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Artwork © Jack Malotte Vertreibung aus dem Tal des Todes?Renate Domnick
Die Timbisha, Teil der Western Shoshone Nation in Nevada, leben seit
Urzeiten im angrenzenden Death Valley, Kalifornien. Bei uns wurden sie
bekannt durch ihre Stammesvorsitzende Pauline Esteves, deren Engagement
gegen Atomtests auf dem Land der Western Shoshone sie nach Europa, Kasachstan
und die Pazifischen Inseln führte. Nachdem ihr ursprüngliches
Territorium bereits 1933 zur Gründung des "Death Valley National
Monument" annektiert wurde, droht ihnen jetzt die Vertreibung von
dem letzten kleinen Gebiet, das sie sich hart erkämpft hatten. Ihre
Zukunft in Death Valley, das sie in ihrer Sprache "Timbisha"
nennen, ist erneut bedroht, seit sie gegen eine Goldmine auf ihrem traditionellen
Gebiet protestieren. Die Ureinwohner des Death Valley Death Valley erhielt seinen Namen, weil die ersten Siedler, die es durchqueren wollten, seine Hitze und Trockenheit nicht überlebten. Die Temperaturen steigen hier auf 45 C im Schatten. Doch für die Timbisha ist es kein "Tal des Todes". Sie verstehen sich als seine Hüter für die kommenden Generationen. Sie hatten sich den extremen ökologischen Bedingungen vollkommen angepaßt und verstanden das Land optimal zu nutzen. Während der heißesten Monate zogen sie in die Berge. Hier standen ihre Sommercamps im Schatten der Pinienbäume, deren Nüsse bis heute ein wichtiger Teil ihrer traditionellen Nahrung sind. Mit der Entstehung des "Death Valley Monument" wurden sie von ihren Wasserquellen und Jagdgebieten, ihren traditionellen und religiösen Stätten abgeschnitten. Wo sie gelebt hatten, stehen heute das Hauptquartier der Parkverwaltung, die Wohngebäude der Angestellten, sowie Campingplätze. Die Timbisha erhielten ein Grundstück von 40 acre, mit 9 Lehmziegelhäusern, einem Laden und einer Wäscherei. Zum Anbau war kein Land vorhanden und so konnten nur 50 der über 300 Timbisha ständig dort leben. Da sie als Korbflechter berühmt waren, verkauften sie Kunsthandwerk im Laden ihres Dorfes, das nun "Indian Village" genannt wurde. Andere lebten vom Wäschewaschen für die Parkangestellten oder davon, daß sie sich den Touristen zur Schau stellten. Die Ernte der Piniennüsse und die damit verbundenen kulturellen Aktivitäten konnten sie kaum noch fortsetzen. Bei der Rückkehr aus ihren Sommerkamps fanden sie ihre Häuser im "Indian Village" zerstört. Das war nur eine der zahlreichen Methoden, mit denen die Parkverwaltung ihre traditionelle Lebensweise unterminierte. Erst 1983, nachdem sie ihre Anerkennung als Indianerstamm erreicht hatten, konnten sie das Dorf auf 17 Wohneinheiten erweitern und ein Büro für die Stammesregierung einrichten. Dort arbeitet auch Pauline Esteves. Neben ihrem Engagement für das Gesundheitwesen bemüht sie sich vor allem um die Erhaltung und Wiederbelebung der Kultur, Sprache und Tradition bis hin zur Pflege der in Death Valley heimischen Pflanzen und Tiere, deren Überleben durch "Importe" für die Hotels und Touristen gefährdet ist. Landrückgabe in einem Nationalpark? Es war bisher noch immer so, daß in den USA (und nicht nur dort), die ursprünglichen Bewohner, die eine Landschaft so erhalten hatten, daß sie den Kolonisatoren des besonderen Schutzes wert schien, daraus vertrieben wurden. Was bleibt ist meist nur ein "Indian Museum", das nichts darüber sagt, was aus den eigentlichen Besitzern geworden ist. Obwohl Death Valley zunÓchst nur ein "National Monument" war, wurden die Timbisha von der Nationalpark Verwaltung wie "sqatters" (Obdachlose) behandelt. Erst 1994 erließ der US-Kongreß einen Zusatz zum California Desert Protection Act, dem Gesetz zum Schutz der Kalifornischen Wüste, der ihnen eine Landrückgabe versprach. Dafür soll vom Innenministerium und den zuständigen Behörden in Beratung mit den Timbisha eine Studie erstellt werden, um Gebiete zu identifizieren, die für eine Reservation in Death Valley geeignetet sind. Zugleich wurden ihre Rechte auf spirituelle und heilige Plätze bestätigt. Doch weder das Innenministerium noch das ihm unterstellte BIA (Bureau of Indan Affairs) setzten diesen gesetzlichen Beschluß um. Nach ergebnislosen Treffen mit Vertretern der zuständigen Behörden sahen sich die Timbisha gezwungen, aus eigenen Mitteln einen Studienkreis zu gründen und einen Experten - Ausschuß einzurichten, der Vorschläge für die Rückgabe von Stammesland erarbeitete. Ihr ursprüngliches Gebiet umfaßte ca. 4 400 qkm im südöstlichen Kalifornien und Süd-Nevada. Davon wurden rund 350 qkm zur Rückgabe identifiziert, die überwiegend auf traditionelle Art genutzt werden sollten. Sie erstellten Konzepte für Ökologisches Wohnen und Wirtschaften und die Nutzung erneuerbare Energien in ihrer künftigen Reservation, mit Stammes-Unternehmen, die sich am Modell des sanften Tourismus orientieren und den Besuchern die reiche Geschichte der Timbisha vermitteln - im Gegensatz zum Parkservice, der seit jeher den Massentourismus gefördert und die indianische Geschichte des Death Valley schamhaft verborgen hat. Die Goldminen kommen. Eine enge Liason zwischen Parkverwaltung und Privatwirtschaft hat in den USA Tradition. Kahlschlag und Bergbau werden in Nationalparks nicht nur toleriert, sondern mit Straßenbau und anderen Maßnahmen gefördert. Auch Death Valley hat eine Geschichte des Bergbaus. In den Panamint Mountains gibt es zahlreiche Goldminen, die die extrem umweltgefährdende Zyanidhaldenlaugung anwenden. Zyanid ist ein schnell wirkendes Gift, das Böden und Gewässer verseucht. Als die Timbisha erfuhren, daß mit dem Briggs-Projekt eine solche Mine auch auf ihrem traditionellem Gebiet geplant ist, organisierten sie einen viel beachteten Protest, bei dem sie von Umweltschützern unterstützt wurden. Anwälte wiesen den Behörden und den Betreibern - der Canyon Resources Co. - eine Reihe von Rechtsverletzungen nach. Die Konsultation von Indianern ist bei solchen Großprojekten gesetzlich vorgeschrieben - u.a. müssen ihre Informationen über evtl. betroffene kulturell oder historisch bedeutsamen Stätten in die Umwelt-Auswirkungsstudien einfließen. Doch die Timbisha wurden weder von den zuständigen Genehmigungsbehörden informiert, noch vom BIA. Ihr Protest wurde von der Parkverwaltung mit der Mitteilung quittiert, daß eine Reservation innerhalb Death Valleys für sie nicht infrage kommt - angeblich, weil es sich um einen National Park handelt. Doch angesichts der gesetzlichen Lage ist diese Begründung gar nicht haltbar. Aber in den Panamint Mountains werden die Explorationen nach Gold intensiviert - dafür lassen sich schon eher Gesetze aushebeln. Canyon Resources plant bereits eine Erweiterung die Briggs-Mine an der Grenze zum Nationalpark und ein australischer Konzern meldet ebenfalls Interesse am Goldabbau an. Dazu Richard Boland: "die Kunde vom Gold in den Panamint Mountains verbreitet sich wie ein Wildfeuer". Eine indianische Allianz gegen die Nationalpark Verwaltung Ein "Marsch für Gerechtigkeit", den die Timbisha organisierten, zeigte den Teilnehmern, wie die Einrichtungen des Nationalparks vor allem große Besucherströme kanalisieren, deren Geld bei der Verwaltung und den Konzessionären bleibt, die ein Monopol auf die Hotels in Death Valley haben. Die indianischen Vorstellungen von Tourismus passen nicht in dieses Konzept. Abgesehen davon, daß die Politik der Nationalparks gegenüber indigenen Völkern einer grundsätzlichen Korrektur bedarf - und zwar weltweit - gibt es in USA eine Reihe anderer indianischer Nationen, denen gegenüber die Nationalkpark Verwaltung ihre Befugnissse erheblich überschritten und ihr Mandat mißbraucht hat. Dazu gehören die Seminole in den Everglades von Florida, die Navaho in Arizona/New Mexico, die Hualapai am Grand Canyon und viele andere. 1996 haben sie eine "Allianz zum Schutz indianischer Rechte in National Parks" gegründet, um sich gegenseitig zu unterstützen. In Briefen an europäische Unterstützer hat das Innenministerium zwar geanwortet, daß eine Vertreibung der Timbisha nicht geplant sei, doch für die Parkverwaltung ist Washington weit weg - und dort weiß man offenbar nicht, was im fernen Death Valley passiert. Die Nationalpark Verwaltung hat ihre Haltung inzwischen modifiziert: statt einer direkten Vertreibung bietet sie jetzt einen Pachtvertag an. Dazu Richard Boland, Sprecher des "Land Restauration Project": "Eine Pacht haben wir schon in den 80er Jahren abgelehnt - wir haben nicht um die gesetzliche Verankerung einer Landrückgabe gekämpft, um nun zu alten Planspielen zurückzukehren. Es gibt genug Land in Death Valley, wenn es um die Interessen der Parkverwaltung, der Konzessionäre, der französischen, deutschen oder japanischen Touristen geht." Die Treuhandschaft der USA, die Präsident Clinton bei seinem Amtsantritt zu einer neuen Partnerschaft hochstilisierte, erweist sich als Farce, wenn eine vom Kongreß beschlossene Landrückgabe nicht stattfindet, weil das zuständige Innnenministerium seiner Verantwortung nicht nachkommt. Das Angebot einer Pacht kommt einer schleichenden Vertreibung gleich - spätestens wenn die Pacht ausläuft. Ebenso wird mit den kulturellen und religiösen Rechten der Timbisha umgegangen. Die Goldminen haben einen enormen Verschleiß an Land, dem Grabstätten und zentrale spirituelle Plätze zum Opfer fallen. Für sie hat Pauline ein leidenschaftliches Plädoyer gehalten, das von der Presse zitiert wurde - in Washington wurde es nicht gehört.
Wenn Sie die Timbisha Shoshone unterstützen wollen, schreiben Sie bitte an Innenminister Bruce Babbitt und fordern sie, daß er dem Gesetz genüge tut und die Landrückgabe realisiert. Bruce Babbitt Secretary of Interior 1849 C Street, NW Washington DC 20240 Weitere Informationen:
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