go to content (skip navigation)
Home
Sprache:  Land: 
 Sri Lanka 

Campaigns

Background

Links


Dringende Kampagnen

Hintergrund

Links

Archiv



Suche Suche



Informationen nach
Themen
Ländern



Info Info

Kontakt Kontakt

Impressum Impressum

/

Home » Länder » Sri Lanka » Abschiebung als Katastrophenhilfe?

Abschiebung als Katastrophenhilfe?


Wollt ihr uns nicht sehen?

Die Bundesregierung hat nunmehr entschieden, dass ab sofort wieder tamilische Flüchtlinge nach Sri Lanka abgeschoben werden dürfen, obwohl doch gerade der Norden und Osten – die Heimat der Tamilen - von der Tsunami-Flutwelle besonders getroffen worden war.

Unmittelbar nach der Katastrophe wurde in Deutschland weiterhin versucht, Tamilen nach Sri Lanka abzuschieben. Trotz zahlreicher Proteste behaupteten manche offiziellen deutschen Stellen allerdings, es sei sogar von Nutzen, wenn Flüchtlinge dorthin abgeschoben würden, da sie so ihren betroffenen Landsleuten helfen könnten! Selbst einige Tage nach dem Tsunami, als bereits das ganze Ausmaß der Katastrophe bekannt war, bereiteten einige Bundesländer weiterhin Abschiebungen von Tamilen vor. Nur wegen der beispiellosen Anteilnahme und der grenzenlosen Hilfsbereitschaft großer Teile der deutschen Bevölkerung ließ sich Bundesinnenminister Otto Schily dazu bewegen, einen bundesweit einheitlichen Abschiebestopp bis Ende April zu veranlassen.

Tatsache ist aber, dass die Gebiete, aus denen die tamilischen Flüchtlinge stammen, immer noch in einem fürchterlichen Zustand sind. Dort hat die Katastrophe nicht erst mit dem Tsunami begonnen. Mehr als zwei Jahrzehnte Krieg und Flächenbombardements der Sri Lankischen Armee haben Spuren der Verwüstung hinterlassen. Dieser Krieg hat über 65 000 Menschenleben gekostet und rund eine Million Binnenflüchtlinge geschaffen. Viele von ihnen leben trotz des von Norwegen vermittelten dreijährigen Waffenstillstands immer noch in Flüchtlingslagern. Die rechtsgerichtete singhalesische Regierung hat bislang erfolgreich jede substanzielle internationale Hilfe für die tamilischen Regionen blockiert. Zentrales Anliegen ihrer Politik ist es, weiterhin Druck auf die tamilische Bevölkerung auszuüben. Sie soll weiterhin unterernährt, ohne Schulbildung und Gesundheit bleiben und ihr Leidensweg soll weitergehen.

Durch die Tsunami Katastrophe verloren mehr als 20 000 Menschen im Norden und Osten der Insel ihr Leben, dennoch geht die bisherige Politik der Regierung Sri Lankas unverändert weiter. Die Tatsache, dass es in diesen Gebieten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, verglichen mit dem singhalesischen Süden, die vielfache Zahl von Opfern und ebenfalls weitaus mehr Zerstörungen gab, wurden diese Fakten von den einflussreichen rassistischen Kräften unter den Singhalesen als strategisch positives Resultat angesehen. Sie bemühten sich, diesen „Vorteil“ noch auszubauen, indem sie alles dafür taten, dass die internationale Hilfe die tamilischen Gebiete nicht erreichen sollte. Anstatt Bedingungen zu schaffen, die geeignet sind durch die gemeinsamen Sorgen Tamilen und Singhalesen einander anzunähern, ergriff Sri Lankas Präsidentin Chandrika Kumaratunge Maßnahmen, um die noch zu verstärken. So verhinderte sie zum Beispiel, dass Kofi Annan die am schlimmsten verwüsteten Gebiete im Norden und im Osten der Insel besuchen konnte, so wie er es plante - weil sie unter Kontrolle der LTTE sind. Das löste bei den betroffenen Menschen Bestürzung aus. Statt etwas zu tun, um das Vertrauen zwischen tamilischer und singhalesischer Bevölkerung zu verbessern, versuchte die Präsidentin offen, alle Hilfszahlungen an sich zu reißen, um ihre Macht zu stärken. Während die Tamilen sich bitter beklagen, dass dem Norden und Osten in der ersten kritischen Zeit keinerlei Hilfe durch die Regierung zu Teil wurde, besiegelte die Präsidentin wenige Wochen nach der Tsunami-Katastrophe einen Vertrag über Waffenkäufe für 150 Millionen US $ und gab damit der tamilischen Bevölkerung ein verheerendes Signal.

Unter diesen Bedingungen war der Beitrag der tamilischen Flüchtlinge aus Ländern wie Deutschland entscheidend für die Lieferung der ersten Notversorgung für die tamilischen Regionen der Insel. Tamilische Flüchtlinge sammelten nicht nur große Summen unter ihren eigenen Landsleuten, sondern ebenfalls an ihren Arbeitsplätzen, ihren Schulen, in Kirchen und auf den Straßen in Deutschland, um ihre Schwestern und Brüder zu unterstützen, die einem Menschen verachtenden Embargo der Regierung von Sri Lanka ausgesetzt waren. Jedoch hat die deutsche Regierung entschieden, ab dem 1.Mai 2005 den Abschiebestop für tamilische Flüchtlinge wieder aufzuheben. Aber der Grund für den Abschiebestop – dass es unmenschlich und unvernünftig ist, Menschen in ein Katastrophengebiet abzuschieben – ist immer noch gültig. Experten erwarten, dass der Wiederaufbau nach der Tsunami-Katastrophe viele Jahre dauern wird. Ebenso wie sie in der ersten Phase nach der Katastrophe unentbehrlich war, wird die Hilfe der tamilischen Flüchtlinge in Deutschland entscheidend sein, um eine Brücke der Solidarität zwischen der deutschen Bevölkerung und der tamilischen Bevölkerung im Norden und Osten der Insel aufzubauen.


Wollt ihr uns nicht hören?

Die Regierung Sri Lankas mit ihren freundschaftlichen Beziehungen zu westlichen Regierungen wie z.B. der deutschen, die mächtige Touristenlobby (die Touristengebiete liegen weit überwiegend in Süden der Insel) und viele Geschäftsverbindungen zwischen Sri Lanka und Deutschland haben wirkungsvoll verhindert, dass die tamilische Realität die Medien in Deutschland erreicht. Zumindest Teile der Regierung Sri Lankas arbeiten mit faschistisch-kriminellen Methoden, um wichtige tamilische Stimmen für immer zum Schweigen zu bringen. Die Mörder tamilischer Journalisten bleiben unbestraft.

Die Skrupellosigkeit, mit der die Stimme der Tamilen zum Verstummen gebracht werden soll, erreichte ihren Höhepunkt am 28.April dieses Jahres. An diesem Tag entführten vier Männer den hervorragenden tamilischen Journalisten Sivaram im Zentrum von Colombo, exakt im Angesicht einer Polizeistation. Seine von Kugeln durchsiebte Leiche wurde wenig später in nur fünfhundert Metern Entfernung vom Sri Lankischen Parlament gefunden, innerhalb der streng bewachten Sicherheitszone. Sivaram wurde gezielt ermordet: Er war der Herausgeber der international viel beachteten englischsprachigen Website . Dass er es gewagt hatte, den interessierten Menschen im Westen die Wahrheit zu sagen, war zuviel für die singhalesische Elite in Colombo. Die Machthaber wollten, dass die Welt die von ihnen verbreiteten Lügen über die Realität von Sri Lanka glauben sollten. Jene Lügen, dass die Tamilen hirnlose Terroristen seien, von denen die wundervolle Insel zerstört würde, die die Heimat der friedliebenden und freundlichen, arischen Singhalesen sei. Sivaram jedoch wagte es, dieses Lügengewebe vor den Augen der westlichen Welt zu zerreißen. Goebbels, die Autorität der großen Lüge in Nazi-Deutschland, formulierte das so: “Es ist von vitaler Wichtigkeit für den Staat, mit aller Macht andere Ansichten zu unterdrücken, denn die Wahrheit ist zwar der Todfeind der Lüge - bei ihrer Ausbreitung ist die Wahrheit jedoch der größte Feind de Staates.“ Letztes Jahr war Sivaram beim IMRV in Bremen zu Gast. Er sprach sowohl mit der Presse und Menschen, die um die Situation in Sri Lanka besorgt sind, als auch sehr ausführlich mit den tamilischen Flüchtlingen in Bremen. Er drängte uns, die Realität in Sri Lanka der Bevölkerung in Bremen und Deutschland zugänglich zu machen.


Der Beitrag der Tamilen in Bremen zum Wiederaufbau

Die Tamilen aus Bremen waren schon während der Phase des Friedensprozesses vor dem Tsunami mit mehreren Organisationen dabei, ein Projekt zum Aufbau der medizinischen Infrastruktur in den kriegszerstörten Gebieten aufzubauen (siehe dazu www.humanrights.de). Nach dem Tsunami haben wir unser Projekt dahingehend entwickelt, medizinisches Personal vor Ort darin auszubilden, langzeitig traumatisierten Menschen zu helfen, die zum Beispiel an einem Post-Traumatischen Stresssyndrom leiden (siehe dazu den Video-Clip auf unserer Internetseite). Selbst die tamilischen Flüchtlinge in Deutschland sind psychologisch extrem von dem Tsunami getroffen worden. Viele derjenigen, die mit uns im IMRV in Bremen zusammenarbeiten, haben ihre Angehörigen durch den Tsunami verloren. Für diese Flüchtlinge ist die einzige Heilung die Möglichkeit, den Menschen in ihrem Heimatland helfen zu können.


Unterstützen Sie unser Projekt

Zusammen mit führenden Medizinern aus Bremen bereiten wir einen ungefähr einmonatigen Aufenthalt von vier auf Psychologie und Post-traumatische Stresssyndrome spezialisierten Doktoren in den tamilischen Gebieten vor. Sie werden ungefähr 30 Personen mit semi- medizinischen Kenntnissen ausbilden. Dieser Aufenthalt wird halbjährig für die nächsten fünf Jahre stattfinden. Neben der Mithilfe bei der Organisation des Projektes werden die tamilischen Flüchtlinge Übersetzer bereitstellen, die die Doktoren begleiten werden. Ein Teil der Finanzierung des Projektes wird von uns organisiert. Als Beginn des Fundraising und zur Präsentation des Projektes findet am 26. Juni, sechs Monate nach dem Tsunami, ein internationaler Kulturabend in der Zionsgemeinde statt. Wir laden alle herzlich zu diesem Abend ein.