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Hintergrundinformationen
Ilisu Links
Nachdem das britische Unterhaus und die schwedische
Firma Skanska
sich von dem Projekt verabschiedeten,
aus für den Ilisu Damm ?
Eilaktion
Der
Ilisu-Staudamm in Kurdistan bedroht die Existenzgrundlage von mindestens
15.000 Menschen
 Die Lebensgrundlage von über
15.000 Menschen in Südostanatolien, einem von Kurden bewohnten Teil
der Türkei, ist durch den Bau des Ilisu-Wasserkraftwerks bedroht.
Diese Menschen werden ihre Häuser und ihr Land verlassen müssen,
ohne dass sie eine angemessene Entschädigung und
Ersatzland erhalten. Dadurch wird ihre
Fähigkeit, sich selbst zu ernähren, stark beeinträchtigt.
Das Ilisu-Wasserkraftprojekt ist
Bestandteil des Südostanatolien-Projekts (GAP) der Türkei, eines
Programms zur Infrastrukturentwicklung mit einem Volumen von 32 Milliarden
US-Dollar. Im Rahmen des GAP sollen 22 Staudämme und 19 Kraftwerke
an den Flüssen Euphrat und Tigris sowie an deren Unterläufen
errichtet werden. Das Ilisu-Wasserkraftwerk soll am Tigris, ca.
65 km flussaufwärts der syrischen
und irakischen Grenze, gebaut werden. Mit einer vorgesehenen Kapazität
von 1.200 Megawatt stellt das Ilisu-Projekt das größte geplante
Wasserkraftprojekt der Türkei dar. Der Bau soll noch im Jahr 2000
beginnen und 7 bis 8 Jahre dauern. Die Weltbank hat bereits 1984 jegliche
Finanzierung des GAP zurückgewiesen: Als Grund hierfür wurde
neben
ökologischen Bedenken die Befürchtung
angegeben, die Gefahr von Grenzstreitigkeiten mit den südlichen Nachbarn
der Türkei könnte durch das GAP zunehmen.
Das Projekt wird nun vorwiegend von der
Union Bank of Switzerland (UBS) finanziert, die bereits zugesagt hat, staatliche
Exportgarantien bereitzustellen. Das Baukonsortium bemüht sich derzeit
bei
den Exportkreditgesellschaften in Deutschland,
Großbritannien, Italien, Japan, Österreich, Portugal, Schweden,
der Schweiz und den USA um weitere Exportkredite und Investitionssicherungsgarantien.
Durch den Ilisu-Damm soll ein Stausee
entstehen, der ein Gebiet von 313 Quadratkilometern überfluten und
damit mindestens 52 Dörfer und 15 Kleinstädte in den Fluten begraben
wird. Über 15.000 Menschen müssen ihre Häuser verlassen
und umgesiedelt werden. Ihnen droht durch das Ilisu-Projekt der Verlust
ihrer Existenzgrundlage, falls nicht für eine angemessene
Entschädigung gesorgt wird.
Die Art und Weise der Entschädigung
für die betroffene Bevölkerung steht noch offen und wird erst
entschieden werden, wenn mit dem Bau des Ilisu-Staudamms bereits begonnen
worden ist. Allerdings ist nicht auf rasche und angemessene Kompensationen
zu hoffen. Die Entschädigungen, die bisher für das Ilisu-Projekt
im Gespräch sind, sind an den Besitz von Land,
Häusern, Bäumen usw. gebunden.
Da sich in Südostanatolien der Großteil
des Landes in den Händen von Dorfführern befindet, werden zahlreiche
landlose Kleinbauern keinerlei Entschädigung erhalten - dies zeigt
zumindest die Erfahrung der meisten Menschen, die aufgrund von GAP-Stauseen
wie Atatürk oder Karakaya zwangsweise umgesiedelt wurden. Dabei wurde
das geltende türkische Umsiedlungsgesetz übergangen, und die
ärmeren landlosen Kleinbauern blieben sich selbst überlassen.
Hunderttausende sahen sich gezwungen, in die Slums von Großstädten
wie Diyarbakir oder Istanbul abzuwandern.
Außerdem wurde für den Ilisu-Staudamm
in 14 der betroffenen Dörfern in zwei der drei betroffenen Provinzen
keine Katasteraufnahme (über den Landbesitz) durchgeführt. Ohne
derartige Erhebungen ist keinerlei rechtlicher oder gewohnheitsrechtlicher
Besitz von Land offiziell dokumentiert, wodurch es höchst unwahrscheinlich
ist, dass die Menschen für ihre Verluste auf gerechte Weise entschädigt
werden. Erschwerend kommt noch die Tatsache hinzu, dass keinerlei nennenswerte
Gespräche mit der betroffenen Bevölkerung stattgefunden haben.
Seit 1984 sind bereits viele Menschen
aufgrund der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der kurdischen Arbeiterpartei
PKK und den türkischen Sicherheitskräften gewaltsam aus der Region
vertrieben worden. Wenn der geplante Stausee entsteht, wird für die
vertriebenen Familien die
Rückkehr in ihre Heimat unmöglich.
Auch für sie besteht kaum Aussicht auf irgendeine Art von Entschädigung.
Darüber hinaus wird durch den
Ilisu-Stausee die Selbstreinigungsfähigkeit des Tigris stark beeinträchtigt.
Dies hat äußerst negative Auswirkungen auf die Wasserqualität
des Flusses und damit schwerwiegende Folgen für diejenigen Menschen,
für die der Fluss eine wichtige Lebensgrundlage
darstellt. Durch den Stausee werden sich
auch Malaria und Leishmaniose ("Orientbeule") in der Region stärker
verbreiten. Zudem wird die historisch wichtige Stadt Hasankeyf ein Opfer
der Fluten.
Die
betroffene Bevölkerung ist jedoch nicht in der Lage, ihren Anliegen
Gehör zu verschaffen . Aufgrund der gewalttätigen Auseinandersetzungen
zwischen der türkischen Armee und der kurdischen Guerillas in Ostanatolien
können sie sich nicht öffentlich gegen das GAP äußern,
da sie sonst Gefahr laufen, als Sympathisanten der Guerilla-Bewegung verfolgt
zu werden.
Gründe für die
Faxaktion:
Durch den Bau des Ilisu-Staudamms werden
mindestens 15.000 Menschen in ihrer Fähigkeit, sich selbst zu ernähren,
bedroht. Dadurch wird ihr Recht auf angemessene Ernährung verletzt.
In Deutschland ist die Gewährung von Exportgarantien für dieses
Projekt noch ein kontrovers diskutiertes Thema.
Deutschland hat den Internationalen Pakt
über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ratifiziert und
ist damit verpflichtet, das Recht auf angemessene Ernährung zu respektieren
und zu schützen - nicht nur im innenpolitischen Bereich, sondern auch
in den internationalen Beziehungen, wie in Artikel 2.1 des Pakts
ausgeführt.
Aktionsvorschlag:
Schreiben Sie einen höflichen Brief
an den deutschen Bundeskanzler, und schicken Sie möglichst eine Kopie
an den Bundeswirtschaftsminister, in dem Sie sie bitten, das Ilisu-Projekt
nur zu unterstützen, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
die Bereitstellung einer angemessenen Entschädigung
und eines angemessenen Ersatzes für alle Betroffenen, einschließlich
der landlosen Kleinbauern und der Menschen, die gewaltsam aus der Region
vertrieben wurden, die Ausarbeitung eines Umsiedlungsplans in enger Zusammenarbeit
mit der betroffenen Bevölkerung sowie die Zusicherung, dass die betroffenen
Menschen frei, ohne Furcht vor Einschüchterungen, am Entwicklungsprozess
des Projekts teilnehmen können.
Außerdem sollte die Bildung eines
internationalen Ausschusses festgelegt werden, der die Einhaltung der internationalen
Menschenrechtsstandards beim Ilisu-Projekt überwachen soll.
Adressen:
Bundeskanzler Gerhard Schröder
Schloßplatz 1
10178 Berlin
Fax: 030/4002357
Bundeswirtschaftsminister Dr. Werner Müller
Scharnhorststr. 34-37
10115 Berlin
Fax: 030/20147030
Bitte senden Sie eine Kopie des Faxes an:
AStA
der TU Darmstadt, Hochschulstr. 1, 64289 Darmstadt.
Internet: www.yxk.com/hasankeyf
e-mail: hasankeyf@gmx.de
Fax: 06151/166026
Spendenkonto: Taunussparkasse; Appell von Hannover; Kto-nr.: 190000737;
BLZ: 512 500
  junge Welt, 29.06.2000
Wasser als Waffe
Neue Zürcher Zeitung,
24.06.2000
Nr.145
Lieferung von Wasser aus
der Türkei nach Israel
Stellungnahme
der Erklärung von Bern zur Gewährung einer Exportrisikogarantie
für das Ilisu-Kraftwerk
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