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Home » Länder » Sri Lanka » Rilwan Haleem unmittelbar von Abschiebung bedroht

Rilwan Haleem unmittelbar von Abschiebung bedroht


Photos von Kundgebung
Erlärung von Rilwan
Selbstmord in Abschiebegefängnis Langenhagen (Archiv)

Die Niedersächsischen Behörden setzen offenbar alles daran, Rilwan Haleem abzuschieben. Dies geschieht mit vollem Wissen darüber, dass Riwan Haleems Fall durch den tamilischen Fernsehsender TTN weltweit publik gemacht wurde. Die Sendungen von TTN werden von der srilankischen Regierung überwacht. Das gleiche gilt bekanntermaßen für die Seiten von www.humanrights.de. Diese Tatsache bringt Rilwan Haleem im Falle einer Abschiebung zusätzlich in Gefahr, da die srilankische Regierung ihn aufgrund der Veröffentlichung seines Falles durch TTN mit der LTTE in Verbindung bringen wird. Bitte unterstützen Sie ihn und schicken Sie Protestfaxe an das Nidersächsische Innenministerium.

Rilwan Haleem ist ein tamilischer Flüchtling muslimischen Glaubens. Am 5. September 2005, dem Tag seiner Inhaftierung, begann er einen Hungerstreik im Abschiebegefängnis Hannover Langenhagen. Damit protestierte er gegen seine bevorstehende Abschiebung nach Sri Lanka – in ein Katastrophengebiet, das vom Tsunami verwüstet wurde und jetzt, nach der Ermordung des srilankischen Außenministers, auch noch unter dem Ausnahmezustand steht. Am 28. September, nach 23 Tagen im Hungerstreik, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand deutlich. Schon in der ersten Woche hatte er ernste Probleme mit der Säurebildung im Magen und beschloss zunächst, etwas Milch zu sich zu nehmen, um den Beschwerden entgegenzuwirken. Dadurch linderten sich zwar seine Beschwerden, doch stellte er sich auf den Standpunkt, dass es zu einem wirklichen Hungerstreik gehört, nichts als Wasser zu sich zu nehmen. Dies hielt er auch ab Beginn der zweiten Woche durch. Nach diesen 23 Tagen hatten sich nicht nur seine Magenprobleme wieder verschlimmert, sondern er bekam auch merkliche Hautprobleme.

Am 28. September bemerkten Schließer, dass er kurz vor dem Zusammenbruch stand und führten ihn zu einem Gespräch mit einer Person, in der Rilwan den verantwortlichen Leiter des Abschiebeknastes Langenhagen vermutet. Dort wurde er einer Behandlung ausgesetzt, die sich zutreffend als Psychoterror beschreiben lässt. Der Leiter drohte Rilwan damit, ihn in ein Gefängniskrankenhaus in der Nähe der niederländischen Grenze zu verlegen, das von drogenabhängigen Gefangenen bewohnt wird. Dort sollte Rilwan zwangsernährt werden. Der Anstaltsleiter malte Rilwan anschaulich aus, wie diese Zwangsernährung vollzogen wird. Darüber hinaus sei er in dieser Anstalt von der Außenwelt komplett abgeschnitten und für seine Unterstützer unerreichbar: Keine Besuche, keine Telefonate. Er wäre damit über Monate hinweg in totaler Isolation und seine einzige Gesellschaft wären von harten Drogen abhängige oder psychisch kranke Menschen. Der Anstaltsleiter stellte Rilwan ein Ultimatum: Entweder er würde Milch trinken und etwas Nahrung zu sich nehmen, oder er würde sofort in diese Sonderhaftanstalt verlegt. Aus lauter Furcht vor zwangsweise verabreichten Psychopharmaka und Isolation – davor, dass seine Unabhängigkeit aufs Spiel gesetzt würde – brach Rilwan zusammen und willigte ein, den Hungerstreik zu beenden.

Interessanterweise antworteten die Beamten vom Abschiebeknastes auf eine Anfrage von Radio Flora noch vor ein paar Tagen, dass Rilwan sich mitnichten im Hungerstreik befunden hätte. Vielmehr sei er dabei beobachtet worden, wie er in der Cafeteria der Anstalt Nahrungsmittel gekauft und gegessen habe! Aber wenn Rilwan doch immer so regelmäßig gegessen hat, wie konnte er dann sechs Kilo Gewicht verlieren, und warum musste er dann bedroht werden?

Das grausame und janusköpfige Verhalten der Machthaber von Hannover Langenhagen ist nichts Neues. Vor einigen Jahren führte der tamilische Flüchtling Arumugasamy Subramaniam in der gleichen Anstalt einen Hungerstreik durch und wurde bis zuletzt von der Anstaltsleitung vollkommen ignoriert - bis er sich an seinem Bettlaken erhängte.

Der moslemische Tamile Rilwan Haleem floh Mitte 2003 von Sri Lanka nach Deutschland. Der ethnische Konflikt in Sri Lanka hat viele beunruhigende Auswirkungen. Als Imam wurde Rilwan Opfer der Strategie der srilankischen Regierung, die moslemischen und nicht-moslemischen Tamilen zu spalten. Sein Heimat-Distrikt Trincomalee wird von Singhalesen, moslemischen und nicht-moslemischen Tamilen bewohnt. Die singhalesische Regierung hat ein Interesse daran, die tamilische Bevölkerung anhand der religiösen Glaubensrichtungen zu trennen, um eine einheitliche tamilische Mehrheit in der Region zu verhindern. Mit schmutzigen Mitteln, wie Agent Provocateurs, versucht die srilankische Regierung Unruhe in der tamilischen Bevölkerung zu stiften. Diese Kampagne wurde besonders nach Beginn der Friedensverhandlungen zwischen der srilankischen Regierung und der LTTE erfolgreich durchgeführt. Eine Konsequenz dieser Aktionen war, dass Rilwan unter Lebensgefahr seine Heimat verlassen musste.

Der Tsunami hegte bei vielen Menschen die Hoffnung, dass diese Tragödie die Menschen wieder näher zusammenbringen würde. Die Politik der Präsidentin Chandrika und die Kampagnen der singhalesischen Chauvinisten machten diese Hoffnungen jedoch zunichte. Im Norden und Osten der Insel bewahrheiteten sich diese Hoffnungen jedoch für die moslemischen und nicht-moslemischen Tamilen. Dazu trug insbesondere die hervorragende Arbeit der säkularen Tamilischen Rehabilitationsorganisation (TRO) bei, bei der speziell die besonderen Bedürfnisse der moslemischen Tamilen berücksichtigt wurden.

Aber die Antwort der singhalesisch-buddhistischen Rassisten darauf war teuflisch. Im May 2005 begannen sie eine giftige Kampagne zur Beanspruchung ihrer Überlegenheit, indem sie eine Buddha-Statue im Zentrum Trincomalees errichteten. Die Haltung der Regierung und der singhalesischen Mainstream-Politiker ist vom gleichen Gefühl geprägt: Wenn die Tamilen nicht anhand der Religion gespalten werden können, müssen beide angegriffen werden. Zudem kritisieren die moslemischen Tamilen aufs Äußerste die Tatenlosigkeit der srilankischen Regierung, ihnen die dringend nötige Tsunami-Hilfe zukommen zu lassen.

Rilwan Haleem kommt aus Muttur. Dies ist ein besonders ungeschützter Teil des Hafengebietes von Trincomalee. Der Tsunami hat sein Heimatgebiet besonders hart getroffen. Seine Mutter und viele seiner Verwandten starben. Sein Haus wurde zerstört. Falls die deutschen Behörden ihn abschieben wird er Gefahr und Verwüstung gegenüberstehen.

In Deutschland kann er als Flüchtling zum Wiederaufbau beitragen. Wir, als Mitglieder des IMRV, sind froh, in als Unterstützer zu haben. Er wünscht sich, dass die Tamilen Seite an Seite unabhängig von ihrem Glauben leben können. Genauso wie wir möchte er nicht, dass der Krieg wieder ausbricht. Genauso wie wir möchte er zu dem Wiederaufbauprozess in Sri Lanka beitragen, indem er mit den Menschen hier in Deutschland zusammenarbeitet.

Keine Abschiebung in den Ausnahmezustand und das Tsunamigebiet!
Rilwan Haleem braucht Ihre Unterstützung!


Bitte senden Sie Protestfaxe an das Niedersächsische Innenministerium,
Faxnummer (0511) 120-6550
Senden Sie eine Kopie an den IMRV, Faxnummer (0421) 3976446