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Home » Länder » Sri Lanka » Angriffe auf Medien eskalieren in Sri Lanka

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Angriffe auf Medien eskalieren in
Sri Lanka

Sechs Journalisten und Medienarbeiter verhaftet



Erklärungen und Protestbriefe
Vier Tamilen und zwei Singhalesen, die im Medienfeld beschäftigt sind, werden von der Antiterrorismus-Abteilung (TID) der srilankischen Polizei festgehalten. V. Jesikaran, Vadivel Valarmathi, J.S. Tissanayagam, Kithsiri Wijesinghe, Udayanan und A.G. Gayan Lasantha Ranga befinden sich allesamt in Polizeihaft und werden verhört. Alle tragen zur Produktion der Internetseite www.outreachsl.com bei.

Chronologie der Ereignisse

In der Nacht des 6. März wurden V. Jesikaran, Besitzer von ‘Outreach Multimedia' und 'Equality Graphics’ und ehemals Journalist der tamilischen Tageszeitung ‘Sarinihar’, sowie seine Ehefrau Vadivel Valarmathi von der TID in Colombo verhaftet. Die Festnahme fand statt, während er in seiner Druckerpresse arbeitete. Er wurde dann zu seinem Haus gebracht, wo seine Ehefrau ebenfalls verhaftet wurde.

Am nächsten Tag, dem 7. März, gingen J.S. Tissanayagam und Kithsiri Wijesinghe zum TID-Hauptquartier in der Chaitya Road in Colombo, um sich über die Festnahmen zu erkundigen. Die TID nahm sie daraufhin ebenfalls in Haft!!! S. Tissanayagam ist ein angesehener tamilischer Journalist und arbeitet als freier Schreiber für die englischsprachigen Massenblätter ‘The Sunday Times’ und ‘The Daily Mirror’. Er ist zudem Cehfredakteur der Internetseite ‘outreachsl’. (In 2002 arbeitete er mit D. Sivaram als CO-Redakteur beim ‘Northeastern Herald’). Kithsiri Wijesinghe ist ein erfahrener singhalesischer Journalist. Er arbeitete zuvor für die singhalesischen Wochenzeitungen ‘Ravaya’ und ‘Mawbima’ und ist momentan Schwerpunkt-Redakteur des Zweimonats-Magazins ‘Diyesa’. Er arbeitet als freier Journalist für ‘outreachsl’.

Udayanan wurde am 7. März bei sich zuhause in Colombo verhaftet. Er ist ein professioneller Video-Editor und produziert die Video-Berichte auf ‘outreachsl’.

Am Nachmittag des 7. März wollte die TID zudem S. Sivakumar, den Sprecher von Free Media Movement (FMM), verhaften. Als sie ihn nicht auffanden, nahmen sie statt seiner einen Cousin in Haft! S. Sivakumar arbeitete zuvor als Cherredakteur für zahlreiche tamilische Blätter, darunter die weitverbreiteten Zeitungen 'Advan' und 'Sarinihar’. Momentan arbeitet er für das tamilischsprachige Zweimonatsmagazin ‘Sarinihar’. FMM konnte verhandeln, dass Sivakumar am 8. März um 9 Uhr beim TID-Büro erscheint, woraufhin der Cousin freikam. Sivakumar überstellte sich der TID und wurde 12 Stunden später freigelassen.

Als Reaktion auf eine entsprechende Forderung der TID an den FMM-Vorsitzenden Sunanda Dashapriya stellte sich A.G. Gayan Lasantha Ranga, Kamera-Mann von outreachsl am 8. März der TID. Ranga ist ein professioneller Kamera-Mann und hat für zahlreiche andere elektronische Medien gearbeitet. Er ist nun bei der TID in Haft.

Der Angriff auf Outreach: Der Kontext

Diese Angriffe haben einen Nachklang der Angriffe auf das singhalesische Massenblatt ‘Mawbima’ vom letzten Jahr. Die Wochenzeitung Mawbima, die sich kritisch zur Regierungspolitik hinsichtlich des Krieges und der Korruption äußerte, geriet im November 2006 unter Beschuss. Parameswaree Munusamy, eine tamilische Journalistin, die als Übersetzerin für Mawbima arbeitete, wurde zusammen mit ihrer Zimmergenossin verhaftet. Sie wurden ebenfalls im TID-Hauptquartier inhaftiert. Ihnen wurde vorgeworfen, aktive LTTE-Mitglieder zu sein. Später wurden der Finanzdirektor der Zeitung, Dusyantha Basnayaka, und der Besitzer der Zeitung, Tiran Alles, ebenfalls unter ähnlichen Vorwürfen von der TID verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen, die Zeitung mit finanzieller Unterstützung der LTTE herauszugeben. Aber als all diese repressiven Maßnahmen nicht halfen, die Zeitung zum Schweigen zu bringen, fror die Zeitung die Bankkonten der Zeitung ein, was die Zeitung zwang, ihre Herausgabe einzustellen. Nachdem die Zeitung ihre Arbeit eingestellt hatte, wurden alle Verhafteten freigelassen, ohne das ein einziger Vorwurf belegt wurde.

Nun wiederholt sich das gleiche Drama gegen ein anderes Medium durch die gleiche TID. Die Internetseite ‚outreachsl’, die im Januar 2008 gestartet wurde, hat zahlreiche Artikel und Video-Berichte über die eskalierende Menschenrechtslage in Sri Lanka publiziert. Auf genau die gleiche Weise wurden die Journalisten und der Besitzer von ‚outreachsl’ von der TID unter den gleichen Vorwürfen verhaftet: „Betreiben einer Internetseite mit finanzieller Unterstützung der LTTE.“ Die TID hat eine berüchtigte Geschichte von Angriffen auf Journalisten, die Menschenrechtsverletzungen der Regierung kritisieren und dann als LTTE-Spione oder Sympathisanten denunziert werden.

Internationale Dimension

Der Angriff auf ‘outreachsl’ muss ebenfalls im Kontext mit der Enthüllung der schrecklichen Menschenrechtslage in Sri Lanka durch verschiedene internationale Organisationen gesehen werden – der Human Rights Watch Report ist das jüngste Beispiel. Die srilankische Regierung betrachtet die Zerstörung lokaler Initiativen, wie ‚outreachsl’, als Notwendigkeit. Vor Kurzem haben hochrangige Regierungsminister und Repräsentanten offen erklärt, dass einheimische Internetseiten eines der Haupthindernisse für die Kriegsaktivitäten sind. Wenn diese Aktionen erfolgreich sind, werden sie ein mächtiges Signal an alle schicken, die es wagen, sich gegen die Regierungspolitik zu wenden – insbesondere was den Krieg angeht. Diese Festnahmen haben bereits Angst unter denjenigen ausgelöst, die in diesem Feld tätig sind. Jede Person oder Organisation muss denken: Wenn ich gegen die Inhaftierung der ‘Outreachsl’-Mitarbeiter protestiere, werde ich mich dann auch in Gefahr begeben? Sie denken: Wenn ich verhaftet werden, wie lange werde ich festgehalten werden? Was für Folter werde ich zu erleiden haben? Wer wird für mich einstehen?

Um diese Situation zu ändern, ist internationaler Druck unerlässlich. Wir appellieren an Sie, umgehend Druck auf die srilankische Regierung auszuüben, alle Jene freizulassen, die momentan festgehalten werden.

Bitte schreiben Sie Protestfaxe an

Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse (der auch Innenminister ist!)
Fax: 0094 11 232 1404

Mahinda Samarasinghe (Minister für Katastrophenhilfe und Menschenrechte)
Fax: 0094 11 268 1980

Bitte vergessen Sie nicht, eine Kopie Ihres Schreibens an imrv@humanrights.de zu schicken.

10.03.08