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Frieden braucht Solidarität

Wiederaufbauprojekt in den kriegszerstörten Gebieten Sri Lankas

Gemeinschaftsprojekt tamilischer Flüchtlinge aus Bremen, Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung, Bildungswerk Bremische Evangelische Kirche, Verein Ökumenischer Ausländerarbeit, DGB Bremen, Landesamt für Entwicklungszusammenarbeit, Ausländerbeauftragte des Landes Bremen, Internationaler Menschenrechtsverein Bremen e.V.

Seit Anfang des Jahres 2002 besteht ein Waffenstillstand zwischen den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) und der Regierung Sri Lankas. Trotz einiger Versuche von internen sowie externen Kräften diese Waffenruhe zu sabotieren, wird der von der norwegischen Regierung vermittelte Friedenskurs weiterhin verfolgt. Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die auf der Insel leben, seien sie Singhalesen, Tamilen oder Muslime, haben eine aufrichtige Sehnsucht, das jahrzehntelange Blutbad zu beenden. Sie hegen die Hoffnung, nicht länger die schrecklichen Konsequenzen und Leiden des Krieges tragen zu müssen.

Der über zwanzig Jahre andauernde Krieg kostete 65.000 Menschenleben und hat verheerende Spuren hinterlassen. Der gesamte Norden und Osten der Insel – das traditionelle Siedlungsgebiet der Tamilen – wurde dadurch vollständig zerstört. Krankenhäuser, Schulen, Gebetsstätten, Wohnhäuser und Arbeitsstätten – kaum ein Gebäude ist von den jahrelangen Bombardierungen verschont worden. Von den 1,8 Millionen Flüchtlingen, die der Krieg verursacht hat, verließen über die Hälfte im Verlauf des Krieges die Insel, ca. eine halbe Million Flüchtlinge leben immer noch unter extrem schlechten Bedingungen innerhalb Sri Lankas und hoffen nun auf eine baldige Rückkehr in ihre Heimatgebiete. Doch hauptsächlich auf Grund der andauernden Besetzung der tamilischen Siedlungsgebiete durch die srilankische Armee wird die Rückkehr der internen Flüchtlinge blockiert. So sind die fruchtbarsten Regionen zu militärischen Sicherheitszonen erklärt worden und die Armee weigert sich, sich aus den öffentlichen Gebäuden zurückzuziehen, die sie besetzt halten. Die Oberbefehlshaberin der Armee, Präsidentin Chandrika Kumaratunga, gehört zu den internen Kräften, die mit ihren Interventionen versuchen, die Friedensverhandlungen zu destabilisieren. Als Oppositionsführerin nutzt die Präsidentin jede Gelegenheit, politischen Vorteil herauszuschlagen, indem sie die Politik der amtierenden UNF-Regierung unterwandert. Die kriegsmüde Bevölkerung unterstützte den Friedenskurs der UNF, so dass sie bei den Wahlen vom 5. Dezember 2001 ein klares Mandat zum Beginn von Friedensverhandlungen bekam. Mit der unerwarteten Entlassung von drei führenden Regierungsministern, die aktiv in den Friedensverhandlungen involviert sind, und der Ausrufung des Notstandes nutzte die Präsidentin ihre weitreichenden Vollmachten erneut aus, um ihre Machtposition erhalten zu können.

Trotz aller Schwierigkeiten gibt es seit über 20 Monaten keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr. Dies ist die längste Friedensperiode, die die Tamilen bisher erlebt haben. Aber die zwei Jahre der Friedensverhandlungen brachten kaum Erleichterungen für die halbe Millionen internen Flüchtlinge in Sri Lanka. Die tamilischen Flüchtlinge, die in Bremen leben, sind sich der Leiden derjenigen bewusst, die sie zurücklassen mussten. Der Horror eines nicht enden wollenden Krieges brachte sie dazu, ihre Heimat zu verlassen und Schutz in einem anderen Land zu suchen. Aus einer vergleichsweise sicheren Position möchten sie sich für diejenigen einsetzen, die noch immer unmittelbar unter den Kriegsauswirkungen zu leiden haben Für sie ist klar, dass, solange die intern vertriebenen Flüchtlinge nicht sicher in ihre Heimatgebiete zurückkehren können, der Frieden keine wirklichen Wurzeln schlagen kann.

Um ein neues Aufflammen des Krieges in Sri Lanka zu verhindern, müssen die Stimmen der Flüchtlinge, seien sie innerhalb Sri Lankas oder im Ausland, an die Öffentlichkeit gebracht werden. Sie sind nicht nur diejenigen, die am meisten unter diesem Krieg gelitten haben, sie sind auch diejenigen die schon vor dem offiziellen Beginn der Friedensverhandlungen, sich unermüdlich für Frieden eingesetzt haben. Ihr Engagement und ihre Vorstellungen für einen dauerhaften und gerechten Frieden muss unterstützt werden. Und genau hier setzt die Idee unseres Projektes an.

Tamilische Flüchtlinge ergreifen die Initiative

Tamilische Flüchtlinge aus Bremen haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam mit lokalen Organisationen und Interessierten ein partnerschaftliches Projekt zu entwickeln, dass den Wiederaufbau der Infrastruktur im Norden und Osten der Insel unterstützt und damit eine Basis für die Rückkehr der internen Flüchtlinge in Sri Lanka schafft. Das Projekt begründet sich auf der Solidarität zwischen Menschen, die Vorbild für Andere sein kann. Den tamilischen Flüchtlingen bietet sich hier in Deutschland die Möglichkeit, ihre Landsleute direkt mit dieser Hilfe zu erreichen. Dies stellt die praktische Fortsetzung ihres Friedensappells dar, den sie in den letzten zwei Jahren oftmals auf die Strassen Bremens getragen haben.

Durch die aktive Hilfe zur Selbsthilfe wird eine Brücke gebaut, die zudem die Menschen aus Deutschland und Sri Lanka einander näher bringt.

Rehabilitation und Rückkehrhilfe für die Flüchtlinge im Vanni

Aufgrund der militärischen Invasion der srilankischen Armee 1995 auf der Halbinsel Jaffna, floh der überwiegende Teil der Bevölkerung aus Jaffna. Ein großer Teil der damals Vertriebenen flüchtete in die Vanni-Region, die bis heute unter der Verwaltung der LTTE steht und jahrelang Kriegsschauplatz war. Aufgrund des jahrzehntelangen Embargos, das die srilankische Regierung über die LTTE kontrollierten Gebiete verhängt hatte, lebten diese Menschen unter den schwersten Bedingungen.

Trotz der derzeitigen Friedensverhandlungen hat sich die humanitäre Lebenssituation der Flüchtlinge im Vanni kaum verändert. Im Rahmen eines Aufenthalts in den von den Tamilen selbstverwalteten Gebiet im Vanni hatte eine Delegation von zwei deutschen Medizinstudenten die Möglichkeit, örtliche Einrichtungen des Gesundheitssystems zu besichtigen. Sie berichteten folgendes:

„Als erstes trafen wir drei in England lebende tamilische ÄrztInnen, die für unterschiedliche Zeiträume in den Vanni gekommen sind, um den Leuten vor Ort zu helfen. Sie haben die Aufgabe übernommen, als sogenannte mobile Klinik in die entlegenen Gebiete zu fahren und die ländliche Bevölkerung dort medizinisch zu versorgen. Dies ist für viele Leute die einzige Möglichkeit, eine ärztliche Versorgung zu erhalten. Ein weiterer essentieller Teil ihrer Tätigkeit ist die Aus- und Fortbildung der einheimischen Bevölkerung zu medizinischem Hilfspersonal.

Als nächstes besichtigten wir ein sogenanntes maternity home, ein Geburtshaus in dem werdende Mütter aus dem gesamten Vanni unter medizinischer Aufsicht und Versorgung ihre Kinder gebären können.

Des weiteren eine bzw. die einzige Klinik im Vanni in Killinochchi, die gleichzeitig auch die einzige Einrichtung für die ca. 400.000 BewohnerInnen ist, die eine annähernde medizinische Komplettversorgung gewährleistet. Das hat zur Folge, dass dort täglich bis zu 600 PatientInnen vom Schnupfen bis zu schwerwiegenden Erkrankungen behandelt werden, was wiederum von maximal drei ÄrztInnen bewerkstelligt werden muss. Bei der Klinik handelt es sich um ein Provisorium das in den letzten sechs Monaten buchstäblich aus dem Nichts und mit wenig materiellen und finanziellen Mitteln aufgebaut wurde. Sämtliche andere ehemals vorhandenen klinischen Einrichtungen sind aufgrund ihrer Zerstörung durch den Krieg nicht nutzbar, teilweise aber im Aufbau befindlich.

Die gesamte medizinische Versorgung findet mit einfachsten Mitteln und minimaler Ausstattung unter extrem schwierigen Umständen statt. Es fehlen die grundlegendsten technischen Hilfsmittel für eine körperliche Untersuchung wie z.B. Stethoskope, Blutdruckmessgeräte, Fieberthermometer oder Orthoskope.

Labortechnische Untersuchungen können aufgrund fehlender Geräte und Hilfsmittel nicht oder nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden. Neben der Grundausstattung zur Serum- und Blutbildbestimmung fehlen auch ausreichend Mikroskope zur Malariadiagnostik. Selbst die einfachsten Hilfsmittel zur Schnelldiagnostik wie z.B. Glucosemessgeräte (Glucometer) oder Urinsticks zur Bestimmung von Stoffwechselentgleisungen sind nicht vorhanden. Deshalb muss z.B. zur Feststellung erhöhter Zuckerwerte auf die längst überholte, in Europa kaum noch bekannte und sehr unpräzise Methode der Farbumschlagsreaktion zurückgegriffen werden.

Selbst die geringsten Hygienestandards können nicht eingehalten werden, da noch nicht einmal ausreichend Handschuhe für das Personal zur Verfügung stehen. Steriles Arbeiten ist nicht möglich, die wenigen Sterilisatoren sind kochtopfgroß und es ist nicht genug Einwegmaterial vorhanden. Da es generell an Material mangelt, werden gebrauchte Einmalspritzen und –kanülen ausgewaschen, ausgekocht und wiederverwendet. Damit wird notgedrungen der Ausbreitung von Infektionskrankheiten Tür und Tor geöffnet. Auch steriles Verbandsmaterial ist nur unzureichend vorhanden.

Das einzige im Vanni vorhandene Röntgengerät ist schon sehr alt. Für die zu Untersuchenden steht keinerlei Schutzkleidung zur Verfügung. Generell sind medizinische Geräte nicht ausreichend vorhanden. So gibt es kaum Inhalationsgeräte, kein EKG oder EEG. Das einzige Ultraschallgerät befindet sich im Krankenhaus von Killinochchi was zur Folge hat, das es nicht für das etwas außerhalb gelegene maternity home zur Verfügung steht. Dort würde ein Ultraschallgerät jedoch zur Überwachung der Schwangerschaft und der Geburt dringend benötigt.

Allgemein mangelt es auch an jeglichen Ausrüstungsgegenständen sowohl der PatientInnenzimmer als auch der Untersuchungsräume. Sehr wichtig wäre ein zweiter Zahnarztstuhl, denn bei nur einem vorhandenen können die zwei Zahnärzte nie zeitgleich arbeiten.

Es gibt auch kaum Untersuchungsliegen, Wandschirme zur Wahrung der Intimsphäre, sowie Rollstühle und selbst Infusionsständer. PatientInnen schlafen entweder auf einfachen Holzbetten oder, da auch davon nicht genügend vorhanden sind, zu einem großen Teil auf dem Boden. Den PatientInnenkomfort erhöhende und die Arbeit erleichternde, höhenverstellbare Krankenhausbetten sind nicht vorhanden. Selbst Moskitonetze existieren nicht in ausreichender Anzahl, was in einem Malariagebiet wie dem Vanni jedoch essentiell wäre.

Da die srilankische Regierung die Stromversorgung gekappt hat, wird versucht mit Hilfe von Generatoren zumindest ein Minimum der benötigten Strommenge zu gewährleisten. Weitere Generatoren oder Sonnenkollektoren könnten die Situation deutlich verbessern, da das Krankenhaus -wie das gesamte Gebiet- zur Zeit zwischen 23.00 Uhr und 6.00 Uhr ohne Strom auskommen muss.

Batteriebetriebene Kühlschränke in Kombination mit Sonnenkollektoren und einer Speicherbatterie würden z.B. die Lagerung von Serumimpfstoffen vor Ort in ländlich gelegenen Impfstationen ermöglichen und dadurch den täglichen Transport erübrigen.

Der im Killinochchi-Hospital vorhandene OP-Saal ist nur für kleinste Eingriffe ausgerüstet. Alle schwerwiegenderen Fälle müssen ebenso wie alle Risikoschwangerschaften in die 1-2 Stunden entfernt gelegenen Krankenhäuser von Vavuniya oder Jaffna gebracht werden. Für alle Transporte steht nur EIN einziges Ambulanzfahrzeug zur Verfügung. Alle in der Zwischenzeit auftretenden Komplikationen müssen mit den vor Ort vorhandenen Mitteln bewältigt werden. Das heißt auch, dass für einen Zeitraum von mindestens drei Stunden ein Notfall schon allein aus Mangel an Transportmöglichkeiten für die betroffene Person den Tod bedeuten kann.

Dass die Versorgung unter diesen widrigsten Umständen dennoch so gut gewährleistet wird, ist im allergrößten Maße der aufopferungsvollen Arbeit der Leute vor Ort zu verdanken. Es hat uns nachhaltig beeindruckt mitzuerleben, mit welchem Enthusiasmus diese immense Leistung trotz beschriebener Umstände vollbracht wird und so -praktisch aus dem Nichts- ein System zur medizinischen Grundversorgung entstanden ist.

Im Vanni, in dem zur angemessenen PatientInnenversorgung ca. 60 ÄrztInnen benötigt würden, gibt es zur Zeit nur 8 ÄrztInnen, von denen sich einige bereits im Ruhestand befanden, sie aufgrund der Personalknappheit jedoch reaktiviert wurden. Ähnliches gilt für das Pflegepersonal. Kurzfristig angelerntes Hilfspersonal arbeitet größtenteils ehrenamtlich oder wird mit einem „Gehalt“ von 1000 Rupien im Monat, was ca. 10 € entspricht, vergütet. Zur Aus- und Weiterbildung auch in Form des Selbststudiums werden aktuelle medizinische Fachbücher in englischer Sprache benötigt.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass selbst die einfachsten und für europäischen Standard selbstverständlichsten Mittel die Arbeit der tamilischen Menschen vor Ort enorm erleichtern und die medizinische Versorgung der PatientInnen deutlich verbessern würden.

Unabhängig vom medizinischen Bereich hat sich uns als bleibender Eindruck  besonders eingeprägt, dass die Leute vor Ort seit Beginn des Waffenstillstandes mit unbeschreiblichem Einsatz auf allen Ebenen am (Wieder-) Aufbau der gesellschaftlichen Strukturen arbeiten. Dabei werden auch ungewöhnliche und neue Wege beschritten. Allen noch so widrigen Umständen wird mit enormem Enthusiasmus und unter möglichst effektivem Einsatz der wenigen vorhandenen Mittel begegnet. Der Wunsch und die Begeisterung, nach all den Jahren des Krieges selbstbestimmt eine Gesellschaft aufbauen und sich entwickeln lassen zu können ist an allen Ecken deutlich spürbar und richtiggehend ansteckend.

Nachhaltig beeindruckt hat uns auch die gleichberechtigte Stellung der Frau. In allen gesellschaftlich und politisch wichtigen Bereichen gibt es eigenständig arbeitende Frauengruppen und es wird versucht, Machtpositionen gleichmäßig auf Männer und Frauen zu verteilen. Diese ernsthafte und konsequente Umsetzung geschlechtlicher Gleichberechtigung sucht vermutlich weltweit ihresgleichen und schlägt sich im starken und selbstbewussten Auftreten der Frauen im täglichen Leben nieder.

Insgesamt hat dieser Aufenthalt im Vanni und die damit verbundene Begegnung mit so vielen engagierten und warmherzigen Menschen uns sehr bereichert. Wir wünschen der tamilischen Bevölkerung und ihren VertreterInnen, dass der Frieden sich dort stabilisieren kann und sie weiterhin die Möglichkeit haben werden, in ihrem Bestreben nach einer progressiven Gesellschaftsstruktur fortfahren zu können. Zu diesem Zweck sollte ihnen alle erdenkliche Hilfe und Unterstützung geleistet werden.“

Der Bericht gibt Aufschluss über die Entbehrungen, mit denen die Flüchtlinge im Vanni zurecht kommen müssen. Dies ist eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass der Vanni überwiegend aus Dschungellandschaft besteht und für eine Besiedlung kaum geeignet ist. Ein großen Beitrag für das Überleben dieser Menschen hat die internationale tamilische Hilfsorganisation Tamil Rehabilitation Organisation (TRO) geleistet. Mit der Hilfe der TRO gelang es ihnen, z.B. ein Rehabilitationszentrum für Kriegsversehrte und Waisen- und Witwenhäuser in Eigeninitiative aufzubauen. Das Engagement der TRO wurde international ausgezeichnet und selbst die srilankische Regierung lobte die Effizienz der tamilischen Hilfsorganisation, die bereits seit 1985 besteht.

Aus Gesprächen mit den Menschen aus dem Vanni, die in Eigenverantwortung humanitäre Arbeit vor Ort leisten, wurde deutlich, welche Form der Unterstützung benötigt wird. Unsere Kampagne sieht seine Aufgabe darin, anhand der Vorstellungen der Bevölkerung vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und die entsprechenden Projekte zu fördern. Durch die leidvollen Erfahrungen entwickelten die Tamilen eine Entschlossenheit, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie haben die Vorstellung und den Antrieb, eine Infrastruktur aufzubauen, die für ihre Existenz und ihren Fortschritt notwendig ist. Sie wollen keine passiven Empfänger von mildtätigen Spenden sein, sondern erhoffen sich eine Solidarität basierend auf der Akzeptanz ihrer Sehnsüchte und Würde.

Auch in der singhalesischen Gesellschaft haben sich fortschrittliche Organisationen zusammengefunden, um ein Projekt für den Aufbau der kriegszerstörten Infrastruktur im Vanni auf einer solchen solidarischen Basis zu beginnen. Dies ist besonders bemerkenswert, da die Mehrheit der Singhalesen zwar ein Ende des Krieges erhofft, aber gleichzeitig der Logik der Armee verfangen ist, dass jegliche Verbesserung der Lebensbedingungen der Tamilen de facto eine Kräftigung der LTTE darstellen würde. Tatsächlich verhindern gerade diese militärischen Interessen eine Verbesserung, da sie jedes Mal angebracht werden, wenn es um die Bemühungen geht, das Leben der Tamilen in den kriegszerstörten Gebieten zu normalisieren. Zu Kriegszeiten wurde versucht, die Stärke der LTTE zu schwächen, indem ein Embargo gegen die tamilischen Gebiete dazu benutzt wurde, die tamilische Bevölkerung zu zermürben. Lebensmittel und Medizin wurden als Kriegswaffen eingesetzt. Aus den gleichen Überlegungen heraus wird derzeit der tamilischen Bevölkerung in den selbstverwalteten Gebieten die staatlich gelenkte Entwicklungshilfe vorenthalten. Um so wichtiger ist die Bereitschaft der singhalesischen Organisationen, diese Wahrnehmung der Tamilen als eine Bedrohung zu überwinden. Damit wäre ein erster Grundstein für die Schaffung eines dauerhaften Friedens gelegt.

Ebenso wie ein Teil der singhalesischen Bevölkerung damit beginnt, eine Brücke der Solidarität aufzubauen, kann auch hier in Deutschland durch eine engere Verbindung mit den tamilischen Flüchtlingen dazu beigetragen werden, dass die für den Frieden so notwendige Normalität im Vanni einkehren kann. Ein Erfolg unserer Kampagne kann zudem erreichen, dass die Flüchtlinge von Gesellschaft und Politik in einem anderen Licht wahrgenommen werden – nicht als unerwünschte Belastung, die man so schnell wie möglich los werden möchte, sondern als Botschafter des Friedens, die die Menschen hier und in den vom Krieg zerstörten Ländern einander näher bringt.

Konkrete Unterstützung sollte geleistet werden durch:

Materialbeschaffung

für Krankenhäuser (siehe Dokumentation der Medizinstudenten) und Schulen in der Vanni-Region

Öffentlichkeitsarbeit und Austausch

über z.B. Schulprojekte (Erstellung von Unterrichtseinheiten), Informationsveranstaltungen etc.

Spendenwerbung

Patenschaften – finanzielle Unterstützung der Aufbauhilfeleistenden im Vanni

Als möglicher Kooperationspartner für den Transfer der gesammelten Spenden und Materialien steht die Tamil Rehabilitation Organisation (TRO) zur Verfügung.

Kriegerische Konflikte verhindern und zerstören Entwicklungschancen, aber sie sind gleichzeitig oft auch die Folge von nicht stattgefundener Entwicklung. Armut, Ausgrenzung sowie kulturelle und politische Unterdrückung sind ein Nährboden für gewaltsame Auseinandersetzungen, und verzweifelte Menschen ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft können leicht für Machtinteressen instrumentalisiert und unter dem Vorwand religiöser oder ethnischer Unvereinbarkeit aufeinander gehetzt werden.

Frieden und Demokratie sind Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung, ebenso wie die Befriedigung wenigstens der Grundbedürfnisse, Zugang zu Ressourcen und Teilhabe der breiten Bevölkerung an Entscheidungsprozessen Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden sind. Mit dem Projekt „Frieden braucht Solidarität“ leisten Flüchtlinge aus Sri Lanka von Bremen aus einen wichtigen Beitrag zu Frieden, Demokratie und Entwicklung in ihrem Heimatland und unterstützen damit einen Aufbauprozess, der auch ihnen in der Zukunft eine Rückkehr ermöglichen wird.

- Landesamt für Entwicklungszusammenarbeit

Die tamilischen Flüchtlinge in Bremen haben ein wichtiges Signal gesetzt, indem sie die Initiative zu dieser Solidaritätsaktion für die kriegszerstörten Gebiete in Sri Lanka ergriffen haben. Diese Initiative verdient Unterstützung und deshalb danke ich allen bremischen Einrichtungen, die dieses Projekt zu einem Gemeinschaftsprojekt gemacht haben. Ich appelliere an die Bremer Bevölkerung, sich an dieser Hilfsaktion solidarisch zu beteiligen. Jetzt muss es darum gehen, den immer wieder gefährdeten Friedenskurs zu stabilisieren und die äußerst prekäre Lage der Binnenflüchtlinge in Sri Lanka zu verbessern helfen.

So lange ein humanitärer Mindeststandard für die Versorgung der über 500 Tausend

Binnenflüchtlinge nicht gesichert ist, wäre es verhängnisvoll und auch für den brüchigen Friedensprozess unverantwortlich, bereits mit der Rückführung der in Deutschland und auch in Bremen lebenden tamilischen Flüchtlinge aus Sri Lanka zu beginnen.

- Dagmar Lill, Ausländerbeauftragte des Landes Bremen

weitere Stellungnahmen zu dem Projekt und nähere Informationen sind erhältlich beim:

Internationaler Menschenrechtsverein Bremen e.V.
Fax 0421-498 72 76
imrv@humanrights.de
www.humanrights.de