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Sonderausgabe zu den Jahrestagen des "Schwarzen Juli" mit folgendem Inhalt:
Editorial
Ende Juli 1983 ging Sri Lankas Hauptstadt Colombo buchstäblich in Flammen auf, als aufgehetzte Horden aus der singhalesischen Mehrheitsbevöl-kerung Seite an Seite mit Polizei- und Regierungskräften systematisch tamilische Häuser und Besitztümer plünderten und in Brand steckten. Innerhalb weniger Tage wurden über 3.000 Tamilen auf brutalste Weise ermordet und Tausende zur Flucht gezwungen, während sich die gewalttätigen Übergriffe auf weitere Städte ausbreiteten. Diese Orgie der Gewalt markierte einen vorläufigen Höhepunkt in den anti-tamilischen Ausschreitungen und sucht in der Geschichte der Insel ihres Gleichen. Diese Zeitungsausgabe widmet sich den Hintergründen
des nunmehr über 20 Jahre andauernden bewaffneten Konfliktes in Sri
Lanka. Um die unvermindert grausame Realität des Krieges begreifen
zu können, ist es unablässlich, die Ursachen und Faktoren zu
kennen, die ein Ende des Krieges bisher verhindert haben. Jahrzehntelange
rassistische Unterdrückung und anti- tamilische Pogrome zwangen das
tamilische Volk, seinen friedlichen Widerstand aufzugeben und den bewaffneten
Kampf aufzunehmen. Das Pogrom von 1983, an dem die singhalesischen Sicherheitskräfte
massgeblich beteiligt waren, bestärkte die Tamilen in der Erkenntnis,
das ein Leben in der srilankischen Gesellschaft ihnen keinen Schutz bieten
kann.
Als tamilische Flüchtlinge müssen wir immer wieder die Erfahrung machen, dass der Genozid, der an unserem Volk begangen wird, von der internationalen Öffentlichkeit vollkommen ignoriert wird. Insbesondere Deutschland könnte als zweitgrösster Handelspartner Sri Lankas einen positiven Beitrag dazu leisten, das der Krieg in unserem Heimatland beendet wird. Statt dessen macht uns Deutschland fortwährend zur Zielscheibe seiner gierigen Wirtschaftspolitik. Wir hoffen der Leserschaft einen Eindruck vermitteln zu können, welch grossen Anteil die deutsche Aussenpolitik an der Fortsetzung des Krieges gegen das tamilische Volk und der Verelendung der srilankischen Bevölkerung insgesamt trägt. Die
Geschichte der rassistischen Unterdrückung der Tamilen bis zum Pogrom
1983
Der
“Schwarze Juli” 1983
Die Regierung entlarvte ihre Beteiligung an den Unruhen allein durch das blutige Massaker an 52 tamilischen politischen Gefangenen, die in dem Hochsicherheitsgefängnis Welikade in Colombo festgehalten wurden. Die Ermordung der politischen Gefangenen erstreckte sich über zwei Tage. 35 wurden am 25. Juli um 2.30 Uhr ermordet, als über Colombo eine Ausgangssperre verhängt worden war. Laut Augenzeugenbericht flogen Helikopter der Luftwaffe über das Gefängnis, während die Hinrichtungen unter Aufsicht des stellvertretenden Gefängnisleiters vollzogen wurden, angefeuert durch die Armee- und Sicherheitskräfte. Nach dem Morden wurden die blutgetränkten Körper vor einer Buddhastatue im Gefängnishof aufgestapelt. In einem makabren Ritual opferten die Mörder das Blut der tamilischen Opfer der Buddhastatue. Zwei Tage später wurden die restlichen 17 tamilischen Gefangenen von singhale-sischen Häftlingen ermordet. In der Madras Hindu vom 10. August 1983 berichtete
ein weiterer Augenzeuge: “Selvaraja Yogachandran, weithin bekannt als Kuttmuni
und srilankisches Parlamentsmitglied, war einer der 52 Gefangenen, die
vor zwei Wochen in dem Hochsicherheitsgefängnis Weli-kade in Colombo
getötet wurden. Er wurde von seinen Angreifern gezwungen, in seiner
Zelle, in der er in Isolationshaft sass, niederzuknien und zu ihnen zu
huldigen. Als er dies verweigerte, spotteten seine Peiniger über seinen
letzten Willen, den er geäussert hatte, als er zum Tode verurteilt
wurde. (Er wünschte sich, dass seine Augen jemandem anderen geschenkt
werden, damit wenigstens diese Person ein unabhängiges Tamil Eelam
sehen könnte.) Die Angreifer stachen ihm daraufhin seine Augen aus.
Dann stachen sie so lange auf ihn ein, bis er starb, und schnitten ihm
die Hoden ab. Dies wurde bestätigt durch einen Arzt, der eine Post-
Mortem- Untersuchung an den 35 getöteten Gefangenen durchführte.”
Obwohl die überwiegend singhalesisch besetzten lokalen Medien versuchten, die rassistisch motivierte Gewalt zu verschleiern, deckte die internationale Medienberichterstattung den wahren Charakter dieser grausamen und brutalen Übergriffe auf. In dem London Daily Express vom 29. August 1983 schilderten die norwegischen Touristen Frau Eli Skarstein und ihre 15 Jahre alte Tochter Kristen ihren Augenzeugenbericht. Sie hatten ansehen müssen, wie ein singhalesischer Lynchmob einen Kleinbus, in dem ausschliesslich Tamilen sassen, anhielt, mit Benzin übergoss und anzündete, nachdem sichergestellt war, dass alle Türen verschlossen waren. Über hundert Zuschauer sahen ungerührt zu, wie die zwanzig tamilischen Fahrgäste bei lebendigem Leib verbrannten. Neben solchen Berichten über Massenmorde,
die die internationale Öffentlichkeit erreichten, gab es tausende
weitere Übergriffe, bei denen Menschen verstümmelt, getötet
oder vertrieben wurden. Zahlreiche Flüchtlingslager wurden errichtet,
nachdem die vertriebenen Tamilen in Massen Zuflucht in Kirchen, Schulen
und Tempeln suchten. Auch singhalesische Christen riskierten in diesen
Tagen ihr Leben, wenn sie versuchten, den verfolgten Tamilen Zuflucht zu
gewähren. Das Ausmass und das wahre Wesen dieser Angriffe wurde erst
bekannt, als die Tamilen dort ihre Erlebnisse mitteilten.
Bis heute war die srilankische Regierung nicht
in der Lage, eine angemessene Erklärung für die rassistischen
Gewaltausbrüche zu geben. Mit diversen Verschwörungstheorien
vom versuchten Regierungsputsch bis zum kommunistischen Komplott und der
internationalen Einmischung von Geheimdiensten, wie dem KGB, versuchte
sie, sich ihrer Verantwortung zu entziehen.
Die Hintergründe des anti-tamilischen Rassismus in Sri Lanka Erst kürzlich, am 13. Juli 2001, hielt der
UN- Generalsekretär Kofi Annan an der Freien Universität Berlin
einen Vortrag über das Thema Rassismus. Mit den folgenden Worten warb
er für die in naher Zukunft unter der Schirmherrschaft der Vereinten
Nationen stattfindende „Weltkonferenz gegen Rassismus“ in Südafrika:
Wir denken, dass den meisten Menschen sehr wohl bewusst ist, dass Rassendiskriminierung und Chauvinismus keine wesentlichen Merkmale der menschlichen Natur sind und dass Menschen der Hass anerzogen werden kann. Doch bevor wir lernen, wie wir Hass überwinden können, ist es ausserordentlich wichtig, zu verstehen, warum Menschen überhaupt dazu erzogen werden, zu hassen. In wessen Interesse liegt es, Hass zu schüren? Was für Motive kann es für ein solches Verbrechen geben? Wer kann daraus einen Nutzen ziehen? Bevor der Inselstaat Sri Lanka kolonialisiert
wurde, war das Verhältnis zwischen der singhalesischen und tamilischen
Bevölkerung ein völlig anderes als das heutige. Es hat sicherlich
Konflikte zwischen den beiden Königreichen gegeben, aber diese Konflikte
unterschieden sich kaum von den Konflikten anderer Länder zueinander,
wie z.B. den Konflikten zwischen England und Frankreich. Es gab Konflikte
und es wurden auch Kriege ausgetragen, aber die Singhalesen hegten in dieser
Zeitperiode keinen so tief-sitzemden, chauvinistischen Hass gegen die Tamilen,
wie sie ihn später entwickelten.
Da die Insel von den Briten als militärischer
Stützpunkt benötigt wurde, versuchten sie jegliche Instabilität
innerhalb des Landes zu vermeiden. Aus diesem Grund wurden die Ressourcen
der Insel in der früheren Periode der britischen Koloniali-sierung
im Vergleich zu der rücksichtslosen Ausbeutung Indiens in geringem
Ausmass ausgebeutet. Die Unsummen an Reichtum, die die Briten durch die
Kolonialisierung Indiens erbeuteten, ermöglichten Britain, eine Pionierrolle
in der industriellen Revolution einzunehmen. Indien, einst eines der größten
Lieferanten weltweit für die Herstellung von Baumwolle, wurde schliesslich
mit englischen Baum-wollmaterialien überflutet, nachdem seine Grundlagen
für die Herstellung durch die Briten zerstört war.
Während sowohl die Portugiesen als auch die Holländer, die singhale-sischen und tamilischen Gebiete der Insel separat beherrschten, entwickelten die Briten für die gesamte Insel eine Verwaltungseinheit. Dadurch erhielt die singhalesische Bevölkerung, als Mehrheitsbevölkerung, die Grundlage für die spätere Kontrolle der gesamten Insel, einschließlich der tamilischen Siedlungsgebiete. Im Verlauf des 20. Jh. intensivierte sich die anti-koloniale Bewegung gegen die britische Herrschaft unter der Führung Gandhis. Die tamilischen Plantagenarbeiter/innen aber auch die Tamilen im Norden und Osten symphatisierten mit dem anti-kolonialen Befreiungskampf ihrer “Geschwister” in Indien. Doch selbst als der gewaltfreie Widerstand in Indien durch die brutale gewalttätige Repression der Briten angegriffen wurden, sahen die singhalesischen politischen Führer auf der benachbarten Insel keinen Grund, gegen die britische Gewaltherrschaft zu protestieren. Gandhi ging dazu über, die srilankischen Politiker als “unsere verwestlichten Freunde” zu bezeichnen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges gewann Indien
seine politische Unabhängigkeit, während Sri Lanka die Unabhängigkeit
erhielt, ohne dass die politischen Führer der Insel sich diese
wirklich erkämpft hatten. Es stellte sich heraus, dass das „Geschenk“
der Unabhängigkeit Sri Lankas kurze Zeit nach der Unabhängigkeitserklärung
Indiens als eine Art trojanisches Pferd für Britain und die USA fungierte.
In dieser Periode übernahm dann die USA die führende Position
unter den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern ein. Auch in
der Periode des Kalten Krieges war die geostrategische Lage Sri Lankas
und vor allem der Hafen von Trincomalee von besonderer Bedeutung für
die militärischen Kampagnen der westlichen Staaten. Da Indien sich
nicht positionierte und sich weder auf die Seite der westlichen Staaten
noch auf die Seite des Sowjetblocks stellte und der Hafen von Trincomalee
in dem Siedlungsgebiet der pro-indischen Tamilen lag bzw. liegt, wurde
es für die westlichen Staaten notwendig, den loyalen Singhalesen die
Kontrolle über die gesamte Insel zuzuschustern.
Ebenso wie es den Briten zu den sogenannten Kolonialzeiten durch die Mithilfe singhalesischer Politiker und anderer einflussreicher Kräfte aus der singhalesischen Gesellschaft gelang, ihre Interessen in der Region durchzusetzen, erreichten die westlichen Staaten durch die Mithilfe der politischen Führung Sri Lankas in den 70 er Jahren die Einführung der freien Marktwirtschaft in Sri Lanka. Die freie Marktwirtschaft wurde von der USA als entscheidender Umschwung für die Restrukturierung der Weltwirtschaft angepriesen und Sri Lanka sollte als Ausstellungsstück für den indischen Subkontinent herhalten. Obwohl der Prozess schon vorher begann gilt das Jahr 1977, als das Jahr in dem die UNP Regierung angeführt durch Junius Richard Jayewardene weitreichende Freihandelszonen einführte, die den ausländischen Investoren unbegrenzten Zugriff und Freiheiten garantierte und den Arbeiter/innen nahezu alle Rechte nahmen. Zehntausende junger Frauen schuften zu unmenschlichen Arbeitszeiten unter extremer Stresseinwirkung für ein dürftiges Gehalt. Das kostenfreie Bildungsangebot und die relativ hohen Sozialausgaben, die als Privilegien aus der unmenschlichen Ausbeutung der tamilischen Plantagenarbeiter/innen erwuchsen, verschwanden nachdem die rücksichtslose Logik des Moneta-rismus implementiert wurde. Die rapiden Einschnitte in die Sozialausgaben und Subventionierungen etc. verschärfte die ohnehin schon harten Lebensbedingungen der tamilischen und singhalesischen Massen. Dadurch erhielt der singhalesische Chauvinismus seinen Auftrieb und die Zahl der rassistischen Attacken an der tamilischen Bevölkerung stieg an. Paris
Aid Group
Wie die PAG, die Weltbank und der IWF dazu beitragen,
singhalesischen Chauvinismus zu schüren.
Trotzdem war es jedoch recht einfach, den Streik zu brechen. Die Regierung beschuldigte die LTTE, hinter diesem Streik zu stehen- und für die, welche diese Anschuldigung zu lächerlich fanden, wurde argumentiert, daß der Streik lediglich der LTTE nutzen würde, die Streikenden im Endeffekt der LTTE einen großen Dienst erwiesen und daß der Streik das Leben tapferer singhalesischer Soldaten gefährden würde. Die starke Ausprägung anti-tamilischer Gefühle sowie die Angst mit der LTTE identifiziert zu werden ist so groß, daß der Streikwille gebrochen werden konnte. Normalerweise würde die Regierung die Konsequenzen eines massiven Privatisierungskurses zu tragen haben, indem Sie einer unvermeidlich starken Opposition gegenübertreten und mit ihr verhandeln müßte. So aber, durch Schüren des anti-tamilischen Rassismus, kann das Protestpotential durch Angst und Haß gebrochen werden. Auf diese Weise kann Privatisierung durchgesetzt werden, indem man das Tamilische Volk attackiert. Das Geld von der PAG ist nicht nur die finanzielle Basis für die Fortsetzung des Krieges, es wird auch vom Regime politisch genutzt, um die Unterstützung des Singhalesischen Volkes zu bekommen. Es demonstriert, daß die mächtigsten Länder der Welt den singhalesischen Nationalismus gutheißen. Es zeigt, daß die singhalesische Mehrheit freie Hand hat, mit der tamilischen Minderheit zu verfahren, wie es ihr beliebt und daß jede noch so grausame Aktion die Unterstützung durch die PAG nicht gefährdet. Die Armen unter den Singhalesen fürchten
die Privatisierungspläne, die von der PAG vorgeschlagen und von der
Chandrika-Regierung durchgeführt werden. Aber jeder Widerstand dagegen
wird mit dem Vorwurf niedergehalten, daß dies den Kriegserfolg gefährde.
So drängt der Krieg die singhalesischen Massen in eine Haltung stiller
Akzeptanz der massiven Privatisierungskampagne, die von der Weltbank/IWF
entwickelt wurde. Je weiter sich der Krieg verschärft und je mehr
der anti-tamilische Rassismus wächst, desto stärker wird das
Argument, sich den Privatisierungsplänen nicht entgegenzustellen.
Das
Massaker von Bindunuwewa
Am Morgen des 25. Oktober stürmten einige hundert Sighalesen, bewaffnet mit Steinen, Äxten, Macheten und Messern, das sogenannte „Rehabiltationslager“ für mutmaßliche LTTE-Mitglieder in Bindunuwewa im zentralen Bergland Sri Lankas. Sie töteten 25 der 44 Männer zwischen 12 und 40 Jahren auf der Stelle, verletzten sechs andere zum Teil so schwer, dass sie die kommenden Tage nicht überlebten. Offensichtlich war der mörderische Mob darüber informiert worden, dass es zuvor zu einer Rebellion der Gefangenen gekommen war. Die Gefangenen sollen den Gefängnisdirektor als Geisel genommen haben. In anderen Berichten hieß es, sie seinen in einen Hungerstreik getreten, weil man ihnen die Freilassung versprochen hatte und diese immer und immer wieder verschob. Fest steht jedenfalls, dass keinem der Wachleute etwas passiert ist. Und mit ein bisschen gesundem Menschenverstand dürfte auch klar sein, dass Wachleute und der rassistische Mob gemeinsame Sache ge macht haben. Woher soll der Mob sonst von den Ereignissen im Gefängnis gewußt haben? Es sollen vier singhalesische „Home Guards“ im Lager gewesen sein, von der Regierung mit Waffen ausgestattete Dorfschützer. Was wollten diese berüchtigten Paramilitärs dort? Wie ist es möglich, dass die Mörder aus dem Dorf an den mit schweren automatischen Waffen ausgerüsteten Polizisten vorbei ins Innere des Lagers vordringen konnten? Es ist kaum zu erwarten, dass die genauen Umstände des Massakers an 31 tamilischen politischen Gefangenen jemals öffentlich bekannt werden. Natürlich hat Präsidentin Kumaratunga eine „schonungslose Aufklärung“ versprochen. Doch rund 200 verdächtige Dorfbewohner wurden nach wenigen Stunden wieder freigelassen, als abermals eine Menschenmenge das Gefängnis umstellte. Und man muß kein Hellseher sein, um zu ahnen, wohin die Ermittlungen gegen Wachleute führen werden. Von
Opfern und Tätern
Am Wochenende nach dem Massaker konnten singhalesische Rassisten ungestraft spontane Demonstrationen aufgebrachter Tamilen im zentralen Bergland angreifen. Eine Nachrichtensperre macht die Bewertung des nun folgenden schwierig. Wie der tamilische Parlamentsabgeordnete der Opposition, P. Chandrasekaran berichtete, zerstreute die Polizei Kundgebungen mit Tränengas, ließ aber die Angreifer unbehelligt. In einer Serie von gegenseitigen Angriffen wurden tamilische und singhalesische Geschäfte verwüstet und in Brand gesteckt, Autos angezündet und mindestens vier weitere Tamilen getötet. Die Polizisten verhafteten offenbar nur Tamilen, darunter den „gemäßigten“ Chandrasekaran, der für die singhalesisch dominierte UNP im Parlament sitzt. Bereits wenige Tage nach dem Massaker hatte die „Island“ spekuliert, dass die LTTE hinter den Übergriffen stecke. Dies sei nicht weit hergeholt, denn die LTTE sei „viel raffinierter als wir es uns überhaupt vorstellen können“, Aufschlußreich war auch die Reaktion der Präsidentin. Es seien „kollaborierende Kräfte“ der LTTE gewesen, die das Massaker provoziert hätten. Die Logik ihrer Argumentation: Singhalesischer Rassismus sei die beste Grundlage für „Prabhakarans Terrorismus“, also hätten „ultranationalistische Gruppen“ (gemeint ist die SU) mit der LTTE einen geheimen Pakt geschlossen. In dergleichen Rede betonte Chandrika: „Wir haben nie vergessen, dass die Mehrheit dieses Landes singhalesische Buddhisten sind. Es ist unsere singhalesische Nation, die in diesem Krieg die meisten Leben verloren hat.“ „Tigerfleisch
für Hunde“
Zugleich wirft das Massaker ein Licht auf die Psychologie des singhalesischen Rassismus. Noch das schwerbewachte Gefangenenlager mit zum Teil minderjährigen Inhaftierten erscheint den Rassisten als Bedrohung. Als Tamile gerät man allzuleicht ohne Grund in LTTE-Verdacht. Selbst solche vermutlich Unschuldigen werden in den verdrehten Hirnen singhalesischer Rassisten zu Infiltratoren, selbst ein barbarisches Massaker durch singhalesische Rassisten zu einer Verschwörung durch die LTTE. Das Bindunuwewa-Massaker ist jedoch kein spontaner rassistischer Ausfall. Vielmehr ist es strategisch geplant worden. Am Tag des Massakers tauchten in der Stadt Bandarawela nahe dem Camp Poster auf mit der Aufschrift: „Tigerfleisch für unsere Hunde“. Sehr wahrscheinlich stammen die Urheber aus den Reihen der SU. Die im Mai gegründete Partei ist nur der politische Arm einer Bewegung, die bereits seit drei Jahren mit großem Erfolg eine neuartige faschistische Strategie verfolgt. Den ökonomischen Arm bildet eine sogenannte „Singhalesische Heldenorrganisation“ (Sinhala Veera Vidahana). Sie ist ein Zusammenschluß singhalesischer Händler und hat das Ziel, tamilische Konkurrenten mit ökonomischem Druck und gelegentlich auch mit Gewalt aus dem Feld zu schlagen. Gleichzeitig bemühen sich die „singhalesischen Helden“ um Unterstützung bei armen Bauernfamilien, indem sie die immer spärlicheren staatlichen Subventionen überbieten und Reis zu Preisen kaufen, die deutlich über dem Marktpreis liegen. Eine dritte Organisation namens „Nationale Bewegung
gegen Terrorismus“ organisiert zahlreiche führende Militäroffiziere
und Prominente wie Schriftsteller, Musiker und Sportler. Ihre Botschaft
ist die Forderung nach einem „konsequenteren“ Krieg gegen die LTTE. Cheforganisator
ist der SU-Vorsitzende Champika Ranawaka. Das vierte Standbein der Bewegung
mag Menschen im Westen verunsichern: Die extrem rassistische Organisation
buddhistischer Mönche sorgt für die ideologische Infiltration
der Gläubigen. In ihr sind inzwischen die meisten Mahanayakas (oberste
Priester) organisiert. Entgegen landläufiger Vorurteile ist der Buddhismus
bereits seit über hundert Jahren ideologischer Steinbruch der singhalesischen
Nationalisten.
Sri
Lanka´s torture shame
Der 26. Juni wurde offiziell zum internationalen
Tag der Unterstützung von Folteropfer ernannt. Aber diese Ernennung
nützt einem kleinen fünf- jährigen Jungen aus dem Norden
Sri Lankas wenig. Ende letzten Jahres war sein nackter Körper in einem
Massengrab gefunden worden, seine Hände und Füsse waren gefesselt,
seine Kehle durchgeschnitten. 14 Soldaten wurden im Zusammenhang mit diesem
Mord inhaftiert, der Fall ist bisher noch nicht vor Gericht verhandelt
worden.
Gefoltert
Menschenrechtsaktivisten berichten, dass beide
Knie und beide Knöchel des Kindes gebrochen wurden. Der Magen des
Kindes war total zerstört. Der Befund deutet darauf hin, dass das
Kind gefoltert wurde, bevor man ihm die Kehle durchschnitt. Auch der Vater
des Jungen und sein 15- jähriger Bruder wurden ermordet aufgefunden.
Das sogenannte Mirisuvil Massengrab ist nur einer der derzeitigen Fälle, in denen das srilankische Militär angeklagt wird, Menschrechtsverletzungen begangen zu haben. In dem Verlauf des zwanzigjährigen Bürgerkrieges lassen sich nach Angaben von Menschenrechtsanwälten die bekannt gewordenen Fälle, bei denen Mitglieder der Sicherheitskräfte aufgrund von Menschenrechtsverletzungen an Tamilen verurteilt wurden lediglich an einer Hand abzählen. Sondergesetze
Der fünf Jahre alte Junge aus Mirisuvil kam nicht mit dem Leben davon und es scheint nicht sehr viel Interesse daran zu bestehen, das seine Mörder zur Rechenschaft gezogen werden. |
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