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Home » Länder » Sri Lanka » Referendum unter Tamilen in Deutschland

Referendum unter Tamilen in Deutschland


Referendum über die aktuelle Gültigkeit der politischen Grundlagen der Vaddukkoaddai Resolution

Im Namen des Internationalen Menschenrechtsvereins Bremen wurde am 24. Januar 2010 ein Referendum unter der tamilischen Gemeinschaft in Deutschland durchgeführt, um in einer demokratischen Abstimmung feststellen zu lassen, ob die in Deutschland lebenden Tamilen srilankischer Herkunft einen souveränen tamilischen Staat auf der Insel Sri Lanka befürworten.

Als Menschenrechtsgruppe, die aus der Selbstorganisation politischer Flüchtlinge hervorgegangen ist, wissen wir aus unserer langjährigen Auseinandersetzung mit autoritären Regimes, dass viele der Flüchtlingsgruppen, die nach Deutschland kommen, in ihren Heimatländern keine Möglichkeit besitzen, ihren politischen Willen in Freiheit und Gleichheit zu bekunden.

Die Tamilen auf Sri Lanka sind davon besonders betroffen. Als Minderheit ist es ihnen in dem Inselstaat verwehrt, in demokratischer Wahl in Anerkennung ihres durch die Charta der Vereinten Nationen und die UN-Menschenrechtspakte verbürgten Selbstbestimmungsrechts über ihren politischen Status, ihre Staats- und Regierungsform und ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung selbst zu entscheiden.

Seit der Unabhängigkeit Ceylons, dem heutigen Sri Lanka, ist die Auseinandersetzung um das Selbstbestimmungsrecht der Tamilen ein entscheidender politischer Faktor in Sri Lanka. Nach Jahrzehnten der Diskriminierung stimmten die Tamilen 1977 in überwältigender Mehrheit für die Errichtung eines eigenen Staates in ihren traditionellen Siedlungsgebieten der Insel. Dies war das letzte Mal, dass die tamilische Bevölkerung ihren demokratischen Willen uneingeschränkt und in friedlicher Atmosphäre zum Ausdruck bringen konnte. Im folgenden Bürgerkrieg wurde jeglicher Dissens zur Staatsräson in Blut ertränkt. Tausende tamilische oppositionelle Aktivisten – darunter zahlreiche Politiker, Intellektuelle und Journalisten – wurden ermordet. Nach dem Ende des Bürgerkrieges mit schätzungsweise 100.000 Toten steht die tamilische Bevölkerung unter militärischer Besatzung des Staates. Sie befindet sich in einer Situation, in der jede oppositionelle Meinungsäußerung zum Todesurteil werden kann.

Heute steht allein der tamilischen Diaspora, die den Gräueln des Krieges entflohen ist, in den demokratischen Gesellschaften ihrer Aufnahmeländer die Möglichkeit offen, ihre Aspirationen in geheimer Abstimmung zum Ausdruck zu bringen. Mit Entsetzen schaut die tamilische Diaspora auf das blutige Finale der sogenannten militärischen Lösung, mit der die srilankische Regierung den ethnischen Konflikt auf der Insel meint beendet zu haben. Fast jede der tamilischen Familien hier in Deutschland hat Verwandte unter den 20.000 Toten der Regierungsoffensive oder den hunderttausenden in verschiedenen Gefangenenlagern internierten Zivilisten. In diesem Sinne ist für die Tamilen in Deutschland das Referendum nicht lediglich ein politischer Akt demokratischer Selbstbestimmung, sondern auch ein Akt der Katharsis, eine Bewältigung erlittenen Schmerzes.

In Anlehnung an die Resolution von Vaddukkoaddai, deren Inhalt 1976 von allen tamilischen Parteien beschlossen und 1977 von der Mehrheit der Tamilen in demokratischer Wahl bestätigt wurde, lautet der Text des Referendums wie folgt:

„Die unerträgliche Unterdrückung der Tamilen auf der Insel Sri Lanka hat uns gezwungen, unser Recht auf Selbstbestimmung in unserem traditionellen Heimatland im nördlichen und östlichen Territorium der Insel zur Geltung zu bringen. Ich strebe die Formierung des unabhängigen und souveränen Staates Tamil Eelam in der besagten Region an, in der wir eine eigenständige Nation darstellen.“

Die Wahlen wurden in 110 Wahlzentren durchgeführt. Von schätzungsweise 25.000 wahlberechtigten Tamilen über 16 Jahren nahmen 23.089 an der Wahl teil. 22.904 stimmten für die Errichtung eines unabhängigen Staates. 126 Wähler stimmten dagegen. 49 Stimmen waren ungültig.