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Home » Archive » Unsere Muttersprache ist unsere Existenzgrundlage

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Presseerklärung
10.Januar 2002
Mehr als 500 Studierende im Rahmen der Kampagne
Unsere Muttersprache ist unsere Existenzgrundlage“ verhaftet


Vor dem Hintergrund der  Änderung des türkischen Grundgesetzes durch das Parlament, haben sich Studierende im Rahmen einer Initiative zusammengeschlossen und die Kampagne „ Unsere Muttersprache ist unsere Existenzgrundlage“ begonnen. Durch die  Änderungen sollte, so erhofften sich die Studierenden, der  Gebrauch der kurdischen Sprache erleichtert und die Einschränkungen aufgehoben werden. 

Doch werden der nicht türkischen Bevölkerung nach wie vor die Rechte verweigert. Das zeigt, dass die Türkei die mit ihrer EU- Kandidatur verbundene Einhaltung der Kopenhagener Kriterien mit Füssen tritt. 

Durch die Kampagne wurden bis jetzt mehr als 20.000 Unterschriften gesammelt. Unter den Studierenden sind  ein Drittel nicht- kurdischer  Herkunft. Seit Beginn ihrer Kampagne versuchen die Studierenden, die gesammelten  Unterschriften mit der Forderung nach Eingliederung der kurdischen Sprache als (Wahl)- Fach,  den jeweiligen Rektoren ihrer Universitäten zu übergeben. Doch sowohl der Hohe Hochschulrat YÖK als auch die ihm unterstehenden Rektoren   verweigern  sich jeder demokratischen  Entwicklung.

Immer wieder wurden Studierende in U-Haft genommen, bedroht und die Unterschriften beschlagnahmt. So ist es zur  Verhaftung von mehr als 500 Personen gekommen.  Der Rektor der 100 Jahr -Universität in Van  lehnte die Annahme der Unterschriften ab, die durch eine Delegation überreicht werden sollte. Daraufhin beschlossen die Studierenden, dass jeder persönlich seine Unterschrift abgibt. Nach dem Verlassen der Universität wurden sie dann von Sicherheitskräften verhaftet.

Nach diesem Vorfall folgte gleichzeitig eine Welle von Verhaftungen  von Menschen in Istanbul, Koceli, Adana, Diyarbakir, Izmir, Hakkari, Batman und in vielen anderen türkischen und kurdischen Städten, die einen Antrag auf Anerkennung der kurdischen Sprache gestellt haben. 

Die Kampagne wird von der breiten Öffentlichkeit und den Medien mit großem Interesse verfolgt und als ein wichtiger demokratischer Schritt für das Land und seine Menschen bewertet. 
Nun sind die demokratischen Kräfte und Zivilorganisationen gefordert, den Menschen ihres Landes Gehör zu verschaffen, um eine Demokratie aufzubauen  auf der Basis der legitimen Rechte eines  jeden Menschen auf seine Muttersprache. 
 

- Wir verurteilen die Festnahmen auf das Schärfste und fordern die sofortige Freilassung aller. 
- Wir rufen die demokratischen Organisationen, Gruppen und Personen auf, Sensibilität zu zeigen und ihren Protest kundzutun.
 

YEK-KOM
10.Januar 2002