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Home » Länder » Sri Lanka » Interview mit K.V. Balakumar

Interview mit K.V. Balakumar

K.V. Balakumar ist der ehemalige Führer der Eelam Revolutionary Organisaion of Students (EROS). Er ist nun verantwortlich für die politische Ausbildung der LTTE Kader. Dieses Interview wurde geführt von der singhalesischen progressiven Zeitung The Hiru in der von der LTTE kontrollierten Region im Wanni im Mai 2003. Falls Sie nicht mit der Situation in Sri Lanka vertraut sind, können Sie uns e-mailen zur Klärung etwaiger Fragen. Herr Balakumar möchte sich für seine Probleme mit der englischen Sprache.

Transkript des Interviews

Hiru: Mehr als ein Jahr ist vergangen nach Unterzeichnung der Friedensvereinbarungen zwischen der srilankischen Regierung und der LTTE. Wie ist deine momentane Einschätzung der Lage nach 14 bis 16 Monaten andauernder Friedensverhandlungen?
Balakumar: Um ganz offen zu sprechen, wir sind sehr enttäuscht, wir haben viel mehr von der srilankischen Regierung erwartet. Gerade auch, weil die srilankische Regierung Unterstützung von der Internationalen Gemeinschaft erhalten hat, glaubten wir, dass eine positive Veränderung der schweren Lebensbedingungen unserer Bevölkerung zu erreichen wäre. Wir erwarteten einen Paradigmenwechsel in der Gesinnung der singhalesischen Führung, Bürokratie und der singhalesischen Medien. Aber ich muss sagen, dass wir in diesen Punkten enttäuscht wurden.

Während der Friedensgespräche, die ausserhalb des Landes abgehalten wurden, wurden zahlreiche Komitees (zur „Wiederherstellung der Normalität“) eingerichtet. Haben diese Komitees in der Praxis ihre Wirkung entfaltet, z.B. im Hinblick auf die Rücksiedlung und den Wiederaufbau?
Das ist eine gute Frage. Um ehrlich zu sein, schätzen wir nicht gerade die Bürokratie, die Ministerien und all diese sogenannten Komitees. Aber wir haben uns jedes Mal dazu durchgerungen, diesen zuzustimmen und die Komitees einzurichten, in der Hoffnung, dass jene dann tatsächlich etwas ausrichten werden, aber wie Du sehen kannst, existieren die alten Probleme immer noch. Wir haben zum Beispiel ein Komitee für die Rehabilitation (SHIRN) eingerichtet. Doch nach etlichen Sitzungen und Beratungen, wird uns jetzt als Problem aufgetischt, dass dieses Komitee im rechtlichen System Sri Lankas nicht untergebracht werden kann. Ich möchte an alle Singhalesen eine Fragen stellen; als eure Regierung den Krieg begonnen hat, als ihr uns den Tod brachtet, als ihr uns bombardiert habt, wo waren da die rechtlichen Einschränkungen? Wo sind die Bürgerrechte, die fundamentalen Rechte, all diese Gesetze dort geblieben?  Jetzt, wenn es darum geht, die Situation zu entspannen, etwas wieder aufzubauen, dass durch die Bombardements etc. hervorgerufen wurde, und wenn es darum geht, einen Ausweg aus dieser Lage zu finden, erzählt eure Regierung uns, dass es rechtliche Hürden gäbe, dass eine Mehrheit fehle, dass Präsidentin Chandrika sich dagegen sträubt. Ich frage Euch, als ihr versucht habt uns zu töten und zu unterdrücken, gab es da rechtliche Hürden? Wir empfinden dies als eine Art Ausrede an die Weltöffentlichkeit, in der behauptet wird: „Wir sind bereit diese Dinge einzuführen, aber uns sind die Hände gebunden“. Ich frage Euch, welche Reaktion auf eine derartige Haltung erwartet ihr von uns?

Im Süden kursiert unter den Intellektuellen und einigen chauvinistischen Politikern das Argument, dass die LTTE als militärische Bewegung in den Friedensverhandlungen nicht weit kommen würde, weil beim Fortschreiten der Friedensverhandlungen innerhalb der Bewegung die Moral derart sinken würde, dass die LTTE den Krieg wieder erzwingen müsste, gerade weil sie eine militärische Bewegung sei, die von militärischem Geist und  durchdrungen sei und militärische Operationen durchführe und nur im Krieg als Bewegung bestehen könne. Was kannst Du diesem Argument entgegnen?
Das ist eine ausgezeichnete Frage. Tatsächlich müssen wir euch mit diesen Argumenten beschuldigen. Wir denken, dass die srilankische Regierung viel militärischer ausgerichtet ist als wir es sind, sie wird derzeit durch die militärischen Interessen kontrolliert. Grundlegend ist es doch so, dass die srilankische Regierung aufgrund des militärischen Druckes nicht gewillt ist, Schritte zu unternehmen, die unsere Probleme beseitigen. Die Notstandsgebiete sind ein Beispiel dafür – unser Volk lebt in diesen Gebieten seit mehr als hundert Jahren, wir hatten dort Tempel, Häuser und Fabriken aufgebaut, aber heute hält das Militär dieses gesamte Gebiet besetzt. Derzeit argumentieren die Militärmachthaber, dass unser Volk aufgrund von militärischen Erwägungen, Sicherheitsaspekten etc. nicht zurückkehren und sich ansiedeln kann. Dass heisst doch nichts anderes als, dass ihre Erwägungen reinen militärischen Interessen entspringen. Daher sage ich dir ganz offen, dass es die srilankische Regierung ist, die sich mehr und mehr militarisiert. Das Militär ist seit 1987 um 1250% gewachsen. Die Regierungen verbraucht 18 Milliarden Rupies für den Krieg. So kannst du also nachvollziehen, dass jede Entscheidung für Frieden angefochten wird – entweder von Sarath Fonsaka in Jaffna,  oder Chandrika oder Chandagiri in Colombo. Ich entgegne daher der singhalesischen Seite, dass die srilankische Regierung ihren Weg viel mehr auf die militärischen Erwägungen ausrichtet als die LTTE.
Ich stimme zu, dass die LTTE eine militärische Bewegung ist – und wir sind auch sehr stolz darüber. Du musst verstehen, dass wir früher gänzlich harmlose Menschen gewesen sind; unsere Führung Chelvanayagam wurde als eine Person beschrieben, die niemanden etwas zu Leide tun könnte, nicht einmal mit Worten. Doch was war eure Antwort auf diese Haltung? Ihr habt uns unter militärische Besatzung gestellt. Was habt ihr 1961 gemacht, als wir einen gewaltlosen Sitzprotest und andere Formen des gewaltlosen Widerstandes in der Stadthalle organisierten? Was hat Sirima gemacht? Sie befahl dem Militärkommandeuren nach Jaffna zu gehen und dort militärische Lager zu errichten, um uns zu unterdrücken. 1961 fanden wir heraus, was Militär ist. Wir fanden heraus, dass Angehörige des Militärs normale Menschen sind - Bürger wie z.B. Punchi Banda, ein normaler Mann, der trainiert und in eine Uniform gesteckt zum Militär wird. Mit der Waffe in der Hand macht er uns Vorschriften. Wir begannen uns Gedanken über einen Ausweg aus dieser Situation zu machen. So versuchten wir uns selbst zu verteidigen, in dem wir in gleicher Weise antworteten. Aber wir waren mit einer Menge Schwierigkeiten konfrontiert – wir sind kein Staat. Von 1970 an steckten wir eine Menge Mühen und Arbeit in den Aufbau einer Militärstruktur, um uns selbst zu verteidigen – und wir sind stolz darauf. Durch die Haltung der srilankischen Regierung wurden wir militarisiert. Wenn sich die Haltung der srilankischen Regierung ändert, können auch wir zur Normalität zurückkehren – das ist logisch, wir werden uns automatisch zurückziehen. Aber zur Zeit sieht es so aus, dass niemand will, dass wir eben dies tun. Die momentane Haltung der singhalesischen Medien und der singhalesischen Führungsschicht bestärkt uns darin, uns nicht zu verändern. Du behältst doch die militärische Stärke auf deiner Seite – denn du musst dich auf dich selbst verlassen können auf deine eigene militärische Kraft. Folglich müssen wir uns auf unsere militärische Kraft stützen, um uns selbst zu verteidigen. In diesem Sinne würde ich zustimmen, dass wir militarisiert werden aufgrund des militärischen Drucks der durch die srilankische Armee auf uns ausgeübt wird. Wenn Du eine Lösung für dieses Problem finden willst, musst du die Hintergründe beachten und dann von vorn beginnen.

Du und andere erfahrene Führungskräfte der LTTE haben in den letzten zwei, drei Monaten den gesamten Norden und Osten bereist und mit den dort lebenden Menschen gesprochen, ihnen die Aussichten für die Friedensgespräche erläuternd und auswertend nähergebracht. Wie sahen die Reaktionen und Ansichten der Menschen über die augenblickliche Situation aus?
Die Antworten sind sehr klar und deutlich. Sie wollen, dass wir mit dem Friedensprozess weiter fortfahren und nicht zum Krieg zurückkehren, aber gleichzeitig wollen sie auch nicht, dass wir von der singhalesischen Führung betrogen werden. In ihren Herzen besteht die Angst, dass die LTTE von der singhalesischen Führungsschicht ebenso betrogen werden, wie es in der Vergangenheit geschehen ist. Sie bitten uns, vorsichtig zu sein. Involviert euch in den Friedensprozess aber lasst euch nicht betrügen. Sie bitten uns, wachsam zu sein. Tatsächlich bitten wir die Menschen auch darum, wachsam zu sein und in dem Friedensprozess nicht in eine Falle zu laufen. Folglich müssen wir irgendwie diesen Friedensprozess bewahren. Um das zu erreichen müssen wir den Menschen zeigen, dass der Friedensprozess funktioniert, also muss der Friedensprozess grundlegend einige Veränderungen aufzeigen. Um es ganz offen zu sagen, die Logik dahinter ist, dass es dem Friedensprozess gut tut, wenn sich Prabhakaran zeitweise vom Friedensprozess zurückzieht. Wenn er nichts gesagt hätte und noch weiter schweigen würde und dann sich plötzlich darüber beschweren würde, dass sich noch keine positiven Veränderungen vollzogen haben, wäret ihr alle überrascht und enttäuscht. Also was machen wir? Wir sagen: “Schaut her! Wir machen eine Bestandsaufnahme der Situation und stellen fest, dass sich noch nichts grundlegend verändert hat, also macht etwas, um den Friedensprozess zu retten!” Ich möchte der singhalesischen Bevölkerung die Nachricht übermitteln, dass wir dem Friedensprozess keine Schwierigkeiten bereiten wollen, dass wir ihn nicht blockieren wollen. Aber wir wollen die Hürden aus dem Weg räumen, die dem Friedensprozess im Wege stehen. Wir wollen Licht auf die existierenden Probleme im Friedensprozess werfen, so dass ihr die Initiative ergreifen könnt, diese Probleme in der Anfangsphase zu beheben und wir mit dem Friedensprozess weiter fortfahren können.
Unser Volk sagt: “Okay, nun sind 14 Monate vergangen und ihr habt genug Zeit gehabt, aber bisher ist nur die A9 Strasse wiederhergestellt worden. Überall wo man im Vanni hinsieht, ist die gesamte Infrastruktur zerstört. In den letzten 14 Monaten ist nicht ein einziger Cent von der srilankischen Regierung darauf verwandt worden, den Vanni wieder aufzubauen. Du kannst überall hingehen und wirst herausfinden, dass sich dort nichts getan hat, alles sieht noch so aus wie zuvor. Daher sagen die Menschen zu uns: “Setzt nicht auf Krieg, wir haben genug davon, aber behaltet eure militärische Stärke und haltet eure Bewegung stark, setzt die srilankische Regierung unter Druck, so dass sie handeln muss. Das sind die Gründe für Prabhakarans Entscheidung. Er wird damit aber nicht den Friedensprozess zerstören.

Einige, die nicht gerade Gegner der LTTE sind, glauben, dass die LTTE der srilankischen Regierung in die Falle gegangen sind. Die Falle sei die Strategie der Eindämmung (im Sinne einer kontrollierten Beschränkung), man zögert heraus, man zerrt herum bis die Menschen entmutigt und von der Bewegung isoliert werden. Was kannst Du zu diesem Punkt sagen?
Ja, dieser Punkt ist mir bekannt. Es gibt einige Leute, die mit uns über Eindämmung und Engagement diskutieren. Sie bitten uns darum, auf ewig dem Friedensprozess treu zu bleiben. Andere gaben uns auch den Rat, immer weiter Gespräche und Verhandlungen über Verhandlungen zu führen. Das Spiel ist sehr klar, wir kennen das Spiel und wir kennen die Regeln dieses Spiels. Wir wissen, dass einige Leute uns in dem Friedensprozess derart involviert sehen wollen, so dass sich nach und nach ein Spalt zwischen uns und dem Volk entwickelt und so dass dies auch der Mentalität unserer Kader Schwierigkeiten bereitet. Und das ist auch zutreffend. Ich muss dir ganz ehrlich sagen, dass diese Symptome in den letzten 14 Monaten in unseren Gruppen aufgetreten sind. Das ist der Grund, weshalb wir dir ganz offen erklären können, das wir dieses Spielchen kennen. Nichtsdestotrotz nehmen wir diese Risiken zum Wohl unseres Volkes in Kauf und zum Wohlwollen der Internationalen Gemeinschaft, die uns darum baten, der srilankischen Regierung eine Chance einzuräumen. Augenblicklich nehmen wir ein Risiko auf uns. Nicht erst seit 14 Monaten, nach unserem Kalender sind es mehr als zwei Jahre. Seit der Agni Kheila Offensive, die wir gestoppt haben. Die Sache ist, dass wir unsere Kader unterrichten, wir erklären ihnen, dass sich der Kampf nicht nur allein auf die militärische Arena konzentriert, dass es auch ein Dialog sein kann, ein runder oder ein eckiger Tisch, oder die internationale Arena. Der Krieg wird immer da sein. Der Krieg ist kein normaler Krieg – es ist ein Krieg des Verstandes – ein Krieg des Volkes. Der Krieg kann auch in einem anderen Bereich stattfinden. Die LTTE spricht sowohl mit ihren Kadern als auch mit der Bevölkerung über diese Dinge. Folglich sind wir keine reine militärische Bewegung. Wir griffen zu den Waffen aufgrund der damaligen bedrohlichen Situation mit der wir konfrontiert waren. Wir wurden dazu gezwungen, die Waffen zur Hand zu nehmen, folglich ist es für uns auch nicht schwer die momentan realexistierenden Schwierigkeiten des Kampfes zu verstehen. Auch in diesen Tagen fahren unsere Kader mit ihrem Training fort, halten die Verteidigungslinien aufrecht, aber sie studieren auch, sie singen und geniessen ihre augenblickliche Freizeit. Jetzt sind wir in der Lage, ihnen gutes Essen und gute Kleidung zukommen zu lassen. Sie nutzen also die Zeit um sich weiterzubilden und sich an der zivilen Verwaltung zu beteiligen.

Ich stimme zu, dass wir wenig Erfahrung mit Aufbau und Entwicklungsarbeit haben. Aus diesem Grund lernen wir zur Zeit gerade diese Dinge. Dieser Freiraum während der Friedensverhandlungen wird natürlich von unsere Feinden genutzt. Aber wir kennen das, wir kennen dieses Spiel – dieses alte Spiel, wir sind uns darüber bewusst, wir sind wachsam und in Alarmbereitschaft. Das Risiko ist sehr wohl präsent. Und zu einem gewissen Mass sind wir beunruhigt. Nicht jeder Kader kann gänzlich befreit sein, sehr gebildet sein und ideologisch auf einem hohen Niveau stehen. Menschen haben ihre eigenen Begrenzungen.

Du musst realisieren, dass wir ein Risiko auf uns nehmen. Aber wir kennen dieses Risiko. Vorher haben die Menschen immer Niederlagen erlitten, weil sie dieses Spiel nicht kannten! Wir aber kennen dieses Spiel. Wir müssen unsere Kader fortwährend weiterbilden. Die Lehren lassen sich aus der Geschichte lernen – aus dem Verlauf in El Salvador, dem Verlauf auf den Philippinen und der New Peoples Army. Wir wussten im voraus, dass eines Tages die gesamte Internationale Gemeinschaft hierher kommen würde (wie es zur Zeit der Fall ist). Auf diese Entwicklung haben wir uns in den letzten 12 Jahren vorbereitet…

Wir sind also nicht allzu überrascht und beunruhigt. Es ist schon zutreffend, dass wir bis zu einem gewissen Mass beunruhigt sind, da der Friedensprozess seine eigenen Auswirkungen hat. Aber wir sind dieser bewusst und treffen unsere Vorbereitungen bezüglich dieser Entwicklungen. Das ist der Grund, weshalb wir unsere militärische Struktur unverändert lassen. Die singhalesischen Medien und auch alle anderen sollten wissen, dass das ein Spiel ist - ein offenes Spiel- dessen Rollen jedermann kennt. Daran besteht überhaupt kein Zweifel. Was sollen all diese Verdrehungen in den srilankischen Medien? Alles ist offen dargelegt. Wir sind auf See, wir sind im Land, wir haben Waffen - jeder weiß das. Wenn also Chandagiri sagt, dass wir über die Integrität des Landes nicht verhandeln wollen, das ist sinnloses Gerede, das in dieser Form zu nichts führt. Es ist längst alles gelaufen. Diese Dinge sind schon abgehandelt.

Im Hinblick auf die Interventionen der Internationalen Gemeinschaft - wir bezeichnen sie als Geberstaaten. Mit Blick auf die Geberstaaten also – eröffnen sich die Möglichkeiten von Zuschüssen und Krediten. Aber tatsächlich sind dies hauptsächlich Kredite die an Bedingungen gebunden sind. Im singhalesischen Süden haben wir die Zerstörung erfahren, Landverkäufe als Vorbedingung, Privatisierung der Banken u.s.w. als Bedingung; im Norden und Osten wurden der tamilischen Bevölkerung auch diese Kredite und Bewilligungen versprochen. Wie siehst du diese Lage und wie wollt ihr diese Lage bewältigen?
Ich gebe zu, es ist ein Dilemma. Wir können unserem Volk nicht unmittelbar all diese komplizierten Dinge auf der Stelle erklären. Was unser Volk fordert, ist, dass die Leute, die unser Land zerstörten, es wieder aufbauen sollen. Leute, die die Zerstörung unterstützten, sollen den Wiederaufbau unterstützen. Ob man die nun Geberstaaten nennt oder was auch immer. Leute, die uns hinderten, überhaupt ein normales Leben zu führen, müssen uns jetzt
ermöglichen, wieder zu unserem normalen Leben zurückzukehren. Leute, die uns töteten,
müssen aufhören, uns zu töten; wenn nicht, schlagen wir zurück. Leute, die versuchten, den Krieg der Regierung Sri Lankas zu unterstützen, müssen versuchen, den Frieden zu unterstützen. Das ist die Botschaft unseres Volkes. Natürlich, die Lage ist schwierig - wir sind uns dessen bewusst. Aber zu diesem Zeitpunkt ist das alles, was wir darüber sagen können.
Nun kommt jedermann nach Killinochchi. Was ist Killinochchi? Killinochchi ist eine normale ländliche Gegend. Sie war früher landwirtschaftlich entwickelt. Es entwickelte sich eine Stadt in den 70ern und 80ern. Diese Gegend wurde so lange Zeit immer wieder besetzt und zerstört. Die Regierung Sri Lankas besetzte Killinochchi, dann versuchten wir, es zurückzuerobern, das hat so oft stattgefunden. Bei diesen Ereignissen wurde Killinochchi zerstört. Zuletzt
eroberten wir Killinochchi zurück. So ist Killinochchi eine Art Symbol für unseren Kampf. So nun also kommt jedermann nach Killinochchi. Sogar Koffi Anan wünscht zu kommen. Nur der verrückte Linke- ich möchte ihn nicht nennen -aber wir alle wissen, wer er ist, möchte nicht kommen. Sogar der chinesische Botschafter kam nach Killinochchi. Über die Politik im Hintergrund möchten wir im Augenblick nicht reden. Wir meinen, dass wir Zutrauen haben sollten, den Leuten, die nach Killinochchi kommen, einen Vertrauensvorschuss geben sollten.
So meinen wir, dass wir auf diese Annäherung im Augenblick eingehen sollten. Obwohl wir unser Bestes taten, um Leute aus dem Ausland einzuladen, damit sie unsere Lage sehen, kam in den letzten 10 Jahren niemand, auch nach dem Debakel am Elefantenpass kam niemand.
Erst jetzt kommen sie, um Killinochchi zu sehen. Sie wollen sehen; sie fragen: wo ist Aanarau? Sie möchten einen nachgestellten Krieg sehen über das, was in Aanarau passierte. Sie möchten unsere Kader sehen. Nach drei Jahren kommen sie und fragen: „Wie habt Ihr das gemacht?“ Das ist, was wir erreicht haben, das ist, was ich sagen kann.

Die nächste Frage geht um die Gewerkschaften und die linke Bewegung im Süden, mit denen ihr vor langer Zeit Verbindung hattet, ihr hattet viele singhalesische Freunde, aber sie sind nicht länger eure Freunde, denke ich mal. (Balakumar wirft ein: "Sie sind in das andere Lager übergegangen"). Aber ihr habt noch immer Optimismus bezüglich dieser Kräfte, dass sich etwas ändern könnte .Was ist eure Botschaft an die Gewerkschaften und die linke Bewegung, letztendlich im Hinblick auf die Unterstützung des Friedensprozesses?
Eine sehr gute Frage. Das öffnet meine Erinnerung an die vergangenen Zeiten. Ich habe noch Erinnerungen an Edmond Samarackody und Bala Thampoe- sie sind immer noch da. Ich habe noch Hoffnung in die Gewerkschaften und die linken Kräfte- natürlich auch auf euch. Ich denke, dass die gewöhnlichen Singhalesen harmlose Menschen sind. So haben wir gewisses Zutrauen in die politischen Kräfte, dass man versucht, die Interessen der normalen Leute zu bedenken, - sowohl in die Gewerkschaften, in die Linken und andere. Deshalb versuchen wir , die Botschaft, dass wir nicht gegen sie sind, an die normalen singhalesischen Bürger zu bringen. Meine Botschaft an die fortschrittlichen Kräfte ist, Euren Kampf fort zu führen. Ihr mögt eine kleine Minderheit sein, aber eines Tages, abhängig von der Entwicklung könnten sich die Verhältnisse ändern und dann werdet Ihr eine Vorhut der singhalesischen Bevölkerung sein. Ich denke, eines Tages wird Sri Lanka sich seine vergangenen Fehler klar machen und die nötigen Schritte unternehmen, sie zu korrigieren. Sie werden die Führung an die fortschrittlichen Singhalesen übergeben, so dass deren wahre Interessen berücksichtigt werden können. Das Gleiche gilt für das tamilische Volk. Tatsächlich, ich erwartete nicht, dass diese Art der Dinge, diese Art der Polarisierung sich ereignen würde. Nun haben wir etwas Raum, wieder eine Art von Beziehung zu entwickeln, für uns, um singhalesische Freunde wieder zu treffen u.s.w. Um es ehrlich zu sagen, in den letzten Jahren war ich
nicht in der Lage, einen guten Kontakt zu den Singhalesen zu haben. Um ehrlich zu sein, liebe ich es sehr, die singhalesische Sprache vom singhalesischen Volk gesprochen zu hören, ich liebe Amaradeva, Nanda Malini sehr und auch die neuen Musiker. Viele unserer Leute lieben die singhalesischen TV-Dramen; kulturell haben wir keine Animosität gegen das singhalesische Volk. Was ich meine ist, dass die fortschrittlich Denkenden unter den Singhalesen offen sein sollten und zu jeder Gelegenheit offen sprechen sollten. Sonst wäre es ein schlechtes Omen für die singhalesische Bevölkerung. Jetzt merken wir, dass einige Leute beginnen, uns zu unterstützen. Das gibt uns Hoffnung und Mut. Das hilft uns auch, unsere
vergangenen Erinnerungen zu überdenken. Kann sein, das es uns gelingt gemeinsam im ganzen Sri Lanka zu leben, den Singhalesen ebenbürtig. Sie können hierher kommen und wir können zu ihnen hingehen. Ihr mit euren Rechten und wir mit unseren Rechten. Ihr mit eurer Heimat und wir mit unserer Heimat. Die einzige Verbindung zu diesem Prozess ist die kleine Zahl fortschrittlich denkender Menschen. Das ist die Linke in der Linken, die vielleicht nur eine kleine Minderheit sein mögen.

Manche Leute sagen, dass es keine Alternative gibt zur gegenwärtigen sozio--ökonomischen Struktur der globalen Struktur. Sie sagen, deshalb, dass es keine Hoffnung auf Freiheit, gleiche Rechte und Würde gibt, man soll den augenblicklichen Stand akzeptieren und man soll Kompromisse schließen. Hast du einige Punkte dazu zu sagen?
Ich habe so einiges dazu zu sagen. Es ist eine gute Frage. Ihr solltet wissen, dass uns, als wir die Befreiungsbewegung begannen, die gleiche Art von Ratschlägen gegeben wurde. Wir wurden gefragt: „Wie wollt ihr überhaupt kämpfen? Ihr seid ein kleines Volk, ihr seid nicht in der Lage, eine Armee aufzustellen, es ist nicht möglich, ihr seid gegen die ganze internationale Ordnung, keiner wird Euch unterstützen. Diese art Argumente bekamen wir zu hören. Wir haben uns durch diese Punkte nicht sehr hindern lassen. Natürlich, was Sie sagen , stimmt auch. Das ganze internationale Modell hat gewechselt, besonders nach der Invasion im Irak- das zeigt auf, dass sich die Lage geändert hat. So müssen wir durch eine gewisse Entwicklung durch. Aber einen Gedanken will ich offen äussern. Wir sind keine
politische Partei, wir sind kein Staat. Wir unterhalten keine Beziehungen zu irgendjemanden. Wir sind unserem Volk verbunden. - Wir sind eine Befreiungsbewegung. Befreiungsbewegung heißt, dass man gegen alle Bevorzugungsstrukturen ist, man ist gegen das Establishment. Wir sind gegen das globale System. Das ist die Grundlage einer Befreiungsbewegung. Nun zum Punkt, dass niemand uns unterstützt. Das ist nichts neues. Niemand hat uns jemals unterstützt. So also ist die Wirklichkeit: "niemand unterstützt Euch", "diese Leute sind gegen Euch", das stört uns nicht übermäßig, so mag jeder gegen uns sein. Wenn man eine Befreiungsbewegung beginnt, so muss man das ganze Szenario, das existiert, verändern. Das heißt, dass du viele Feinde überall hast. Das ist nichts Neues für uns. Tatsache ist, wir sind gereift, wir haben nun einen festeren Stand in diesen Tagen, wir sind nicht schwach. Wir haben uns selbst gestärkt- so sind wir nun großzügiger. Wir sind so überzeugt von unserer Stärke, anderen Zeit zu geben, - wir fühlen uns nicht erniedrigt. Wir sind selbstbewusster und unsere Willenskraft ist stärker. Wir sind in der Lage, auf die Ratschläge anderer zu achten, diesen oder jenen Weg zu gehen -, wir können ihnen diesen Gefallen tun. Aber ich kann Dir eine Sache sagen: keine globalen Veränderungen können uns unter Druck
setzen und dem Ziel unserer Bewegung, unser Volk zu befreien, Grenzen setzen. Wir glauben daran und stimmen über diesen Weg mit unserem Volk überein. Wenn unser Volk fühlt, dass es sicher ist und alles okay ist, das ist die einzige Grenze, die wir annehmen können. Ob nun Amerika sich einmischt oder Indien oder Norwegen, das ist nicht hinderlich für uns. Tatsächlich sind wir auch nicht gegen sie. Tatsächlich bereiten wir keine Aktivitäten gegen Amerika oder Indien oder andere Mächte vor. Wir sind nur befasst mit den Interessen unseres Volkes. Die Welt sollte das klar wissen. In mancher Hinsicht können wir sagen, dass wir die Welt über uns belehrt haben. Wir sind nicht gebunden an Mächte, die gegeneinander kämpfen. Wir beschäftigen uns nur damit, die Interessen unseres eigenen Volkes zu verfolgen. Die Welt muss das verstehen. So sollten sie auch kein unnötigen Schritte gegen uns unternehmen. Sie
müssen nicht beunruhigt sein. Sie müssen uns nicht als terroristische Organisation ansehen und denken, wir haben Verbindung mit dieser oder jener Gruppe, dass wir diesen oder jenen Platz bombardieren oder diesen oder jenen entführen. Wir machen das nicht. Mich hat in der Tat jemand in Jaffna gefragt: „Balakumar, was ist, wenn jemand die Information rausgibt, dass Saddam Husseins Waffen in Killinochchi sind und dann die Amerikaner dies als Basis benutzen, um den Vanni anzugreifen?“ Manche Leute wünschen, dass solche Dinge passieren. Manche versuchen, uns mit Al Quaida in Verbindung zu bringen oder mit anderen Gruppen. Tatsache ist aber, dass wir den Friedensprozess sehr längst vor dem 11. September vorangetrieben haben. Wir haben das Umfeld dafür im Interesse unseres Volkes mehr als zweieinhalb Jahre lang entwickelt. Wir sind nicht engagiert in irgendeine Aktion gegen irgendwelche Kräfte. Wir sind nur mit der Verteidigung der Rechte unseres Volkes befasst.

Danke vielmals.