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Humanrights Server * America Page * American Indian Page * mail Artwork © Jack Malotte Für Gold das niemand braucht Renate Domnick Goldabbau auf dem Land der Western Shoshone Die Suche nach Gold versetzt nicht nur Berge - sie verwandelt ganze Landschaften in verseuchte Halden. Hinter seinem Image der Reinheit verbirgt sich die häßliche Realität, daß Goldabbau mehr Land zerstört und Wasser vergiftet als jeder andere Bergbau. Seit mit der Cyanidlaugung auch schwach goldhaltiges Erz profitabel abgebaut werden kann, hat weltweit ein neuer Goldboom eingesetzt. In den USA ist Nevada der Bundesstaat mit der größten Goldproduktion. Wenn man nachts durch die weiten Halbwüsten fährt und am Horizont ein Lichtermeer auftaucht, glaubt man sich einer Stadt zu nähern - doch es ist eine der gigantischen modernen Goldminen. Die meisten dieser Minen liegen auf indianischem Land. Die USA haben 2/3 Nevadas im Vertrag von Ruby Valley 1863 als Western Shoshone Territorium anerkannt. Doch mit dem Gold- und Silberboom des vorigen Jahrhunderts, von dem heute nur noch die Ghosttowns geblieben sind, schien der Vertrag vergessen. Die Western Shoshone jedoch haben nicht aufgehört, sich gegen Vertragsverletzung, Enteignung und den zerstörerischen Zugriff von Multis, Militär und Atomlobby auf ihr Land zu wehren. Die USA berufen sich darauf, daß der Vertrag von Ruby Valley die Einrichtung von Militärposten und Goldminen erlaube - dem steht jedoch entgegen, daß Verträge so ausgelegt werden müssen, wie die Indianer sie zur Zeit der Unterzeichnung verstanden haben, d.h. sie konnten unter "Militärposten" unmöglich ein Atombombentestgebiet verstanden haben, sowenig wie Goldminen die Verwandlung ganzer Bergketten in Abraumhalden bedeuteten. Als Sammler und Jäger hatten die Shoshone ihre Lebensweise vollkommen der Halbwüste angepaßt - heute sind viele von ihnen kleine Rancher. Doch wer nicht mehr vom Land leben kann, muß sich einen job suchen - und außer den Casinos von Las Vegas gibt es fast nur die Goldminen. So geraten sie häufig in Konflikt mit ihrer kulturellen Identität und dem politischen Kampf um die Erhaltung ihres Landes. Am engagiertesten sind diejenigen, die auch die traditionelle Lebensweise zu erhalten bemüht sind, wie z.B. Mary und Carrie Dann. Sie erhielten für ihren Kampf um Landrechte und gegen Atomtests 1993 den Alternativen Nobelpreis. Aber der zermürbende Kleinkrieg mit Behörden und Gerichten wurde zur existenziellen Bedrohung z.B. durch die militärisch inszenierte Konfiszierung von fast 80% ihres Viehbestandes. Die Konfiszierung kulminierte "zufällig" mit dem ersten Anhörungstermin für eine geplante Goldmine, der sozusagen im Lärm der Hubschrauber und Polizei-Lautsprecher unterging - niemand hatte Zeit sich darauf vorzubereiten. Das Vieh der Danns mußte weichen, um die Nutzungsrechte des Landes für die Goldmine zu "klären". Der neue Goldboom Die Entdeckung des "Carlin Trend" 1961 zog zahlreiche multinationale Konzerne nach Nevada, denn diese Fundstelle, die sich über 70 km erstreckt, verspricht rd. 600 t Gold. Allein die kanadische Firma Newmont erwarb hier über 1300 qkm Land für 4 Bergwerke, 5 Aufarbeitungsanlagen und 3 Laugeplätze. Immer neue Minen schießen wie Pilze aus dem Boden - die meisten auf dem Gebiet der Western Shoshone. Doch sie erhalten von diesem Reichtum ihres Landes keinen Dollar. Mit der Verwaltung ihres Landes durch US-Behörden hatte in den 30er Jahren eine schleichende Enteignung begonnen. In Crescent Valley, im Herzen von Newe Sogobia, wie die Shoshone ihr Land nennen, betreibt der kanadische Multi Placer Dome seit 1968 die Cortez-Mine. In direkter Nachbarschaft entsteht das Pipeline Project als voraussichtlich größte Gold-Tagebaumine der USA. Es ist ein Joint Venture mit Kennecott, einer Tochter von Rio Tinto Zink (RTZ). Die gesamte Minen-Anlage mit Gestein- und Abfallhalden, Becken für Cyanidlaugung und flüssige Abfälle verbraucht fast 10 qkm Land. Im Lauf der Jahre wird ihre Ausdehnung in dem Maße wachsen, in dem der Berg zu Schutt verwandelt wird - pro Tag sollen 5000 t erzhaltiges Gestein verarbeitet werden. Um die Grube trocken zu halten, die ca. 230 m unter dem Grundwasserspiegel liegt, müssen 112 000 l Wasser pro Minute abgepumpt werden. Auf den Weiden der Danns sind seit Jahren zahlreiche Claims abgesteckt. Niemand hielt es für nötig, sie zu informieren, was dort geschehen soll - bis sich herausstellte, daß eine "Immobiliengesellschaft" mit dem bedeutungsträchtigen Namen "Oro Nevada" vorsichtshalber schon mal alles Land rund um ihre Ranch aufgekauft hat und nun versucht, die Danns unter Druck zu setzen . Die Briggs-Mine der Canyon Resources Corp. wird zur unmittelbaren Bedrohung für die Timbisha Shoshone in Death Valley. Um dem Tourismus Platz zu machen, wurden sie 1933 auf ein 40 acre-Grundstück zusammengepfercht. Da der National Park Service weiterhin alles tat um sie zu vertreiben, lebt heute nur noch ein Bruchteil des Stammes in Death Valley. Eine von ihnen ist Pauline Esteves, die in Europa als Aktivistin gegen Atomtests bekannt wurde. Sie setzt sich jedoch ebenso für die Rechte der Timbisha ein und 1995 wurde ihnen schließlich eine Reservation in ihrem traditionellen Gebiet zugesagt. Da die Briggs-Mine innerhalb dieses Gebietes geplant ist, wehrten sie sich vehement dagegen. Plötzlich wurde ihnen vom Nastionalpark Service mitgeteilt, daß sie keine Reservation in Death Valley erhalten. Die Landverwaltungsbehörde und der Umweltschutz Obwohl indianische Nationen und ihr Land als souverän gelten, wurde das Territorium der Western Shoshone illegal der Verwaltung diverser US-Behörden unterstellt. Eine ebenso zentrale wie zwielichtige Rolle spielt dabei das Bureau of Land Management (BLM), das für die Pflege des öffentliche Landes und damit auch für den Umweltschutz verantwortlich ist Ihm obliegt jedoch auch die Nutzungsvergabe, ob für Weideland, militärische Übungsgebiete oder Industrie-Anlagen. Dieser Machtfülle ist der Umweltschutz weitgehend zum Opfer gefallen. Daß selbst katastrophale Umwelt-Disaster kaum Konsequenzen für die Betreiber haben, zeigt das Beispiel der Echo Bay Mines Ltd. Deren Cove/McCoy Mine hatte innerhalb weniger Jahre Leckagen von rd. 500 000 l Flüssigabfällen, in denen 400 kg Cyanid enthalten waren. Strafe: keine - nur die Auflage, die Anlage besser zu sichern. Ebenso großzügig handhabt das BLM die Umweltverträglichkeits-Studien. Beim Pipeline Project hat die US-Umweltschutzbehörde die Maßnahmen zur Begrenzung von Umweltschäden mehrfach kritisiert und so die Argumente der Western Shoshone indirekt unterstützt. Es geht vor allem um die Qualität und den Verbrauch von Wasser - das größte Problem im Südwesten der USA. Goldminen sind chemische Zeitbomben. Die Cyanid-Haldenlaugung muß man sich ungefähr so vorstellen: das goldhaltige Erz wird aus dem Berg gesprengt, zerkleinert und zu einer Halde aufgeschüttet, die am Boden mit einer Plastikplane abgedichtet ist. Durch eine Sprinkleranlage wird sie von oben mit einer Cyanidlösung berieselt, die das Gold aus dem Gestein löst. Aus dieser "schwangeren Lösung" wird das Gold in weiteren Verfahren herausgefiltert. Tatsächlich ist der Vorgang viel komplizierter und so aufwendig, daß nur Großkonzerne die Mittel für solche Anlagen aufbringen. 60 bis 90% der Cyanidlauge werden zwar recycelt, aber Leckagen sind an der Tagesordnung. Oft wird die Plastikplane durch das Gewicht der Halden vom Gestein "punktiert" und durchlässig. Beim Zerfall des Cyanids entstehen u.a. Nitrogen- und Schwefel-Verbindungen, aus dem Gestein lösen sich giftige Schwermetalle Das größte Risiko bergen die Rückhaltebecken für die cyanidhaltigen Flüssigabfälle. Ein Leck kann ganze Flüsse verseuchen. Die glänzende Oberfläche lockt Zugvögel an, die oft ihre Flugstrecke wegen dieser vermeintlichen Wasserteiche ändern und darin umkommen. Laut Earth Island Journal wurden in Nevada in den letzten Jahren fast 10 000 Vögel darin vergiftet. Die Zerstörung heiliger Stätten Die gewaltige Landschaftszerstörung bedroht auch religiöse und historische Stätten wie den Tosawihi (White Knife) Quarry, ein Steinbruch von dem die White Knife Shoshone ihren Namen haben, weil ihre berühmten Werkzeuge aus seinem weißem Stein gefertigt waren. Archäologische Untersuchungen zeigen, daß der Ort seit 5 000 Jahren kontinuierlich genutzt wurde. Dies wurde zwar in internen Papieren für die Betreiber festgestellt, aber die Explorationen gehen weiter. Nahe des Rock Creek Canyon, dessen Quellen Medizinleute bis heute nutzen und wo die Shoshone sich oft zu Zeremonien versammeln, wollen Newmont und Barrick ein Reservoir für cynidhaltige Abwässer erweitern und die Santa Fe Pacific Gold Corporation plante die Abraumhalde einer neuen Mine direkt auf der Grabstätte von Shoshone Mike, dessen Familie Opfer des letzten Massakers bei den Shoshone wurde. Nach heftigen Protesten wurde die Abraumhalde verschoben, aber die Gräber bleiben von der Gesamtanlage der Twin Creeks Mine umschlossen. Da historische Artefakte und Stätten von kultureller Bedeutung gesetzlich geschützt sind, ist eine Konsultation der Indianer im Rahmen der Umweltverträglichkeits-Studien vorgeschrieben. Dies hat das BLM notorisch unterlassen und Einsprüche der Stammesregierungen und des Western Shoshone National Council, der traditionelllen Regierung, ignoriert. Das BLM wußte, daß Mt. Tenabo in Crescent Valley, an dessen Fuß das Pipeline Project entsteht, von großer spiritueller Bedeutung für die Shoshone ist, aber erst aufgrund öffentlicher Proteste wurde dem Gesetz genüge getan. Eine Ethnologin wurde mit einer Studie beauftragt, die unerwartet kritisch ausfiel. Ihr Fazit ist, daß die Konsultation sinnlos sei, solange die Shoshone kein Mitspracherecht bei der Planung haben und die Zerstörung ihrer Kulturstätten nicht verhindern können. Oft bedeutet die genaue Beschreibung heiliger Stätten gegenüber Außenstehenden ein Sakrileg oder sie sind gerade durch ihre Bekanntgabe gefährdet. z. B. sind Gräber nach ihrem Bekanntwerden ausgeraubt worden. Die Behörden drehen den Spieß nun um und verweigern den Shoshone Einsicht in Daten über archäologische Funde mit der Begründung, sie müssten zu ihrem Schutz geheim bleiben. Die Minen graben dem Land das Wasser ab. In vielen indianischen Kulturen des Südwestens gilt Wasser als heilig und erfordert einen respektvollen Umgang. Es gibt kaum eine Rede von Corbin Harney, dem spiritual leader der Western Shoshone, in der er das nicht betont. Doch die ökologische Katastrophe ist hier vorprogrammiert. Nevada hat weniger als 30 cm Niederschläge pro Jahr und jahrelange Dürreperioden. Allein im Gebiet des Humboldt-River pumpen zur Zeit 9 Minen täglich Millionen Liter Wasser ab, um ihre Gruben trozu halten, die bis zu 300 m unterhalb des Grundwasserspiegels liegen. Es steht bereits fest, daß die derzeitige Wasserversorgung für Carlin in den nächsten 5 Jahren versiegt sein wird. Dem Protest von Umweltschützern und Western Shoshone gegen die Wasserentnahme begegnen die Betreiber mit einem Gutachten das besagt, der Einfluß auf Quellen und Bäche sei gering, da das abgepumpte Grundwasser in künstliche Teiche geleitet wird, von wo es zurücksickern könne. Den Verdunstungseffekt bei Temperaturen von 40 C haben die Gutachter offenbar vergessen. Von 55 Wasserstellen in Crescent Valley wurde nur ein Bruchteil berücksichtigt. Als daraufhin Umweltschützer und Indianer eine Studie über den kumulativen Effekt der Wasserentnahme aller Minen im Humboldt-Becken forderten, antwortete das BLM, dafür sei kein Geld vorhanden. Schließlich wurden die Betreiber aufgefordert, zur Finanzierung einer solchen Studie beizutragen, aber damit hängen auch ihre Ergebnisse und Aussagen von den Betreibern ab. Der Widerstand formiert sich Eine der ersten Protestaktionen führte Corbin Harney, der spiritual leader der Western Shoshone, gegen eine Goldmine in den Tuscarora Mountains an, um eine historische Stätte zu schützen, die bei der Verteidigung ihres Landes gegen die Weißen für viele Shoshone zum Friedhof geworden war. Doch diese ersten Proteste blieben von der Öffentlichkeit unbemerkt. Erst gegen das Pipeline Project bildeten sich Alliancen. Sie gingen gegen die Genehmigung für das Pipeline Project in Berufung und wurden vom Sierra Club unterstützt, um die Medien zu gewinnen. Die Hauptarbeit wie z.B. Analysen der Umweltstudien und Genehmigungsverfahren macht das WESTERN SHOSHONE DEFENSE PROJECT (WSDP). Es berichtet in einem Newsletter laufend über die neuesten Entwicklungen und Vorschläge zur Unterstützung, auf die sie ebenso angewiesen sind wie auf finazielle Unterstützung. Durch die bisherigen Proteste konnte das Pipeline Projekt um ein Jahr verschoben werden. Das gab den Shoshone Zeit, Fakten und Daten für ihre Einsprüche zu sammeln. Die wichtigsten Forderungen bleiben - Anerkennung der Landrechte und des Vertrags von Ruby Valley - Schutz der heiligen und kulturell bedeutenden Stätten - Eine Studie über die kumulativen Auswirkungen der Entwässerung durch alle Goldminen im Humbold-Flußsystem. Briefe zur Unterstützung der Western Shoshone können Sie richten an: Bruce Babbitt, Secretary of Interior, 1849 C Street NW, Washington DC 20240 und das Bureau of Land Management, Ann Morgan, State Director, P.O.B. 120 000, Reno, Nev 89520-0006 Wenn Sie die Western Shoshone finanziell unterstützen woillen, spenden Sie bitte auf das Konto der Gesellschaft für bedrohte Völker bei der Postbank Hamburg, Konto 7400, Stichwort WESTERN SHOSHONE
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