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Zurück  "Kein Mensch ist illegal"

FLUCHTZEITEN - Kein Mensch ist illegal

Erklärung des Internationalen Menschenrechtsvereins Bremen e.V.

Eine Auseinandersetzung der Kunst mit dem Thema Flucht in der heuti gen Zeit ist sehr zu wünschen. Es ist heute leider anscheinend nicht mehr selbstverständlich, in solidarischer Form für Flüchtlinge sich einzu setzen. Seit Jahren zeigt sich gerade an der Frage der Flüchtlinge, daß die Unterschiedlichkeit einer gesellschaftlichen Konzeption nirgendwo deutlicher festgemacht werden kann. Trotz einer immer stärkeren Glo balisierung insbesondere der Wirtschaftsstruktur, sowie aller Fragen und Probleme werden nationale Richtungen und Denkweisen polarisierend eingesetzt.

Die Bilder der Rechten und der herrschenden Macht prägen einen Großteil der gesellschaftlichen Stimmung. Formelhaft wiederholen sie die These »Das Boot ist voll«. Sie versuchen Europa abzuschotten, wenn die mörderische kapitalistische Ökonomie weltweite Flüchtlings ströme in Gang setzt. Die Flüchtlinge werden hier beschuldigt, soziale Leistungen grundlos und übermäßig in Anspruch zu nehmen. Mit geziel ter Propaganda reden die Schröders, Borttschellers und Stoibers über Ausländerkriminalität, um den sozialen Protest breiter Schichten durch Entsolidarisierung zu spalten.

Mit solcherlei Schuldzuweisungen wird der rassistische Konsenz in der »Festung Europa« hergestellt. Mittlerweile sollten die Standpunkte eigentlich klar sein, von daher wol len wir dies hier allen ersparen, sie noch einmal herunterzubeten. Den noch bleibt die Frage: Was wird heute getan. Wer stellt sich - aktiv auf die Seite derer, die eine humanistische, offene, nichtrassistische und wirklich gleichberechtigte Gesellschaft möchten?

Die Kunst und ihre Exponenten, die Künstlerinnen und Künstler, sind Teil dieser Gesellschaft und wesentlicher Teil ihrer Öffentlichkeit, die in Deutschland während der Ungeheuerlichkeiten der letzten 10 Jahre, in denen das gesamte Asylrecht mehr oder weniger abgeschafft wurde, haben sie kaum eine eigene und deutliche Stellung bezogen. Deswegen sollte in der Kunstaktion FLUCHTZEITEN in der internationalen Sprache der Kunst symbolisch - und darin auch praktisch - ein Überwinden der Mauern und öffentliche Solidarität gezeigt werden.

Die Situation der Künste ist z.B. in Frankreich und Großbritanien anders. In der Wahlphase von Tony Blair wurde hier die Kunst als neuer Markt für England entdeckt und gefördert. Hier wurden Künstlerinnen und Künstler eingebunden im weltweiten Buisiness. Heute ist die Kunst in England ein Standortfaktor, hat aber dabei ihre Eigenständigkeit und ihre gesellschaftskritische Stellung aufgegeben. Völlig anders in Frank reich. Dort waren im Kampf der »Papierlosen« um ihre Rechte die Künst ler ein wesentlicher Motor für die Solidarisierung seitens der französi schen Linken. Die Bewegung geht weiter, indem erstmals eine Diskussion um eine »Verbesserung des Asylrechts« die Rede ist. Es bleibt abzuwarten, was daraus erfolgt. Doch wie sieht, wie wird es in Deutschland aussehen?

Wir hoffen, daß durch Kunstaktionen sehr viel mehr Menschen als bisher zu dem Thema zusammenkommen und sich mit dem Kampf um gleiche Chancen und Rechte auseinandersetzen. Zu fordern wäre viel, doch im Kern geht es darum, daß alte Modelle des »Gastlandes« und des »Gast rechtes« völlig überholt sind und eine Mißachtung der Menschenrechte darstellen. Es gibt kein Zusammenleben, indem ein Zehntel der Gesellschaft zu unerwünschten Eindringlingen degradiert werden. Die Gründe, warum Menschen fliehen und emigrieren, sollten uns interessieren und nicht kalt lassen. Jede und jeder muß begrüßt werden, die/der die Abschottung und Diskriminie rung in Frage stellen will. Daher sind Austausch und gemeinsame Orga nisierung der unterschiedlichsten Menschen notwendig. Dazu möchte der Internationale Menschenrechtsverein Bremen beitragen und wünscht dem Projekt FLUCHTZEITEN, daß es in diesem Sinne einen Beitrag dazu darstellt. Es muß uns um die Entwicklung gemeinsamer, vielfältiger, gleichberechtigter Protest- und Widerstandsformen gehen.

Kunst ist frei! Aber gegen die Menschen sind Mauern errichtet worden in jeder Richtung. Die »Festung Europa« ist ein deutliches Beispiel dafür. Umgekehrt, wie Toni Blair in England versucht, Kunst und Künstler ein zubinden in die Wirtschaftsinteressen, versuchen wir als Menschen rechtsverein, besonders auch die Kunst als Sprache für die Menschen, für die Unterstützung des Kampfes um ihre Rechte zu gewinnen. Internationaler Menschenrechtsverein e.V.

Für Menschen, die von Abschiebung bedroht oder »ohne Papiere« sind, spenden Sie bitte auf das Konto des Menschenrechtsvereins:
Stichwort »Kein Mensch ist illegal«
Konto 1073 92 82 bei der Sparkasse in Bremen (BLZ 290 501 01)
Postadresse: Internationaler Menschenrechtsverein Bremen e.V. Konstraße 51 · 28201 Bremen


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