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Bonn, 29.02.2000
Pressemitteilung
Bürgermeister aus Ilisu-Region zu Abbruch von Europa-Reise
gezwungen
WEED und medico international fordern Bundesregierung auf,
Hermesbürgschaft abzulehnen
Vahap Kusen, der Bürgermeister der Stadt Hasankeyf in Südostanatolien,
die durch den
umstrittenen Ilisu-Staudamm von Überflutung bedroht ist, hat seine
Vortragsreise durch Europa
vorzeitig abgebrochen. Ihm war in einem nächtlichen Telefonanruf geraten
worden, die Reise
nicht fortzusetzen. Laut Aussage von Vahap Kusen stammte der Anruf von
seiner Partei, der
Partei des Rechten Weges (DYP). Kusen hätte am nächsten Morgen
bei einer
Pressekonferenz in Paris sprechen und danach die Reise nach England, Italien
und Deutschland
fortsetzen sollen. In Berlin waren auf Initiative der Umwelt- und Entwicklungsorganisation
WEED eine Reihe von Gesprächen mit Ministerien und Abgeordneten aller
Parteien
vorgesehen, die Herr Kusen aufgrund der Bedrohung nun nicht wird wahrnehmen
können.
Die Stadt Hasankeyf liegt im Projektgebiet des geplanten Ilisu-Staudamms,
den die türkische
Regierung mit Unterstützung westeuropäischer und amerikanischer
Exportkreditversicherungen
bauen will. Auch der Bundesregierung liegt ein Antrag auf Erteilung einer
Hermesbürgschaft
vor. Die Spannungen in der Region haben kürzlich zugenommen, als drei
Bürgermeister der
prokurdischen HADEP-Partei nach einem Deutschland-Besuch verhaftet wurden.
Britische
Journalisten, die die Region besucht haben, berichten, kontinuierlich von
der Geheimpolizei
überwacht worden zu sein.
Heike Drillisch von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation WEED, die
die Reise
mitorganisiert hat, vermutet: "Möglicherweise befürchtet Herrn
Kusens Partei, daß er nach
seiner Rückkehr einem Nachspiel ausgesetzt sein könnte. Die türkischen
Behörden stehen
Kritikern nicht sehr freundlich gegenüber. Der Mangel an Demokratie
ist daher einer der
Hauptkritikpunkte am Ilisu-Projekt."
Der Bau des Ilisu-Staudamms würde zur Zwangsumsiedlung von mindestens
16.000 Kurden
und Kurdinnen führen. Obwohl das Kraftwerk seit fast zwanzig Jahren
geplant wird, haben
keine Konsultationen mit der betroffenen Bevölkerung stattgefunden.
Dies stellt einen deutlichen
Verstoß gegen internationale Standards dar, die die türkische
Regierung versprochen hat
einzuhalten. Wie die jüngsten Verhaftungen der HADEP-Bürgermeister
zeigen, ist noch immer
keine Entspannung nach dem 15jährigen Bürgerkrieg in der Region
in Sicht. "Aufgrund der
andauernden Atmosphäre der Bedrohung in Südostanatolien ist die
Wahrung demokratischer
Verfahren beim Bau des Ilisu-Staudamms nicht zu erwarten", kommentiert
WEED’s
Vorstandsvorsitzende Barbara Unmüßig. "Wir fordern daher von
der Bundesregierung, keine
Hermes-Bürgschaft für das Ilisu-Vorhaben zu übernehmen und
sich auch international für eine
Ablehnung des Projekts einzusetzen."
Nähere Informationen:
WEED, Heike Drillisch, Tel. 0228 – 766 13 16
Medico international, Hans Branscheidt, Tel. 06171 – 74135
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