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Home » Länder » Sri Lanka » Singhalesische Antikriegsaktivisten in Sri Lanka entführt

Singhalesische Antikriegsaktivisten in Sri Lanka entführt

Deutsche EU-Ratspräsidentschaft steht in der Verantwortung, sofortige Maßnahmen zur Freilassung zu ergreifen

URGENT ACTION! URGENT ACTION! URGENT ACTION!

Am Montag, den 5. Februar, sind in Colombo drei singhalesische Antikriegsaktivisten entführt worden. In einer geplanten Operation, der eindeutig eine politische Motivation zugrunde liegt, wurden Lalith Senevirathne, Sisira Kumara und Nihal Serasinghe am gleichen Tag an drei verschiedenen Orten entführt. Der Ausgang der ausufernden Zahl an Entführungen zeigt, das ihr Leben in großer Gefahr ist.

Einige Tage zuvor traf der deutsche Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier seinen srilankischen Amtskollegen Rohitha Bogollagama in Berlin. In der heutigen Ausgabe der srilankischen Tagezeitung ‚Daily News’ vom 6. Februar heißt es, dass das Vorgehen Sri Lankas Deutschlands vollständige Unterstützung habe. Der Zeitung zufolge sagte Minister Bogollagama, dass „sein deutscher Amtskollege versicherte, dass es keinen Zusammenbruch der bilateralen Beziehungen oder Entwicklungshilfe für Sri Lanka geben wird.“ Der Minister versicherte, dass er „ein klares Bild über die Geschehnisse an der Friedensfront vermitteln werde, ohne interessierten Seiten Raum für eine Verzerrung der Tatsachen zu geben.“

Die offensichtliche Legitimierung durch Deutschland, das momentan die EU-Ratspräsidentschaft innehat, wird von der srilankischen Regierung als Bestätigung gesehen, die Unterdrückung oppositioneller Stimmen in den singhalesischen Medien fortzusetzen und den Raum „für eine Verzerrung der Tatsachen“ durch interessierte Seiten zu beseitigen. Dr. Frank-Walter Steinmeier wird in Sri Lanka als ein politischer Hardliner dargestellt, der fest hinter der Politik der srilankischen Regierung steht, den Krieg voranzutreiben, und Bedenken über Menschenrechte und demokratische Rechte beiseite schiebt.

Die Entführungen

Nihal Serasinghe wurde gegen 15 Uhr in Fort in Colombo entführt, als er einen Kopiergeschäft verließ. Mohammed Lalith Senevirathne wurde gegen 21.30 Uhr von bewaffneten Männern aus seiner Wohnung in Athurugiriya in einem weißen Transporter entführt. Sisira Priyankara befand sich am fraglichen Tag wie üblich auf Nachtschicht an seinem Arbeitsplatz, als er die Arbeit gegen 22.30 Uhr nach dem Erhalt eines Telefonanrufes verließ. Er sagte seinen Arbeitskollegen, dass er einen Freund am Eingangstor treffe und in Kürze zurück sein werde. Danach verschwand er. Alle drei Entführungsopfer waren an der Herausgabe eine gewerkschaftlichen Monatszeitschrift des Dumriya Kamkaru Ekathuwa (Kollektiv der Eisenbahnarbeiter) der Angestellten der Ceylon Government Railway (CGR) beteiligt.

Sisira Priyankara ist Mitglied des Präsidiums der Railway Joint Trade Union Front, Schatzmeister der Ceylon Railway Trade Union Federation und Organisator des Kollektiv der Eisenbahnarbeiters, das die Zeitschrift ‚Akuna’ herausgibt. Er spielte eine maßgebliche Rolle bei den jüngsten rechtlichen Schritten der Gewerkschaften gegen die Entscheidung einer Diätenerhöhung für den Präsidenten, die Minister und Abgeordneten.

Sisira Priyankara war der Redakteur der Zeitschrift, und sein Foto erschien während des singhalesisch-tamilischen Kulturfestivals der Hiru Gruppe in 2003 in allen singhalesischsprachigen Zeitungen, da er die tamilischen Teilnehmer mit seinem Körper vor Angriffen eines rassistischen Mobs der extremistischen Partei JHU schützte (siehe ../doc_en/countries/sri-lanka/cultural_festival.html ). Vor einigen Tagen vereidigte der srilankische Präsident ein Mitglied der JHU als Kabinettsminister der Regierung.

Mohammed Lalith Senevirathne (36) war Chef-Designer der ‚Akuna’. Er ist freiberuflicher Journalist und arbeitete zuvor mit der Zeitung ‚Hiru’ zusammen.

Nihal Serasingha war der Schriftsetzer der Gewerkschaftszeitschrift. Ehemals war Redaktionsmitglied der linken Monatszeitschrift ‚Diyesa’.

Seneviratnes Ehefrau hat bei der Polizei in Aturugiriya Anzeige erstattet.

Die Polizeibeamten sagten der Familie, dass sie niemanden mit Namen Lalith Seneviratne in Gewahrsam genommen hätten.

„Eine Gruppe von fünf bis sieben Personen in Zivilkleidung kamen zum Wohnsitz von Herrn Seneviratne und führten ihn weg. Als er die Gefahr spürte und nach seiner Frau rief, stoppte eine Person der Gruppe seine Frau daran einzuschreiten und sagte, dass sie vom der Kriminalpolizei seien“, teilte die Free Media Movement (FMM) in Colombo mit.

„FMM ist ernsthaft um seine Sicherheit besorgt, da seit zum Zeitpunkt dieser Meldung, fünf Stunden nach seiner Entführung, keine Vollzugsbehörde eingeräumt hat, ihn in Haft genommen zu haben, und es keine Neuigkeiten über seinen Verbleib gibt“, sagte FMM.

Wir rufen Sie auf, sofort per Telefon oder Fax Dr. Frank-Walter Steinmeier oder sein Büro zu kontaktieren und ihn über seine Haltung zu den Entführungen zu befragen. Drängen Sie ihn, seinen Amtskollegen in Sri Lanka zu kontaktieren und sicherzustellen, dass die drei Personen freigelassen werden. Bitten Sie ihn, diesbezüglich eine öffentliche Erklärung abzugeben.

Auswärtiges Amt
Tel.: 00 49 30-5000-2000
Fax: 0049 30-5000-3402

E-Mailkontakt:
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/en/service/AllgemeinesKontaktformular.jsp

Bitte schicken Sie eine Kopie Ihrer Korrespondenz an: imrv@humanrights.de

Internationaler Menschenrechtsverein Bremen e.V.
6. Februar 2007


Kundgebung gegen die Entführung der Journalisten