten Entbehrungen leben, aus diesen Gründen kaum in ihre Heimatregionen zurückkehren können.

Dennoch schreckt die Bundesregierung nicht davor zurück diese Situation noch zu verschärfen, in dem sie durch die Abschiebung von tamilischen Flüchtlingen aus Deutschland den Umfang des Flüchtlingselends innerhalb des Landes nur noch vergrössert. Mehr denn je sind tamilische Asylsuchende, die zum Teil seit mehreren Jahren in Deutschland intergriert leben und arbeiten, von Abschiebung in ihr Heimatland bedroht.

Die tamilischen Flüchtlinge in Deutschland verfolgen die momentanen Friedensverhandlungen mit grossen Hoffnungen. Ihre Gedanken sind erfüllt von der Sehnsucht nach Frieden und der Hoffnung eines Tages in eine Heimat zurückkehren zu können, in der ihnen Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit garantiert werden. Eine solche Garantie ist aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gegeben.
Es ist verständlich, dass sich Menschen, die der Hölle der Kriegswirren entkommen, sich an einen sicheren Ort flüchten und dort eine neue Existenz aufbauen konnten, nicht freiwillig auf einen unsicheren Weg begeben würden, der an vielen Stellen noch immer mit Minen versetzt ist. Doch tamilische Asylsuchende wie Chandran Sinathamby Mylvaganam werden durch deren drohende Abschiebung dazu gezwungen, diesen gefährlichen Weg einzuschlagen in eine ungewisse Zukunft.

Gerade Chandran Sinathamby Mylvaganam und viele andere tamilische Aktivisten des Internationalen Menschenrechtsverein in Bremen haben zusammen mit der Solidaritätsgruppe für das Selbstbestimmungsrecht der Tamilen immer wieder daraufhin gewiesen und gearbeitet, dass die von der norwegischen Regierung initiierte Friedensinitiative angenommen und unterstützt wird - lange bevor sie Früchte trug. Diese tamilischen Aktivisten und Aktivistinnen versuchten der deutschen Regierung und Öffentlichkeit den wahren Charakter der Politik der srilankischen Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunge vor Augen zu führen. Bedauerlicherweise stellte sich die deutsche Regierung taub gegenüber den Stimmen der tamilischen Flüchtlinge und stellte sich geschlossen hinter die Politik der Staatspräsidentin.

Die Unterstützung der kriegstreibenden Politik der Staatspräsidentin und die Ignoranz gegenüber den tamilischen Flüchtlingen hat sich als Fehler erwiesen, wie die Entwicklungen des letzten Jahres gezeigt haben. Die im Dezember 2001 neu gewählte Regierung musste sich hart gegen die engstirnige Politik der Staatspräsidentin unter dem Slogan "Krieg für Frieden" durchsetzen, um tatsächliche Friedensverhandlungen überhaupt erreichen zu können. Erst vor ein paar Tagen äusserte die Staatspäsidentin Kommentare und Drohungen, die den derzeitigen Friedenskurs schädigen und destablisieren könnten (BBC).
Die Bundesergierung sollte aus ihren Fehlern lernen und ihre Haltung gegenüber den tamilischen Flüchtlingen korrigieren. Eine wirkliche Förderung des Friedensprozesses wäre z.B. die Kontaktaufnahme und Wahrnehmung der tamilischen Flüchtlinge mit ihren Vorstellungen und Forderungen und das Führen eines ernsthaften Dialoges, wie es die norwegische Regierung praktiziert anstatt jede Gelegenheit zu nutzen, um tamilische Flüchtlinge gewaltsam abzuschieben.