Protestfaxe:
(Gerd
Klatt, Pastor und Leiter des Evangelischen Bildungswerkes)
(Professor
Dr. Neelson, Universität Tübingen)
Presse:
(Taz
vom 6. März)
(Taz
vom 11. März)
(Weserkurier
vom 12. März)
(Weserkurier
vom 13. März)
(Taz
vom 13. März)
(Eelam
Weekly vom 14. März, Bericht 1)
-Übersetzung
(Eelam
Weekly vom 14. März, Bericht 2)
-Übersetzung
(Tamil
Guardian vom 13. März)
Tamil
Guardian vom 13. März, Photo
(Bremer
Anzeiger vom 16. März)
(Eelamurasu
Weekly vom 21. März)
-Übersetzung
Photos:
Rajan
auf LTTE-Stand
Bilder der Demo vom 9. März
in Bremen:
(No.1)(No.2)(No.3)(No.4)(No.5)
Bilder der Demo vor dem Abschiebegefängnis
Neue Vahr:
(1)(2)(3)
Modelprotestbrief:
(deutsch)(english)
Soliadritätsgruppe für das
Selbstbestimmungsrecht der Tamilen
Postfach 10 27 61
33527 Bielefeld
Tel.: 0178 / 89 22 400
Fax: 0521 / 98 91 586
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Am Morgen des 4. März 2002, wurde der 24-jährige
Tamile Rajan, der vor acht jahren aus Sri Lanka nach Deutschland floh,
trotz des Vorliegens eines Eilantrages von der Bremer Ausländerbehörde
verhaftet. Er befindet sich nun in Abschiebehaft und ist noch am
Abend desselben Tages aus Protest in einen unbefristeten Hungerstreik
getreten.
In den letzten Jahren organisierte er die tamilischen Friedenskampagnen
in Bremen, um deutsche Regierungsvertreter dazu zu bewegen, ihren Einfluss
auf die srilankische Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunga zu nutzen.
Er argumentierte, dass Chandrika mit ihrer Politik des „War for Peace”
das grösste Hindernis für die norwegische Friedensinitiative
ist.
Im letzten Jahr am 13. März rollte die Bundesregierung der srilankischen
Präsidentin während ihres mehrtägigen Staatsbesuches den
roten Teppich aus, vereinbarte wirtschaftlich rentable Investitionen und
drückte der Präsidentin vollstes Vertrauen und Unterstützung
in ihre Politik aus. Kein Wort fiel über die eklatanten Menschenrechtsverletzungen
durch staatliche Sicherheitskräfte, über die Bemühungen
der norwegischen Friedensinitiative und über die Notwendigkeit den
derzeit einseitigen Waffenstillstand der LTTE positiv zu beantworten. Die
Staatspräsidentin setzte auf Krieg und der Bürgerkrieg eskalierte
ein weiteres Mal.
In einer Pressemitteilung der Bundesregierung vom 13. März 2001
war zu lesen: „Der Bundeskanzler würdigte ferner die politischen Anstrengungen
von Präsidentin Kumaratunga, eine friedliche Lösung des ethnischen
Konflikts in Sri Lanka zu suchen.“ „Man (muss) sich vor dem Hintergrund
der Politik der Präsidentin des Landes keine besonderen Sorgen machen.”
Die Parlamentswahlen im Dezember letzten Jahres in Sri Lanka, die im
Vorfeld von einer extremen Gewalt begleitet wurden, brachten nicht nur
einen Regierungswechsel, sondern auch eine neue Hoffnung auf Friedensverhandlungen
in dem vom 20-jährigen Bürgerkrieg zerrütteten Inselstaat.
Am 24. Dezember 2001 rief die LTTE, wie im Vorjahr, einen einseitigen
Waffenstillstand aus, der von der neuen Regierungspartei UNP, die die Regierungspartei
der noch amtierenden Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunga ablöste,
diesmal positiv beantwortet wurde. Zur Zeit herrscht Waffenruhe in Sri
Lanka und mit der neutralen Vermittlung der norwegischen Regierung werden
Friedensverhandlungen zwischen der srilankischen Regierung und der LTTE
vorbereitet. Während zum ersten Mal notwendige Schritte als Voraussetzung
für Friedensverhandlungen gemacht wurden, wie z.B. die Lockerung des
seit Jahren bestehenden wirtschaftlichen Embargo in den Kriegsgebieten
und die Erwägung das offizielle Verbot der LTTE aufzuheben, bleibt
es doch abzuwarten, ob diese Bemühungen wirklich zu dem erhofften
Frieden führen werden. In den vergangenen Jahren sind Friedensverhandlungen
mehrfach gescheitert. Nach wie vor schliessen einflussreiche Kräfte
in der singhalesischen Gesellschaft Friedensverhandlungen mit der tamilischen
Bewegung aus und üben einen dementsprechenden Druck auf die Regierung
Sri Lankas aus. Trotz der Tatsache, dass Chandrikas Partei die letzten
Parlamentswahlen verloren hat, in der die Menschen sich für eine eindeutige
Friedenspolitik ausgesprochen haben, missbraucht sie ihre Position als
Präsidentin, sich dem Willen der Menschen zu widersetzen. Obwohl selbst
die USA, Japan, Indien und die Vereinten Nationen die Friedensinitiative
unterstützen, schweigt die deutsche Regierung, während Chandrika
die chauvinistischen Kräfte mobilisiert, um den Friedensprozess zu
zerstören.
Erst gestern, am 8. März, berichtete die Nachrichtenagentur AP
über einen Bombenanschlag auf eine Wahlveranstaltung der neuen Regierungspartei
UNP, der singhalesisch-chauvinistischen Kräften zugerechnet wird.
Es ist davon auszugehen, dass im Vorfeld der bevorstehenden Kommunalwahlen
am 20. März weitere Gewaltakte aus diesem Umfeld verübt werden.
Genau zu diesem Zeitpunkt und genau ein Jahr nach dem Staatsbesuch von
Chandrika Kumaratunga, am 13. März 2002, plant Deutschland, Rajan
A. in ein Land abzuschieben, das noch immer durch die Politik von Chandrika
destabilisiert wird. Wir haben den Eindruck, dass die deutsche Regierung
noch immer auf Chandrika setzt und dem Frieden keine Chance gibt, da sie
die augenblicklich entspanntere Lage lediglich dazu nutzt, möglichst
schnell viele tamilische Flüchtlinge in eine ungewisse Zukunft zurückzuschicken.
Die tamilischen Flüchtlinge waren die einzigen, die im letzten
Jahr ihre Stimme erhoben und ihre Sehnsucht nach Frieden durch Massendemonstrationen,
Mahnwachen und anderen öffentlichen Kampagnen ausdrückten. Ihre
Stimmen für den Frieden wurden nicht nur ignoriert, sie wurden zusätzlich
von der Abschiebung in den Krieg in Sri Lanka bedroht, dessen Eskalation
von Seiten der Bundesregierung nicht verhindert, sondern unterstützt
wurde.
Ein ganzes Jahr lang wehrten sich die Tamilen in Bremen erbittert gegen
die Abschiebungsversuche ihrer Freunde und Familienangehörigen und
erreichten dadurch im November letzten Jahres
zumindest kurzfristig einen “inoffiziellen Abschiebestop” nach Sri Lanka.
Dennoch durchlebten zuvor vier tamilische Flüchtlinge Todesängste,
als sie nacheinander trotz der derzeitigen internen Absprache der Bremer
Innenbehörde, nicht nach Sri Lanka abzuschieben, in Abschiebehaft
genommen wurden. Einer von ihnen war Mylvakanam Nitsingar ((Taz
vom 26. März 2002), (ältere
Kampagne), bei Freunden auch bekannt als Mayuran, der noch im November
nach den erfolgreichen Protesten der Bremer Tamilen aus der Abschiebehaft
entlassen wurde. Der 36-jährige Tamile wurde ebenfalls in der vergangenen
Woche erneut verhaftet.
Sowohl Mylvakanam (oder Mayuran) als auch Rajan A., einer der Hauptorganisatoren
dieser erfolgreichen Proteste, sollen schlimmstenfalls in den nächsten
Tagen abgeschoben werden. Wir werden nicht zulassen, dass die beiden Tamilen
blindlings in eine lebensgefährliche Situation zurückgeschoben
werden. Sollten sich die Behörden tatsächlich durchsetzen, haben
sich der Leiter des Instituts für Theologie und Politik in Münster,
Herr Dr. Ludger Weckel, und eine Mitarbeiterin des Menschenrechtsverein
Bremen darauf vorbereitet, zur gleichen Zeit nach Sri Lanka zu reisen,
um den Schutz der Beiden zu gewährleisten. Sie wollen damit nicht
nur ihre Ablehnung der Abschiebung und der Politik Chandrikas zeigen, sondern
werden sich darum bemühen, Wege für eine Stärkung des Friedensprozesses
zu finden.
Rajan A. flüchtete im Jahre 1994 als Minderjähriger vor politischer
Verfolgung aus dem nördlichen Kriegsgebiet des seit 20 Jahren vom
Bürgerkrieg zerütteten Inselstaates Sri Lanka. Er war nahezu
die gesamten 8 Jahre, die er bisher in Deutschland als Asylsuchender lebte,
in der Gastronomie beschäftigt und versorgte sich weitestgehend selbst.
Sein Arbeitgeber bemühte sich mehrfach darum, dass Rajan über
eine humanitäre Regelung eine Aufenthaltserlaubnis erhält. Doch
weder die Ausländerbehörde noch das Innenressort liessen sich
davon beeindrucken, dass der Arbeitgeber eine Bürgschaft und einen
unbefristeten festen Arbeitsvertrag für Rajan darbot.
Rajans Asylverfahren wurde bisher u.a. deswegen negativ beschieden,
weil er viele Details über seine Verfolgung und politischen Tätigkeiten
in Sri Lanka bewusst nicht erwähnte, um seine Familienangehörigen
und Freunde in Sri Lanka nicht zu gefährden. In seinem jetzigen Eilantrag
jedoch entschloss er sich dazu, die fehlenden Informationen zu geben, um
die Hintergründe für sein exilpolitisches Engagement, dass von
dem Verwaltungsgericht in Bremen als asylirrelevant beurteilt wurde, verständlich
zu machen. Rajans Unterstützung anderer tamilischer Asylsuchender
und sein selbstloses Engagement für eine Lösung des Konfliktes
in Sri Lanka haben ihn in eine äusserst gefährliche Situation
gebracht. Sowohl auf öffentlichen Veranstaltungen, als auch in Veröffentlichungen
im Internet (www.humanrights.de) ist er als Aktivist erkennbar in Erscheinung
getreten. Im Falle seiner Abschiebung ist damit zu rechnen, dass er von
den srilankischen Sicherheitskräften als ein Unterstützer der
LTTE identifiziert wird und ihm dadurch Inhaftierung und Folter drohen.
Der Eilantrag könnte seine drohende Abschiebung aussetzen. Über
diesen wird in den nächsten Tagen entschieden werden. Daher möchten
wir Sie bitten, sich für Rajan einzusetzen, indem Sie höflich
formulierte Protestfaxe an das Verwaltungsgericht Bremen senden. Tragen
Sie dazu bei, dass die verantwortlichen Richter die Gefährdung, der
Rajan im Falle einer Abschiebung ausgesetzt wird, wahrnehmen und seinem
Engagement für Frieden wie auch seiner integrativen Lebensgestaltung
in Deutschland Rechnung tragen.
Verwaltungsgericht Bremen AZ: 4K 667/01.A
Altenwall 6
28195 Bremen
Fax: (0421) 361-6797
Bitte senden Sie auch eine Kopie an den Internationalen Menschenrechtsverein
Bremen e.V., Fax: (0421) 55 77 094 |