| Nicht erst seit dem 11. September 2001 erweist
sich Bundesinnenminister Schily als uneingeschränkter Freund des türkischen
Regimes. So hatte er bereits vorher seine europäischen Kollegen dahin
gehend zu beeinflussen versucht, die PKK auch in ihren Ländern zu
verbieten. Diesem Druck nachgekommen ist jedoch lediglich Großbritannien,
der treueste Verbündete der USA: seit dem Frühjahr 2001 existiert
nun auch dort ein Verbot.
Verärgert zeigte sich die Türkei
erst kürzlich, weil die Europäische Union die PKK nicht auf ihre
Liste terroristischer Organisationen gesetzt hatte. Deshalb greifen offenbar
deutsche und türkische Geheimdienste zu einer Neuauflage ihrer diffamierenden
Methoden, indem sie Un- und Halbwahrheiten verbreiten, das Bild vom gewalttätigen
und terroristischen Kurden neu aufleben lassen oder unbewiesene Behauptungen
aufstellen. Die Öffentlichkeit soll wieder eingestimmt werden auf
eine antikurdische und vor allem Anti-PKK-Stimmung, um auf diese Weise
jede Solidarität mit den Kurdinnen und Kurden zu verhindern. Hierbei
bedienen sie sich einem seit Jahren hierfür zur Verfügung stehenden
Kreis von sog. Abweichlern der PKK, denen das Polit-Magazin FAKT in seiner
Sendung vom 14. Januar ausgiebig Gelegenheit gegeben hat, die Linie des
Bundesinnenministers, der Bundesanwaltschaft und der Geheimdienste zu untermauern.
Um die kurdische Bewegung zu zerstören,
ihre seit drei Jahren konsequent fortgeführte Friedenspolitik zu diskreditieren
und ihren politischen Kampf um Anerkennung zu kriminalisieren, hat sich
Schily zu einem schmutzigen Geschäft entschlossen. Seinem Amtskollegen
Yücelen soll er laut innenpolitischem Sprecher der SPD, Dieter Wiefelspütz,
zugesagt haben, die PKK künftig nicht nur systematisch als "kriminelle"
Vereinigung zu verfolgen, sondern auch Auslieferungen von kurdischen Aktivist(inn)en
an die Türkei möglich zu machen. Hierzu soll Yücelen eine
Liste mit Namen von ca. 150 Personen vorgelegt haben, die auch dem Bundesjustizministerium
zur Verfügung gestellt wurde.
Dies lässt Schlimmes befürchten
für die in deutschen Gefängnissen befindlichen kurdischen Politiker/innen
und für jene, deren Prozesse in den nächsten Wochen und Monaten
beginnen. Die meisten von ihnen waren bzw. sind angeklagt wegen Mitgliedschaft
in einer "kriminellen" Vereinigung. Treffen soll es aber auch die Kurdinnen
und Kurden, die sich mit ihrer Unterschrift eingesetzt haben für die
neue Strategie der PKK und der Forderung nach einer offiziellen Anerkennung
der politischen, kulturellen und nationalen Identität.
Es wird immer offenbarer, dass sich die Politik
der Bundesregierung an den Vorgaben des NATO-Partnerlandes Türkei
orientiert statt an den vom EU-Beitrittskandidaten geforderten Kopenhagen-Kriterien.
Wir rufen die demokratische Öffentlichkeit
auf, gegen diese menschenverachtende Politik zu protestieren.
Schreiben oder faxen Sie an:
Bundesinnenminister Otto Schily,
Alt-Moabit 101 D, 10559 Berlin,
Fax: 01888-681 2926
Bundesjustizministerin Dr. Herta Däubler-Gmelin,
Mohenstr. 37, 10117 Berlin
Fax: 030 - 2025 9525 |