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Home » Länder » Sri Lanka » Hintergrundinformation über den Film “Feuerbrief” und Asoka Handagama

Hintergrundinformation über den Film “Feuerbrief” und Asoka Handagama


Das Verbot des Films “Aksharaya” (Feuerbrief) in Sri Lanka und die öffentlichen Attacken auf den Regisseur Asoka Handagama ist besorgniserregend und ruft nach internationaler Solidarität. Gleichzeitig mit der Eskalation des Krieges in Sri Lanka werden Zeitungen verboten, Journalisten ermordet und täglich werden Menschen willkürlich verhaftet, viele “verschwinden” einfach. In dieser gefährlichen und gespannten Situation auf der Insel können Äußerungen wie jene des Obersten Richters physische Angriffe auf jene provozieren und legitimieren, die den Film verteidigen: “Der Film sollte zerstört werden”, meint dieser Richter und Menschen, die den Film verbreiten, “könnten zu Gefängnisstrafen verurteilt werden wegen Missachtung eines Gerichts”.

Wir als Handagamas Freunde versuchen, rasch international bekannte Filmschaffende, Künstler und Literaten für eine Unterschriftenliste zu gewinnen (siehe Anhang), um Asoka Handagama in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Wir glauben, dass wir mit internationalem Druck helfen können, weitere Angriffe der sri lankischen Führung auf ihn abzuwehren, sein Leben zu schützen und ihm das Weiterarbeiten zu ermöglichen. Unter folgendem Link finden Sie ein Gespräch vom letzten Jahr mit Handagama, in dem er über die extrem-chauvinistischen Kräfte in Sri Lanka spricht, die sich gegen ihn gerichtet haben.

Deborah Young vom Magazin “Variety” beginnt ihre Rezension folgendermaßen: “Als tiefgründiges Filmwerk, das unter anderem die überzogen intimen Bindungen einer Familie auslotet, weist ‘Feuerbrief’ den sri lankischen Filmemacher Asoka Handagama als wahrhaft modernen asiatischen Filmemacher aus. Während er seinen Blick auf eine aristokratische Familie richtet, die von ödipalen Dramen heimgesucht wird, mischt er mutig östliche und westliche Traditionen mit Formen, die man aus Fernsehserien kennt und dem experimentellen Theater.”

Lester James Peiris, ein Veteran und Pionier des sri lankischen realistischen Kinos, kommentierte den Film so: “Handagama’s Film ist ernsthafte Arbeit, kraftvoll, verwirrend (für die Ängstlichen), ein quälender Angriff auf unser aller ‘heilige Kühe’. Kritiker mögen sich schwer tun, die Subtexte zu entziffern, die süffisante Anschläge sind auf eheliche, soziologische, kulturelle Institutionen. ... Man mag den Film mögen oder auch nicht – das ist ein anderes Thema. Aber hat nicht jeder Erwachsene das Recht, den Film zu sehen, nachdem er von der Behörde für öffentliche Vorführungen genehmigt wurde? Wenn sie ihn nicht mögen, haben sie den Luxus, das Kino zu verlassen.”

Der Film “Fliegen mit einem Flügel” brachte Asoka Handagama internationalen Ruhm – einige Kritiker im Westen bezeichneten ihn als sri lankische Version von “Boys Don’t Cry”. Dieser Vergleich ist zwar verständlich, denn auch Kritiker müssen ihren Gegenstand auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrungen kategorisieren, aber er verkennt die Tatsache, dass “Fliegen mit einem Flügel” auf einer wahren Geschichte beruht und dass der Film ebenso wie sein Regisseur tief in der singhalesischen Gesellschaft verwurzelt ist. Asoka Handagama war bereits durch mächtige Kreise der singhalesischen Gesellschaft angegriffen worden für seinen Film “Fliegen mit einem Flügel” und auch für sein früheres Werk “Dies ist mein Mond”, der die Seele eines singhalesischen Soldaten erforscht, der eine Beziehung zu einer Tamilin eingeht.

Während der Periode des von Norwegen begleiteten Friedensprozesses in Sri Lanka machte Handagama zwei verblüffende Serien fürs Fernsehen. Sie waren zugänglicher als seine Filme, die durchaus Ecken und Kanten haben und stilistisch anspruchsvoll sind – sie wurden im sri lankischen Fernsehen ausgestrahlt. Die erste Serie “Nimm diesen Weg” bezog sich auf die A9, die die singhalesischen mit den tamilischen Gebieten verbindet und die während des Friedensprozesses geöffnet war. Die aus sechs Teilen bestehende Serie nutzt die in der Periode relativer Ruhe während des Friedensprozesses in kreativer Weise die Form des Gesellschaftsdramas, um echte Verständigung zwischen Singhalesen, Tamilen und Muslimen zu fördern. Selbst die im Film verwendeten Sprachen waren völlig symmetrisch: Tamilen sprachen auch Tamilisch – mit singhalesischen Untertiteln. War der Dialog in Singhalesisch, gab es tamilische Untertitel. Handagama ging mit “Nimm diesen Weg” auf Vorführreise, zeigte ihn Gruppen von Dorfbewohnern in abgelegenen Gegenden der Insel und diskutierte den Inhalt mit ihnen. Die zweite Serie "Der Osten ruft" spielt im Umfeld des Tsunami. Die Ostküste war die am schlimmsten betroffene Region der Insel. Der Osten ist zwar eine Gegend mit einer tamilischen Mehrheit, aber auch zahlreiche Singhalesen und Muslime leben dort. Handagama mischt auf clevere Weise die spannungsreiche Möglichkeit des gemeinsamen Elends, die ja die Chance auf ein tieferes Verständnis füreinander bot, mit den negativen Kräften der Vergangenheit, die letztlich die Menschen spaltet. Die Beziehung zwischen der buddhistischen Philosophie mit der Politik der buddhistisch-singhalesischen Vorherrschaft behandelt er schlicht brillant.

Die dringende Notwendigkeit internationaler Unterstützung

Internationaler Druck hat im Positiven wie im Negativen starken Einfluss auf Sri Lanka. Sri Lankas Oberster Richter Sarath N. Silva ist internationaler Einfluss nicht fremd. Nach dem Tsunami entstand viel internationaler Druck auf Sri Lankas Regierung, eine Übereinkunft mit den Tamilen zu unterschreiben (Post Tsunami Operational Mechanism – ‘PTOMS’). Es ging darum, die internationale Hilfe fair zwischen Tamilen und Singhalesen aufzuteilen. Der Grund war, dass internationalen Beobachtern klar war, dass der tamilischen Mehrheit im Norden und Osten der Insel sehr viel weniger Hilfe erhielten, obwohl sie proportional mehr unter den Folgen des Tsunami zu leiden hatten. Nach sechs Monaten des internationalen Drucks, vor allem aus Europa, unterschrieb die damalige Präsidentin Chandrika Kumaratunga das PTOMS-Abkommen. Unter folgendem Link finden Sie ein Gespräch mit Handagama, in dem über einen Preis spricht, den er während dieser Periode vom Präsidenten erhalt hat.

Erstaunlicher Weise erklärten die USA, dass die dort gesammelte Hilfe nicht gemäß dem PTOMS verteilt werden könne, denn es gäbe rechtliche Probleme, wenn Geld in Gebiete fließen würde, die von den tamilischen Rebellen kontrolliert wurden! Der Oberste Richter Sarath N. Silva griff diese Vorlage auf, indem er eine Woche später entschied, Sri Lanka gerate in rechtliche Probleme, wenn es Geld in Rebellengebieten verteilen würde. Er erklärte das von der Präsidentin unterschriebene PTOMS-Abkommen für ungültig und zerstörte damit die Hoffnungen der Tamilen und verschärfte die Spannungen zwischen den Singhalesen und den Tamilen damit beträchtlich!
In diesem Fall hatten sechs Monate des politischen Drucks aus Europa, dessen Bürger große Geldsummen für die Opfer des Tsunami gesammelt hatten, einen erfolgreichen Ausgang. Aber der Oberste Richter Sarath N. Silva machte dies fast im Alleingang zunichte – mit den Ultra-Hardlinern unter den Singhalesen und der US-Regierung auf seiner Seite.

Die zuständige Kontrollbehörde Sri Lankas hatte den Film "Feuerbrief" gründlich untersucht und entschied, ihn für ein erwachsenes Publikum freizugeben. Der Chefrichter des Obersten Gerichts Sri Lankas, N. Silva, hat die Kontrollbehörde ‚Public Performance Control Board’ angewiesen, ihre ursprüngliche Position zu ändern. Internationale Unterstützung durch bekannte Größen der Filmbranche, aus Kunst und Literatur wird der Behörde ein klares Signal geben, dass sie nicht allein steht, dies wird ihr Stärke geben, ihre ursprüngliche Haltung zu behaupten.