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Home » Archive » Zeynettin / Aufruf zur 2
"Ich bin Kurde. Die Kurden haben in der Türkei keine Menschenrechte.
Das weiß jeder. Jeder Mensch hat ein Recht zu bekommen. Ich habe
auch ein Menschenrecht zu bekommen. Ich weiß genau, dass, wenn ich
da hingehe, ich sofort ins Gefängnis gehen würde, dann vielleicht
Schläge kriege, dann ins Militär gehen muss, und dann gegen meine
eigenen Leute kämpfen. Das will ich nicht. Mit mir würde das
Gleiche passieren wie mit anderen Kurden, die zum Militär gingen.
Sie bekommen einen Schuss von hinten, und dann wird gesagt, es war die
PKK."
Liebe Freundinnen, liebe Freunde, Wir bitten Euch nochmals dringend um tatkräftige Unterstützung für den 18-jährigen Kurden Zeynettin Altay, der seit April diesen Jahres gegen seine drohende Abschiebung kämpft. Das Verwaltungsgericht Stade hat seine Klage auf vorläufigen Rechtsschutz und für die Beendigung seiner begonnen Berufsausbildung in Deutschland in der letzten Woche abgewiesen. Sein Anwalt wird den schmalen noch möglichen rechtlichen Weg gehen und Zulassung der Revision beim Oberverwaltungsgericht beantragen. Was können wir tun? Dem Innenausschuss des niedersächsischen Landtags liegt eine Petition für Zeynettin vor. Darin bittet sein früherer Lehrer, sowie seine Freunde und MitschülerInnen mit hunderten von Unterschriften, Zeynettin die Beendigung seiner Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen. Auf diese Petition richtet sich jetzt unsere Kampagne: wir müssen den Innenausschuss überzeugen, für die Petition zu stimmen; und den niedersächsischen Innenminister überzeugen, dass er -per Anweisung an die Ausländerbehörde in Osterholz-Scharmbeck- Zeynettin den Aufenthalt dort bis zum Ende seiner Berufsausbildung zum Bautechniker gestattet. Zum Hintergrund von Zeynettins Geschichte: Er ist jetzt 18 Jahre alt und seit Ende September untergetaucht, aber für seinen Anwalt erreichbar. 1994 flüchtete er mit seinem jüngeren Bruder in die Bundesrepublik. Er entstammt einer politisch sehr aktiven kurdischen Familie. Sein Heimatdorf an der türkisch/syrischen Grenze wurde von türkischem Militär zerstört. Seinen Vater sah er zuletzt vor 10 Jahren; zu seiner Mutter, die ihn nach Deutschland in Sicherheit schickte, hat er seitdem keinen Kontakt mehr. Zeynettin absolvierte in Deutschland Schule, Berufsgrundbildungs- und Berufsvorbereitungsjahr mit sehr guten Leistungen. Seinen ersten Antrag auf politisches Asyl erkannte das Verwaltungsgericht Stade 1995 an. Es akzeptierte bei Zeynettin wie in einer Reihe von anderen Asylverfahren, dass Kurden in der Türkei einer Gruppenverfolgung unterliegen. Damit behauptete das Gericht seine Unabhängigkeit von der asylfeindlichen deutschen Bundespolitik der neunziger Jahre. Doch diese Politik duldete keine Abweichung in ihrem eigenen Machtkörper. Sie fürchtete Präzedenzfälle. Durch ihren weisungsgebundenen ‚Bundesbeauftragten für Ausländerfragen‘ ließ sie das Urteil anfechten. Ober- und Bundesverwaltungsgericht radierten brav aus, was nicht sein durfte. Zeynettin wurde wiederum abgelehnt. Bis er 18 Jahre alt wurde, im April 1999, schützte ihn noch sein Status als Minderjähriger. Er bekam eine Duldung für die letzten Monate seines Berufsvorbereitungsjahrs, dann die Aufforderung, auszureisen. Seinen Asylfolgeantrag hat das Bundesamt zurückgewiesen. Zeynettins Klage dagegen liegt noch beim –ehemals mutigen- Verwaltungsgericht Stade. Durch seine Entscheidung über den Rechtsschutz hat es jetzt schon gegen Zeynettin gesprochen. Zeynettin ist untergetaucht. Damit entging er bereits dem ersten Abschiebeversuch. Viele haben sich für Zeynettin eingesetzt: Verwandte, MitschülerInnen,
Freunde, Lehrer. Zeynettins Schülervertretung schrieb einen Brief
an Niedersachsens Innenminister, ebenso der Personalrat der berufsbildenden
Schulen. SchülervertreterInnen nahmen an einem Gespräch zwischen
Arbeitsamt und Ausländerbehörde teil. Eine Demonstration von
Jugendlichen in Zeynettins Wohnort Lilienthal, am 18. September, unterstützte
sein Recht zu bleiben. Es gab Zeitungs- und einen Radiobericht. Der Betrieb,
in dem Zeynettin den praktischen Teil seiner Ausbildung schon angetreten
hatte, hält weiter an ihm fest.
Bitte sendet Faxe oder Briefe an den Innenminister und an uns, um Zeynettin zu unterstützen. Wir werden die Briefe ins Internet stellen und die Mitglieder des Innenausschusses darauf hínweisen. Gut ist, wenn viele Flüchtlinge etwas schreiben- in beliebiger Sprache, lang oder ganz kurz, mit oder ohne deutsche Übersetzung. Hauptsache, Zeynettin Altays Name ist erkennbar, und die Nummer der Petition: 01896/02/14. Für Flüchtlinge kann es auch für ihr eigenes Asylerfahren von Vorteil sein, wenn ihr Name in einem politischen Zusammenhang wie diesem im Internet erscheint. Folgende Argumente erscheinen uns wichtig:
Christoph Schwantke / Internationaler Menschenrechtsverein Bremen Der Innenminister des Landes Niedersachsen
Der Ausschuss für innere Verwaltung des Landtags Niedersachsen
über:
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