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Inner-Imperialistische Allianzen und Rivalitäten im frankophonen Afrika
 
Wenn Elefanten tanzen, wird das Gras zertrampelt; wenn Elefanten kämpfen, ist es immer noch das Gras. das zertrampelt wird - Afrikanisches Sprichwort

 Mehr als ein Jahrhundert nach einem gewissen Kongress in Berlin, der das Schicksal des heutigen Afrika besiegelte, bleibt der größte Teil des Kontinents auf erschütternde Weise unverändert. Afrika bleibt die Bühne inner-imperialistischer Blutbäder, die "zivilisierte" imperialistische Nationen achselzuckend als hirnlose Gewalt zwischen Ethnien und Stämmen afrikanischer "Wilder" abtun. Es bleibt zugleich das Füllhorn für die imperialistischen Nationen. Seine Reichtümer werden noch immer systematisch geplündert und finden ihren Weg in die Schatztruhen der imperialistischen Nationen, die Hand in Hand arbeiten. Und wenn Afrikaner zu Millionen sterben, an Hunger und dürch Dürre in Gegenden, in denen Millionen Kubikmeter Wasser auf Feldern zum Export von Nelken für westliche Märkte vergossen werden- dann kann der Westen sich auf die Schulter klopfen für seine "großzügige" humanitäre Hilfe und betonen, daß die "kindlichen" Afrikaner völlig unfähig sind, eine Wirtschaft zu führen. Wenn Jahr für Jahr Millionen Afrikaner an Malaria sterben, weil sie nichteinmal wenige Pfennige für das Chinin der Chinchonapflanze, die in Afrika wild wächst, bezahlen können, wird betont, daß die Abwertung des CFA im Ineresse der Afrikaner geschah - eine Währungsabwertung, die wahrlich in die Geschichte eingehen sollte als der größte Raub Frankreichs in diesem Jahrhundert, begangen mit deutscher Kumpanei. Statt dessen wird behauptet, Frankreich habe nur getan, was jeder gute pater familias zum Wohl seiner afrikanischen Familie getan hätte. Es ist freilich bekannt, daß der römische pater familias das Recht hatte, seine neugeborenen Kinder zu töten fall er sie nicht als sein eigen anerkannte und daß er sich dieses Rechts üblicherweise bediente - hierin hat Frankreich sicherlich die besten Traditionen des Alten Roms bewahrt. Man braucht bloß einmal irgendeine "Naturkatastrophe" oder eine Fehde zu betrachten, die auf "ewigem und unausrottbarem Haß zwischen Stämmen" beruht. Bei etwas mehr als oberflächlicher Betrachtung sind die Todeshände der imperialistischen Nationen schnell ausgemacht, wie sie zusammen oder gegeneinander arbeiten ohne den geringsten Gedanken an die afrikanischen Menschen zu verschwenden. Afrika bleibt der Spiegel der blanken imperialistischen Fratze.

Es geht uns nicht darum, Mitleid für die Not der Afrikaner zu erregen - das überlassen wir besser Qualifizierten. Es geht uns vielmehr darum, daß jene, die interessiert sind, einen winzigen Ausschnitt der düsteren, bitteren Wut afrikanischer Menschen zu verstehen, aus der heraus wir uns weigern, zu sterben, die uns ins Leben zurück springen und Widerstand leisten läßt, während das Gras unserer endlosen Ebenen zertrampelt wird unter Elefantenfüßen.

Wir sollen nur über Dinge reden, die Schlagzeilen machen. Die unzähligen "unsensationellen" täglichen Tragödien und ihre Opfer, von den westlichen Medien als nicht würdig betrachtet, euren Appetit anzuregen und eure Vorurteile zu bestätigen, sollen für immer Ruhe bewahren. Die erste Geschichte ist weit entfernt davon, sensationell zu sein. Jene von euch, die die Gewohnheit haben, durch die düsteren Gewässer des Wirtschaftsjournalismus zu waten, haben vielleicht Anfang 1993 bemerkt, daß der CFA Franc - den ihr für ein kurioses Überbleibsel des Kolonialismus gehalten haben mögt aus den Tagen des Maria-Theresia Thalers oder der goldenen Reichsmark - daß diese Währung um 100 Prozent abgewertet wurde. Einige der Wissenden mögen ihre Köpfe heftig geschüttelt und über ihren Morgenkaffee hinweg bemerkt haben, daß diese Dinge unvermeidlich sind angesichts des Zustands afrikanische Ökonomien. Tatsächlich habt ihr da über die Beute des Jahrhunderts gelesen, ein Raubüberfall bei hellichtem Tageslicht der Hunderttausende das Leben kostete. Ein Raubüberfall, begangen von den zivilisiertesten aller Nationen, tatsächlich der blutrünstigsten Zeitungs-Aufmacher würdig. Hintergrund dieses ökonomischen Debakels war nicht Inkompetenz und Gier irgendeines afrikanischen Tyrannen, obwohl ja jeder weiß, daß es dutzende von der Sorte gibt.

Ausgangspunkt war der feste Wechselkurs des französischen Franc und der Deutschen Mark im Vorfeld der europäischen Währungsunion. Es war ein Gebot der Politik, diesen Wechselkurs beizubehalten, um die gemeinsame europäische Währung auf den Weg zu bringen, die eine der wichtigsten Waffen werden sollte im Arsenal der Europäischen Union in ihrer Rivalität mit den Vereinigten Staaten. Jedoch nahmen unvorhergesehene Dinge Einfluß in Form des Falls der Berliner Mauer. Um den DDR-Bürgern die Aussicht auf die Vereinigung schmackhaft zu machen, wurde es politische Notwendigkeit, die plötzlich wertlose Ost-Mark gegen die Deutsche Mark einzutauschen. Aus Angst vor galoppierender Inflation als Folge der so gesteigerten Geldmenge erhöhte die Bundesbank die Zinsen auf ein nicht dagewesenes Niveau. Die Länder des europäischen Finanzsystems mußten nun selbst die Zinsen erhöhen, oder das System der stabilen Wechselkurse verlassen, denn sonst wäre eine Welle der Spekulation gegen ihre Währungen losgerollt. Dennoch mußten das Britische Pfund und die Italienische Lira das System 1992 verlassen.

Die europäische Währungsunion als unabdingbare Voraussetzung für die Rivalität zwische Europa und den USA wäre ohne Frankreich unmöglich gewesen. Deshalb mußte auch Frankreich die Zinsen erhöhen, obwohl es gerade die niedrigste Inflationsrate der Nachkriegszeit hatte und obwohl dies die schwerste Rezession des Landes seit 1930 nach sich zog. Um seine Wirtschaft wiederzubeleben, ließ Frankreich sich auf das Glücksspiel niedrigerer Zinsen ein, was eine Welle der Spekulation gegen den Franc auslöste. Binnen eines Tages gab die französischen Zentralbank mehr als 100 Milliarden Mark aus um den Wechselkurs zwischen Franc und Mark zu halten. Der Handel in Franc mußte ausgesetzt werden. Um ihre Verluste zu verschieben, zögerte die Französische Zentralbank keine Sekunde, einen Griff in die Dollarreserven Afrikanischer Länder zu tun, die sie als Sicherheit gegen den CFA-Franc hielt. Diese Währung in ein einer Reihe "ehemaliger" französischer Kolonien verbreitet und war frei konvertibel zum französischen Franc. Als Gegenleistung deponierten die afrikanischen Länder ihre Dollarreserven bei der französischen Zentralbank und gaben CFA-Francs streng im Rahmen ihrer Dollarreserven aus. Da Frankreich wegen seiner Verflechtung mit Deutschland und der Rivalität mit den USA nun plötzlich über zu wenig Dollarreserven verfügte, hob es einseitig die Konvertabilität des CFA-Franc auf und setzte eine hundert prozentige Abwertung der dortigen Währungen mittels ihrer gekauften Schergen, die herrschende Klasse genannt werden, durch. Dies bedeutete de facto eine Enteignung der Dollarreseven dieser Länder; unnötig zu sagen, daß dies den ohnehin grauenhaften Lebensstandard in den freien Fall brachte und Menschen an Hunger und aus Mangel an grundlegender medizinischer Versorgung starben. Jene, die "Deutschland den Deutschen" fordern und dafür eintreten, "kriminelle Afrikaner" abzuschieben, würden gut daran tun, über diesen "kriminellen" Beitrag für Deutschlands Wohlstand und Europas Stärke gegen die USA nachzudenken.

Während diese idyllischen Ereignisse sich in Westafrika abspielten, kündigte sich in der östlichen Einflussphäre Frankreichs der schlimmste Genozid an, den die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg gesehen hat. Das Land hieß Ruanda und es verschwand weder von den Bildschirmen, noch von den Titelseiten im zivilisierten Westen für den Zeitraum weniger blutgetränkter Wochen im Jahr 1994, als mehr als eine halbe Million Menschen ihr Leben verloren.

Die angeblich unsterbliche Feindschaft zwischen den Sogenannten Hutus und Tutsis hat sehr wenig mit einer ewigen Feindschaft zu tun. Im Gegenteil: Es hat zu tun mit den kolonialen Strategien der Deutschen und Belgier, die eine loyale Klasse unter der lokalen Elite schufen, welche sich auf die Diskriminierung von Minderheiten stützte. Als Frankreich die Region als neokoloniale Macht zu beherrschen begann, veranlaßte es in seinem unendlichen Glauben an Demokratie eine umgekehrte Diskriminierung. Diesmal geschah es gegen die Minderheit durch die Mehrheit, gegründet auf dieselbe ethnisierte Identität, damit Frankreich sich leichter festsetzen konnte. Diese Diskriminierung, kombiniert mit einer Politik der systematischen Vertreibung der Tutsi auf den Rat der französischen Experten hin um "Bevölkerungsdruck zu lindern" ließ eine Tutsi-Diaspora in den Nachbarländern Uganda und Tansania entstehen. Dies wiederum führte dazu, daß ein bewaffneter Widerstand gegen den Ruandischen Staat entstand. Im Kontext mit dem Ende des Kalten Krieges wurden diese Gruppen durch die USA und ihre afrikanischen Verbündeten bewaffnet und ausgebildet als Stellvertreterarmee in der Region gegen Frankreich. Ihre Funktion war die einer Stellvertreter-Regierung von Ruandern in einer wiederentfachten inner-imperialistischen Rivalität in Afrika. Die Politik des Völkermordes der Hutu-Regierung war den Franzosen nicht nur bestens bekannt sondern wurde von ihnen auch unterstützt und angeheizt, um die Tutsi zu vernichten, die Frankreich als Stellvertreter Amerikas sah. Frankreich ging sogar soweit, Seite an Seite mit der ruandischen Armee und den Paramilitärs (interhamwe) die vorrückenden Tutsi unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe zu bekämpfen, ja es bot sogar jenen politisches Asyl an, die den Genozid planten und durchführten.

Dennoch können weder Deutschland noch Belgien noch die imperialistische Welt mit dem Finger auf Frankreich zeigen und sich um ihre Verantwortung herumdrücken. Deutschland ist verantwortlich dafür, das verhaßte System rassischer Diskriminierung in der einheimischen Bevölkerung eingeführt zu haben, das wenige Jahrzehnte später mit all seinen Schrecken in Deutschland selbst hervortrat, sosehr es Herrn Schröder auch mißfallen mag, darüber nachzudenken. Belgien und Frankreich sind verantwortlich dafür, es systematisiert zu haben. Die gesamte imperialistische Welt ist schuld daran, potentielle und aktuelle Konflikte selbst geschaffen zu haben bis hin zu dieser Rivalität untereinander, die unerbittlich zu diesem entsetzlichen Völkermord führte. Folglich ist die extreme Brutalität und Gewalt dieser Auseinandersetzug zwischen den vermeintlich "rückständigen afrikanischen Stämmen" nichts als das wahre Gesicht des Verhältnisses zwischen den imperialistischen Mächten umd dem Rest der Welt.

Solche erfreulichen Fabeln sind sicherlich nicht bloß auf Ruanda beschränkt. Die gesamte Region des südlichen Afrika, das ehemalige Zaire, das Kongo und Angola sind zu einem riesigen Schlachtfeld inner-imperialistische Rivalitäten geworden und Ausdruck dafür, daß der Griff nach Afrika wieder auf die Tagesordnung zurückgekehrt ist. Der gesamte Kontinent ist zu einem Feld voller Asche und Ruinen geworden. Ausgenommen jene Plätze, die den multinalitionalen Konzernen dazu dienen, unseren Völkern die Lebenskraft und Ressourcen zu entziehen. Die Negation unserer Existenz allerdings zieht so sicher wie ein Naturgesetz die Negation der Negation nach sich und wir werden bis zum letzten Blutstropfen kämpfen.


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