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Ende Juni 2000 wurde der mit einer Deutschen verheiratete Nigerianer John Paul nach Nigeria abgeschoben. In Nigeria wurde er nach seiner Ankunft in Haft genommen.
Bis heute befindet er sich in einer nigerianischen Haftanstalt.

Am 28. 6. 2000 wurde der Nigerianer John Paul abgeschoben, obwohl er mit der Deutschen Tamara Paul verheiratet ist. Bis Mitte 1998 lebte er als Asylbewerber im Flüchtlingsheim in der Bollwitzstraße in Saalfeld. Mehrfach wurde er in Saalfeld von
Rechtsradikalen zusammengeschlagen. Das verlobte Paar, Tamara Steudner und John Paul, heiratete Anfang 1999 in Frankreich.
Um mit seiner Frau zusammenleben zu können,  kehrte John Paul einige Zeit später nach Thüringen zurück. Als er bei der Ausländerbehörde in Arnstadt, dem Wohnort von Frau Paul, vorsprach, behauptete diese, dass sich aus der Eheschließung kein Bleiberecht für John Paul in Deutschland ergebe. Der grundgesetzlich festgeschriebene Schutz von Ehe und Familie sollte für das binationale Paar nicht gelten, weil gegen Herrn Paul vor seiner Eheschließung eine Ausweisungsverfügung erlassen wurde.
Wenige Tage nach dem Besuch bei der Ausländerbehörde wurde John Paul im Haus seiner Frau verhaftet. Er verbrachte drei Monate in Abschiebehaft in der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld, bis er am 28.6.2000 nach Nigeria abgeschoben wurde. Bis heute hat noch keine offizielle Stelle Thüringens es für nötig befunden, Johns Ehefrau über die vollzogene Abschiebung zu benachrichtigen.

Nachdem weder seine deutsche Ehefrau  noch die in Italien lebende Schwester monatelang ein Lebenszeichen von ihm erhielten und die deutschen Botschaft in Nigeria auf Nachfrage gegenüber dem “Flüchtlingsrat Thüringen” und dem “Internationalen Menschenrechtsverein Bremen e. V.” die Auskunft erteilte, Herr John Paul sei zunächst nach seiner Ankunft am Flughafen Lagos verhaftet worden, jedoch dann wieder frei gelassen worden, stellte sich Ende Oktober heraus, dass er noch immer im Polizeigewahrsam ist.

Herr John Paul floh 1997 nach Europa, nachdem er in Kaduna/Nigeria als Rädelsführer bei Unruhen zwischen Moslems und Christen ausgemacht worden ist. Seine Eltern, zwei Brüder und eine jüngere Schwester wurden ermordet, der Pastor der christlichen Gemeinde, in der er als Kirchensprecher tätig war, wurde ebenfalls umgebracht. Herr John Paul selbst wurde verhaftet. Durch einen Anwalt und höhere Geldzahlungen kam er vorübergehend frei. Statt sich jedoch in Haft zurückzubegeben, floh er aus Nigeria.
Eine Vertreterin der nigerianischen Botschaft in Bonn, Frau Shehu, äußerte telefonisch nach der Abschiebung gegenüber der Ehefrau, dass Herr John Paul nach wie vor zur Fahndung ausgeschrieben sei.

Obwohl also Herr John Paul noch unter dem Abacha Regime Nigeria verließ, wurde der Fahndungsbefehl unter der jetzigen Regierung Obasanjos aufrecht erhalten. Dies belegt, dass es keine bedingungslose Amnestie für alle politischen Aktivisten gab und gibt und dass abgeschobene nigerianische Asylbewerber nach wie vor mit Verhaftung und Gefängnis zu rechnen haben.

Bitte schreiben Sie höflich formulierte Protestbriefe an den Innenminister von Thüringen, Herrn Köckert und Herrn Fischer von der Ausländerbehörde Saalfeld-Rudolfstadt und die deutsche Botschaft in Nigeria. Bitten Sie sie, sich umgehend bei der nigerianischen Regierung für eine Freilassung von John Paul nach Deutschland einzusetzen!

Innenminister von Thüringen
Christian Köckert
Steigerstr. 24
99096 Erfurt
Fax: 0361-3793111

Ausländerbehörde Saalfeld-Rudolfstadt
Herr Fischer
Fax: 03671-823375

Deutsche Botschaft in Nigeria
Tel 002341-2611082,  -2611170,  -2611011
Fax 002341-2617795,  -2611173

Siehe auch Zeitungsartikel in Freies Wort vom 8.8.00