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Human Rights and People's War in Nepal
Human Rights and People's War in Nepal - Human Rights - Politics/Ideology - News and Reports - Links - Italiano

VolksKrieg in Nepal
Li Onesto

Am 13. Februar 1996 eröffneten koordinierte bewaffnete Überfälle und Angriffe, an denen Tausende von Männern und Frauen beteiligt waren, ein neues und glorreiches Kapitel in der Geschichte Nepals. Unter der Führung der Kommunistischen Partei Nepals (Maoistisch) begannen die Massen einen neuen Volkskrieg, der darauf zielt, den Imperialismus, Feudalismus und Bürokrat-Kapitalismus wegzufegen. Und seit bereits über drei Jahren breitet sich die Revolution in Nepal immer weiter aus, schlägt immer tiefere Wurzeln und hat bisher viel erreicht. All dies ist eine wirklich inspirierende und bedeutsame Entwicklung auf der Welt. Aber für die meisten Menschen in den USA und rund um die Welt ist sie eine verborgene Geschichte geblieben. Und für diejenigen von uns, die den Volkskrieg in Nepal mit Interesse beobachten, hat es zwar wertvolle, aber viel zu wenige Nachrichten über diesen wichtigen Kampf gegeben.

Der Revolutionary Worker bringt jetzt einen Exklusiv-Bericht. RW-Journalistin Li Onesto ist vor kurzem von einem mehrmonatigen Aufenthalt in Nepal zurückgekehrt, wo sie mit der Volksarmee durch das ganze Land reiste. Sie hat mit Parteiführern, Guerillas, Aktivisten aus Massenorganisationen und Dorfbewohnern gesprochen – mit denjenigen, die diesen echten maoistischen Volkskrieg führen und die jetzt beginnen, die neue Volksmacht auszuüben. Dies ist der erste Artikel einer neuen Reihe von Berichten von dieser aufregenden Reise.

**************

Seit einer Stunde und 45 Minuten starre ich aus dem Fenster des Flugzeugs, völlig fixiert. Hoch über den Wolken, auf derselben Höhe wie unsere Flugbahn, liegt die Himalaja-Gebirgskette. Die weißen Gipfel, die vereinzelt aus den Wolken ragen, sehen unwirklich aus, und ich habe das Gefühl, als wäre ich plötzlich auf einem anderen Planeten. Das emporragende Gestein steigt zum Himmel, immer weiter mit einer ununterbrochenen Vollständigkeit, während jeder einzelne Berg eine ihm eigene Gestalt und Charakter hat – einige ragen für sich allein hervor, andere sind zusammengeballt, einige sind schneebedeckt, andere vom Wind zerzaust und stahlgrau. Es scheint kein Ende zu haben.

Dies war mein Eintritt zum "Dach der Welt". Nepal, bekannt für Mount Everest, Gurkha-Soldaten und Sherpa-Bergleute, ein Land, das von Touristen als ein tolles Wandergebiet gelobt und gepriesen wird, wo man herrliche Landschaften bewundern und sich entspannen kann. Was mich anbelangt, hatte ich zwar vor zu wandern und viel vom Land zu sehen. Aber ich hatte nicht vor, mich zu entspannen. Ich hatte vor, mit dem maoistischen Volkskrieg zusammenzutreffen. Ich hatte vor, bewaffnete Guerillas auf ihren Märschen zu begleiten. Ich war dabei, Zeugin einer welterschütternden Revolution zu werden, die sich in den "Vorgebirgen" des Himalajas abspielt.

Seit drei Jahren habe ich über die Kommunistische Partei Nepal (Maoistisch) gelesen, die einen langwierigen Volkskrieg in den ländlichen Gebieten führt, um schließlich die Städte zu umzingeln, und die landesweite Macht zu ergreifen und eine neudemokratische Republik zu gründen. Ich hatte gelesen, dass Maoisten sich in beinahe jedem Teil des Landes organisieren, und dass über 600 Guerillas und Dorfbewohner seit Anfang des Krieges 1996 durch die Regierung getötet worden waren. Es war offensichtlich, dass die Regierung riesige und mörderische Kampagnen gegen das Volk in Gang gesetzt und schreckliche Verstöße gegen die Rechte des Volkes durchgeführt hatte. Aber die meisten Menschen rund um die Welt wussten, wenn überhaupt, nur sehr wenig über diese Auseinandersetzung.

Ich wusste, dass dieser Kampf von großer Bedeutung und Interesse für Revolutionäre überall auf der Welt ist – sowie für jeden, der den Kampf gegen Unterdrückung unterstützt. Aber Informationen über diese Revolution waren nur schwer zu finden. Die wenigen Neuigkeiten, die wir bekommen konnten, waren sehr wertvoll und faszinierend. Dieses Ereignis verlangte nach einer gut recherchierten, Angesicht zu Angesicht, Live-mit-dem-Volk Berichterstattung.

Als ich in Kathmandu ankam, war die Stimmung in der Stadt sehr angespannt. Die parlamentarischen Wahlen, die für Mai 1999 geplant waren, waren zu einem Brennpunkt des Kampfes zwischen Nepals reaktionären Herrschern und dem Volkskrieg geworden. Die Regierung wollte die Wahlen benutzen, um ein Image von Stärke, Stabilität und Demokratie zu vermitteln. Und sie hofften, ein neues Parlament zu Stande zu bringen, dass noch entschlossener ihre Anstrengungen, den Volkskrieg zu zerschlagen, unterstützte. Aber die KPN (Maoistisch) hatte zu einem landesweiten Wahlboykott aufgerufen. Auf dem Lande nahmen Guerilla-Angriffe auf die Polizei und Politiker zu und auch in der Hauptstadt gab es Aktionen von den Revolutionären. Fast jeden Tag, wenn ich die Kathmandu Post las, gab es einen Bericht oder Leitartikel über den Volkskrieg. Es gab Berichte darüber, dass Guerillas durch die Polizei getötet worden waren. Aber es gab auch Berichte über Polizisten, die aus dem Hinterhalt angegriffen und getötet wurden. Ich konnte es kaum erwarten, in die ländlichen Gebiete zu fahren, mitten ins Zentrum des Volkskrieges.

Auf dem Weg nach Osten

Eines Morgens bekomme ich endlich die Nachricht, dass Vorkehrungen für meine erste Reise in die ländlichen Gebiete getroffen worden waren. Wir fahren in die östliche Region, in ein Gebiet, wo der Volkskrieg stark ist. Ich bekomme nur ein paar Stunden vorher Bescheid und mir wird gesagt, dass ich nur eine kleine Tasche packen soll, denn wir werden die Stadt mit einem Motorrad verlassen.

Am Nachmittag treffe ich Shiva, meine Reiseführerin und Übersetzerin und wir treffen die zwei Genossen, die uns nach Osten fahren werden. Die Fahrt auf dem Motorrad raus aus Kathmandu, ist nur die erste von vielen gefährlichen Erfahrungen, die ich in Nepal machen werde! Als Fußgänger war ich bereits mit dem hektischen und gefährlichen städtischen Verkehr sehr vertraut. Aber jetzt, nachdem ich mich tagelang gegen die Taxen und Motorrädern auf den Strassen durchgeschlagen hatte, hatte ich es geschafft mich zu bewegen, so dass ich nicht mehr als Verkehrsopfer im Wartezustand galt. Wir fuhren im Zickzack zwischen den Menschen durch, kamen dicht an andere rasende Fahrzeuge heran und wichen schwerfälligen Kühen und scheuen Ziegen aus.

Als wir das Kathmandu-Tal verlassen, sehe ich zum ersten Mal die östlichen ländlichen Gebiete. Bald verschwinden die drei- und vierstöckigen Gebäude und weichen kleineren Ziegelsteinbauten entlang einer zunehmend kurvenreichen und ansteigenden Straße. Bei Einbruch der Dunkelheit sehe ich die Umrisse von unregelmäßigen grünen Treppen, die sich um die steilen Berge winden – sie wurden von den Bauern bergauf und bergab auf erstaunliche Weise terrassenförmig angelegt.

Das Klima ist sehr angenehm und selbst im Fahrtwind auf dem Motorrad brauche ich nur eine leichte Windjacke. Es wird schnell dunkel, aber es arbeiten immer noch Menschen auf den Feldern und viele sind noch auf der Straße. Wir fahren an vielen feiernden Menschengruppen vorbei, und aus den Augenwinkeln kann ich bunte Festtagsbekleidung erkennen, die an mir vorbei zischt. Und einige Sekunden kann ich die Klänge von Live-Musik hören. Der Genosse, der das Motorrad fährt, erzählt mir, dass zu dieser Zeit viele Hochzeitsfeiern stattfinden, weil in diesem Monat in Nepal traditionsgemäß geheiratet wird.

Wir halten am Weg und obwohl die Sonne inzwischen völlig hinter den Bergen verschwunden ist, klettern und spielen einige Kinder auf den steilen Pfaden an den Hügeln. Gespannt warten wir eine Zeitlang. Aber aus irgendeinem Grund haben wir diejenigen, die wir hier treffen sollten, verpasst. Inzwischen ist es dunkel geworden und wir müssen bis morgen früh warten, um zu versuchen sie zu finden. Also entscheiden wir uns, in einem kleinen Gasthof in der Nähe zu übernachten. Nach einem typischen nepalesischen Essen aus dal baht (Linsen und Reis), ziehen wir uns in winzige gemütliche Räume zurück. Ich bin ziemlich müde. Aber auch angespannt durch Vorfreude und Aufregung, weil ich die Volksarmee treffen werde, und ich kann nicht einschlafen.

Es ist 21.30 Uhr, aber draußen auf der anderen Straßenseite, hat ein kleine Werkstatt noch auf, und ein Mann ist damit beschäftigt aus Metall Wasserkrüge zu formen. Das regelmäßige Geräusch von Stahl gegen Stahl erklingt bis spät in die Nacht, vermischt mit Klängen von Gesprächen und Leuten, die auf der Straße gehen. Wir sind in der Nähe einer großen Straße, und die ganze Nacht lang wird mein rastloser Schlaf von dem lauten Hupen der Busse und Lkws unterbrochen.

Am nächsten Morgen erwache ich früh durch den wunderschönen Gesang eines Mannes, der den Weg entlangläuft. Bald danach beginnen wieder die regelmäßigen Schläge des Metallarbeiters von gegenüber – und es ist erst kurz nach 6.00 Uhr. Als ich zum hinteren Balkon des Gasthofs laufe, sehe ich, dass wir uns direkt an einem großen Fluss befinden. Um mich herum ragen hohe Berge, die sich bis in die Ferne erstrecken. Und während ich die Landschaft genieße und an einem traditionellem nepalesischem Milchtee nippe, denke ich an die Abenteuer – und die Gefahr – die mir bevorstehen. Die Genossen haben mich gewarnt, dass es wegen der Wahlen eine besonders gefährliche Zeit ist, um in die Gebiete zu reisen, in denen der Volkskrieg im Gange ist. Wir werden vorsichtig sein, aber es gibt keine Garantie dafür, dass wir nicht der Polizei begegnen werden. Und sie sagen mir, dass falls der Feind irgendwie dahinter kommt, dass es Maoisten in den Dörfern gibt, die wir besuchen, werden sie das Gebiet vielleicht umzingeln und einen Angriff starten.

Im Guerillagebiet

Da wir erst nach Dunkelheit in der Guerillazone eintreffen dürfen, verabreden wir ein Treffen am frühen Abend mit unseren Kontaktpersonen. Wir treffen uns mehrere Kilometer entfernt vom Gasthof flussaufwärts, gerade als die Sonne untergeht. Ab jetzt werden wir zu Fuß unterwegs sein und wir müssen noch ein paar Stunden bergauf klettern. Es ist noch nicht ganz dunkel, als wir unterwegs eine Pause einlegen und von Dorfkindern umringt werden, die uns voller Neugierde betrachten.

Wir erreichen ein Dorf, in dem die Unterstützung für den Volkskrieg sehr groß ist – die Partei hat dieses Dorf als ein Gebiet bestimmt, das jetzt zu einem Stützpunktgebiet für die Revolution entwickelt werden kann. Leute erzählen mir voller Stolz, dass die Polizei Angst hat, in dieses Gebiet zu kommen, da sie befürchten, getötet zu werden. Guerilla-Wachtposten schützen das Gebiet – falls die Polizei in der Nähe ist, werden Menschen, die polizeilich gesucht werden oder im Untergrund arbeiten, benachrichtigt, damit sie das Gebiet verlassen können. Die Genossen haben gewußt, dass wir kommen und haben Vorkehrungen für unsere Sicherheit getroffen.

Es ist sehr dunkel geworden als wir bei dem Haus ankommen, wo wir übernachten und uns mit einigen Leuten treffen wollen. Wir gehen sofort hinein und werden von zwei örtlichen Parteiführern herzlich begrüßt. Einer davon ist Lehrer, und wir werden bei ihm wohnen. Der andere ist ein junger Mann, der Anfang zwanzig zu sein scheint. Wir setzen uns und trinken Milchtee, während sie mir etwas über sich und die revolutionäre Arbeit in diesem Dorf erzählen. Jemand bringt eine Kerosinlampe, so dass ich in meinem Heft Notizen machen kann. Ich bemerke, daß es elektrische Leitungen an den Wänden gibt und sogar Fassungen für Glühbirnen. Offensichtlich wurde das Haus gebaut in der Hoffnung, dass dieses Gebiet in naher Zukunft an die Stromversorgung angeschlossen würde. Aber dieses Dorf hat, wie 90 Prozent von Nepal, nach wie vor keinen Strom.

Der junge Parteiführer erzählt mir, dass die Dorfbewohner vom Ackerbau abhängig sind und hauptsächlich Mais und Hirse anbauen. Die meisten Bauern haben sehr kleine Parzellen, die nur kleine Ernten einbringen. Sie können gerade genug anbauen, um ihre Familien drei oder vier Monaten lang zu ernähren. Für den Rest des Jahres müssen sie eine andere Einkommensquelle finden, um zu überleben. Einige haben kleine Gärten, wo sie z.B. Tomaten zum Verkauf in den Städten anbauen. Und viele Männer sind gezwungen, ihre Familien für mehrere Monate zu verlassen, um anderswo Arbeit zu suchen.

Der junge Parteiführer ist Sohn eines Zimmermanns. Zwei seiner Brüder leben und arbeiten in Kathmandu und zwei seiner Schwestern haben sich der Revolution angeschlossen. Nach dem Schulabschluß ging er nach Kathmandu, um Jura zu studieren. Er wurde in der revolutionären Studentenbewegung aktiv und schloß sich 1994 der Partei an. Er sagt mir: "Dann wollte die Partei, dass ich auf dem Lande arbeite, und gleichzeitig zwang mich die Repression der Regierung dazu, die Stadt zu verlassen und in den Untergrund zu gehen."

Der andere Parteiführer ist seit 20 Jahren Lehrer. Früher unterrichtete er in der Stadt, aber vor über 10 Jahren kehrte er ins Dorf zurück. Er erzählt mir voller Stolz, dass seine Frau auch an der Revolution beteiligt ist. Er hat sechs Brüder – einer arbeitet als Ölarbeiter in Indien, ein anderer ist Lkw-Fahrer in der Stadt. Seine Eltern wohnen in diesem Haus mit seiner Frau und seinen Kindern.

Dies sind zwei der Genossen, die die Parteiarbeit in diesem Gebiet, in dem ca.2.000 Menschen leben, führen. Die Partei macht seit 10 Jahren hier organisierte Arbeit, und vor dem Beginn des Volkskrieges 1996 gab es in diesem Gebiet schon Parteizellen (Einheiten von Parteimitgliedern) und revolutionäre Massenorganisationen. In Nepal gibt es eine Anzahl von revisionistischen Parteien – sie nennen sich revolutionär, aber sind völlig reformistisch und in vielen Fällen offen reaktionär. Und die revisionistische Vereinigte Kommunistische Partei Nepals (Marxistisch Leninistisch) [die meistens als VML bezeichnet wird], die 1994-1995 neun Monate die reaktionäre Regierung angeführt hat, hat früher viel politische Arbeit in dieser Gegend organisiert. Aber jetzt, so wird mir gesagt, unterstützen die ehemaligen VML-Mitglieder und -Unterstützer in dieser Gegend entweder den Volkskrieg oder sie sind neutral oder sind weggezogen. Der ältere Parteiführer ergänzt dieses Bild, indem er etwas über seine eigenen Erfahrungen mit der VML erzählt. Er sagt:

"Ich schloß mich der VML 1980 an, als ich Student war und beteiligte mich an der Studentenbewegung, nach der Politik der VML. Ich träumte davon, dass die VML etwas für die Armen und die unterdrückte Klasse tun würde. Aber das tat sie nicht – sie verfolgte den kapitalistischen Weg. Nach dem Beginn des Volkskrieges 1996 kam ich in Kontakt mit der KPN (Maoistisch). Wir diskutierten und setzten uns auseinander, und ich lernte, was wirklicher Kommunismus ist. Die VML behauptete, dass sie für Marxismus-Leninismus-Maoismus wäre. Aber nachdem das Mehr-Parteien-System eingeführt wurde, hat sie das nicht in die Praxis umgesetzt und sie strich sogar die Bezeichnung ‘Maoistisch’ aus ihrer Selbstdarstellung."

Der jüngere Genosse erzählt dann darüber, was sich hier nach dem Anfang des bewaffneten Kampfes ereignet hat:

"Es gab eine große Veränderung nach dem Beginn des Volkskrieges. Früher waren die ganzen Organisationen legal und die Arbeit bestand hauptsächlich aus Propaganda. Dann hat der Beginn den Menschen wirklich Hoffnung und Überzeugung verliehen. Die Einheiten der Volksarmee und der Partei entlarvten und griffen schlechte Elemente an und bedrohten die Spitzel. Es gab sowohl Zwang als auch Überzeugungsarbeit. Sie setzten sich mit Spionen auseinander, damit sie ihr schlechtes Verhalten beendeten. Aber wenn sie nicht aufhörten, wurden sie dazu gezwungen. Die Menschen wurden auf diese Weise verändert."

"Jetzt wird es zunehmend notwendig, geheim zu arbeiten, und ständige Sicherheitsmaßnahmen sind notwendig. Nach dem Beginn gab es in diesem Gebiet Massenverhaftungen, viele Menschen wurden umgebracht und viele mußten in den Untergrund gehen. Jetzt muß unsere Organisation systematischer arbeiten – wir müssen Wege finden, um Einzelne in der bestmöglichen Art und Weise einzusetzen, entsprechend ihren Kenntnissen und Fähigkeiten. Die Organisierung von verschiedenen Massenorganisationen geht weiter – wie z.B. die Bauernvereinigung, Frauengruppe und Jugendorganisation. Die Partei arbeitet jetzt im Untergrund und die Massenorganisationen sind gezwungen worden, teilweise im Untergrund zu arbeiten."

Vor 1990 war die Regierung ein monarchistisches Einparteisystem namens Panchayat, das das Volk unterdrückte. Dann, 1990, zwang eine Anti-Panchayat-Massenbewegung die Regierung dazu, eine parlamentarisches Mehrparteien-System zu errichten. Der junge Genosse erklärt weiter:

"Nach 1990 wurde das Mehrparteien-System eingesetzt und die Menschen dachten, sie würden jetzt ein besseres Leben und mehr Chancen haben. Aber das geschah nicht und die Kluft zwischen den Besitzenden und den Habenichtsen wurde nur noch größer. Es gab eine große Krise im Land, Nepal war die zweitärmste Nation der Welt. Das war ein Grund, warum mich die Revolution angezogen hat und ich die Notwendigkeit des Klassenkampfes verstand, um Gleichheit zu erringen. Ein weiterer Grund war, dass ich sah, dass sämtliche politische Führer in der Regierung korrupt waren und nicht das Volk vertraten. Diese Situation entmutigte mich, wie viele andere Jugendlichen auch. Ich sah, dass diese Politiker keine Liebe für die Nation hatten und zu Dienern des Imperialismus und des indischen Expansionismus geworden waren. Als jemand, der sein Land liebt, gab es für mich keinen anderen Weg, als mich der Revolution anzuschließen. Und inzwischen habe ich gelernt, dass die Hauptquelle der Korruption und Repression und der Probleme in der Gesellschaft die reaktionären Staatsmacht und ihr System ist. Und keiner unserer Träume wird je Wirklichkeit werden, wenn wir das System nicht beseitigen."

Bevor wir dieses kurze Gespräch beenden, sagt der ältere Genosse, dass er mir einen Grußbotschaft geben will, die ich in die Vereinigten Staaten zurückbringen soll. Er sagt: "Meine Botschaft an die Unterdrückten und Revolutionäre in den USA ist, ich möchte unsere Solidarität ausdrücken und sie ermutigen, sich zu vereinigen, um sich von den Ketten des Imperialismus zu befreien. Unsere Bewegung ist eine internationale Bewegung. Wir hoffen, erfolgreich zu sein als ein Teil der Weltrevolution. Und wir arbeiten daran, Solidarität mit all den Unterdrückten und revolutionären Kommunisten in Amerika aufzubauen."

Gewehrsilhouetten

Die Genossen sagen mir, dass ein Kulturtrupp der Volksarmee heute abend eine politische und kulturelle Veranstaltung für die Massen abhalten wird. Sie überlegen, wie sie es bewerkstelligen können, dass ich die Mitglieder der Volksarmee treffen und mit ihnen reden kann. Aus Sicherheitsgründen wird der Trupp bei Dunkelheit ankommen, gleich vor der Veranstaltung, die zwei bis drei Stunden dauern wird. Bald danach wird er bei Nacht wieder gehen müssen und zwei Stunden brauchen, um einen Platz zum Übernachten zu erreichen. Das heißt, wir werden uns erst sehr spät mit dem Trupp treffen können. Aber nach Monaten der Planung und Vorfreude hatte ich kaum was dagegen, noch ein paar Stunden länger zu warten, bis ich mein erstes Interview mit Mitgliedern der Volksarmee, von Angesicht zu Angesicht führen konnte.

Die Mutter des Lehrers hat für uns ein Essen zubereitet, und in der traditionellen nepalesischen Weise sitzen wir auf dem Boden und essen mit den Händen. Das Essen ist sehr gut und die Mutter versucht jeden zu überreden, sich noch mehr zu nehmen. Sie necken mich wegen meiner Unkenntnis der nepalesischen Essgewohnheiten, z.B. wie man sich die Hände nach dem Essen wäscht. Man gießt sich das Wasser so über die Hände, dass es auf den leeren Teller fließt. Aber als jemand mir einen Behälter mit Wasser reicht, stecke ich meine Finger rein, und alle lachen darüber. Diesen Fehler werde ich nicht zweimal machen.

Kurz nach dem Essen wird es Zeit, zur Veranstaltung zu gehen. Es ist dunkel und wir gehen im Gänsemarsch den Pfad entlang. Ich muss eine Taschenlampe benutzen, aber irgendwie können die anderen den steilen, steinigen Pfad ohne jegliche Beleuchtung erklimmen. Ohne Mühe flitzen sie hoch auf das Gelände. Aber für mich ist alles unbekannt und neu, und ich muss mich bei jedem Schritt konzentrieren und mit der Taschenlampe leuchten, damit ich sehen kann, wohin ich meinen Fuß setze. In die völlige Dunkelheit schneidet das Licht meiner Taschenlampe ein kleines Loch, gerade groß genug für mich um meinen Weg zu finden. Und so schnell ich kann, folge ich dieser kleinen Lichtspur. Obwohl ich um mich herum gar nichts sehen kann, sagt mir meine schnelle Atmung, dass wir immer höher auf dem Berg klettern.

Nach einer Weile erreichen wir ein Plateau, auf dem sich bereits Menschen für die Veranstaltung versammeln. Mit nur zwei Laternen, die die Gegend schwach erleuchten, ist schwierig zu sehen, was vor sich geht. Aber ich kann die dunklen Umrisse von ungefähr 100 Menschen erkennen, die auf dem Boden sitzen. Andere Dorfbewohner kommen noch den Berg hinauf. Shiva und ich setzen uns ein wenig entfernt von der Stelle, wo die Massen sich sammeln, und wenige Minuten später bringt uns jemand eine Matte, auf der wir sitzen können.

Wir müssen noch eine längere Zeit warten. Aber ich genieße die kühle, frische Nacht und nehme die Atmosphäre von Vorfreude in mich auf, die von der wachsenden Ansammlung von Dorfbewohnern ausgeht. Anscheinend ist der Trupp noch nicht vollzählig anwesend, obwohl es wirklich zu dunkel ist, als dass ich die verschiedenen Figuren, die ständig in Bewegung sind, unterscheiden kann. Ich versuche angestrengt in der Dunkelheit, besser zu sehen, was um mich herum passiert. Plötzlich erscheint eine Gestalt genau vor mir, nah genug um sie zu berühren. Es ist mein erster Anblick eines Mitglieds der Volksarmee – eine Silhouette, die Gestalt einer jungen Frau in Uniform und mit Mütze, die ein Gewehr auf der Schulter trägt. Bald merke ich, dass mehr Gestalten aufgetaucht sind, uniformiert und mit Gewehren bewaffnet. Eine steht am Rande, direkt hinter uns, und bewacht die Gegend. Andere beschäftigen sich mit den Vorbereitungen für die Veranstaltung. Leute aus dem Dorf kommen immer noch den steilen Pfad hinauf. Wenn sie oben ankommen, hat ein Guerilla die Aufgabe, mit seiner Taschenlampe den Pfad zu beleuchten, um den Menschen bei den letzten paar Schritten bis zum Gipfel zu helfen.

Als die Veranstaltung um ungefähr 21.30 Uhr anfängt, kommen immer noch Dorfbewohner an. Es ist schwer im Dunkeln zu schätzen, aber es scheint, als wären jetzt ca. 200 Menschen versammelt, um den Trupp der Volksarmee zu hören und zu sehen.

Der junge Parteiführer, mit dem ich vorher gesprochen hatte, eröffnet die Veranstaltung mit einer kurzen Einführung. Dann ruft er zu einer Schweigeminute für alle Märtyrer auf, und alle erheben sich und verneigen sich zu Ehren der Genossen, die im Volkskrieg getötet wurden. Danach ist eine der ersten Rednern eine junge Frau, deren Mann von der Polizei getötet wurde. Sie ist eine Parteisekretärin der Gegend: Sie erklärt die Ziele des Volkskrieges und ruft besonders die Frauen auf, sich der Revolution anzuschließen.

Als nächstes hält der Zugführer der Volksarmee eine Rede über die Bedeutung und Wichtigkeit des bewaffneten Kampfes. Er erklärt, warum es notwendig ist, die Waffen zu ergreifen, um den Feind zu besiegen. Aber er sagt auch, dass das Wichtigste um den Feind zu besiegen, die Massen sind. Zwischen den Vorträgen trägt die Kulturtruppe Lieder und Gedichte vor, begleitet von lebendigen Rhythmen, die auf einer kleinen traditionellen nepalesischen Trommel geschlagen werden. Es ist alles sehr aufregend – zum ersten Mal erlebe ich die neue revolutionäre Kultur, die vom Volkskrieg entwickelt wird. Das erste Lied, das sie singen, spricht davon, wie das "Blut der Märtyrer das Volk stärken muß".

Mehrere Redner betonen, dass die Massen sich dem Volkskrieg anschließen und ihn unterstützen müssen. Ein Genosse sagt den Menschen: "Die Armee wird das Volk beschützen und das Volk muss die Armee beschützen." Es gibt auch Neuigkeiten über Kämpfe – von Polizisten und schlechten Elementen, die getötet wurden, aber auch von Kämpfern der Volksarmee, die kürzlich gefallen sind. Ein Mann sagt der Menge: "Sie töten uns in Gruppen – aber wir fangen auch an, sie in Gruppen zu töten." Shiva flüstert mir zu, dass sich dies auf ein Ereignis bezieht, bei dem vor kurzem im westlichen Teil des Landes, mehrere Polizisten durch die Volksarmee getötet wurden. Andere Ereignisse werden auch erwähnt, bei denen die Polizei eine Niederlage erlitt.

Eine weitere Rede geht darauf ein, dass die Massen die neue Volksmacht ausüben müssen – indem sie die Dinge in die eigenen Hände nehmen, Streitereien beilegen, Probleme in der Gemeinde lösen und Recht sprechen. Und die Partei ruft die Massen auf, die bevorstehenden Wahlen zu boykottieren – und vor verstärkten Angriffen durch die Regierung auf der Hut zu sein. Ein Redner sagt: "Reaktionäre können Blutvergießen in diesem Dorf verursachen, und ihr müsst darauf vorbereitet sein."

Interviews bei Kerzenlicht

Die Veranstaltung ist immer noch im Gange, als wir gegen 23.00 Uhr gehen. Die Rückkehr bergab ist ein bisschen schonender für meinen Kreislauf, aber ich muss etwas vorsichtiger sein, damit ich nicht über Steine stolpere und hinfalle. Wieder muss ich mich konzentrieren und meine Taschenlampe benutzen, damit ich jeden Schritt sehen kann. Ich versuche, mit den anderen Genossen mitzuhalten, die mit völliger Leichtigkeit im Dunkeln bergab fast rennen. Wir kehren zum Haus zurück, gehen hinein und legen uns hin. Überraschenderweise schlafe ich sofort ein.

Zwei Stunden später, kurz vor 1.00 Uhr nachts, erwache ich durch eine Stimme, die sagt: "Genossen, steht auf – sie sind da."

Ich stehe sofort auf und sehe, wie Mitglieder des Volksarmeetrupps das Zimmer betreten. Es ist völlig dunkel bis auf zwei kleine Kerzen – eine, die vor mir auf dem Tisch steht, damit ich Notizen machen kann. Die Genossen treten ein und stellen ihre Gewehre gegen die Wand. Das Zimmer ist sehr klein und mit etwa einem Dutzend Guerillas plus einigen Dorfbewohnern und den zwei Parteiführern aus der Gegend, ist es jetzt überfüllt.

Einige junge weibliche Guerillas setzen sich gleich neben mir auf das Bett. Jetzt sehe ich, wie jung sie sind. Sie sind schön und stark und scheinen etwa zwischen 15 und 20 Jahre alt zu sein. Sie tragen ihre Uniformen der Volksarmee mit Stolz – grüne Militärhosen mit vielen großen geräumigen Taschen und passenden Jacken. Die Mützen sind etwas quadratisch geformt an der Spitze mit einer vollen Krempe und haben vorne einen großen, glänzend roten Stern. Gegenüber von mir sitzt der Führer des Trupps, ein gutaussehender junger Mann, den ich auf etwa 25 Jahre schätze. Er sieht sehr müde aus, aber begrüßt mich mit einem großen Lächeln.

Für die nächsten paar Stunden erzählen mir die Mitglieder dieses Kulturtrupps über sich und ihre revolutionäre Leidenschaft. Fast alle stammen aus armen Bauernfamilien. Die Frauen sprechen als erste und reden über die starke Repression in ihren Dörfern und wie sie dazu kamen, sich der Volksarmee anzuschließen. Zunächst scheinen die Guerillas schüchtern und zögerlich zu sein. Aber als jede an der Reihe war, zu sprechen, bin ich beeindruckt von der Stärke und Entschlossenheit in ihrer ruhigen Art. Sie haben eine Art an sich, die Teenager-Mädchen rund um die Welt gemeinsam haben – wie sie nebeneinander sitzen, irgendein Geheimnis flüstern oder sich gegenseitig die Haare frisieren. Aber sie haben auch eine gemeinschaftliche und disziplinierte Art an sich, die daher kommt, dass sie als militärische Einheit zusammen leben und kämpfen. Und es beeindruckt mich, wie ernsthaft sie sich der revolutionären Sache widmen.

Die schlechten Bedingungen des Bauernlebens, die Art und Weise, wie die feudale Gesellschaft Frauen unterdrückt, sowie die schlimme Repression der Regierung haben diese Frauen in die revolutionären Reihen getrieben. Die erste junge Frau, die spricht, sagt mir:

"Mit 16, 17 dachte ich, warum sind wir so unterdrückt, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich? Damals dachte ich darüber nach, wie all diese Probleme in unseren Familien und in der Gesellschaft zu lösen sind. Ungefähr zu dieser Zeit, 1995, führte die KPN (Maoistisch) einen Boykott der Wahlen und des Parlaments durch. Eine Kulturgruppe der Partei hat unser Dorf aufgesucht. Dadurch erfuhr ich, wie wir all unsere Probleme lösen und uns von der Repression befreien können. Ich wurde in der Kulturgruppe aktiv und dann trat ich in die Partei ein. Meine Eltern haben es mir verboten, aber ich habe es trotzdem getan. 1997 haben mich schlechte Elemente dazu gezwungen, in den Untergrund zu gehen und jetzt arbeite ich in diesem Kulturtrupp der Volksarmee."

Andere Mitglieder des Trupps wurden auch zunächst durch die kulturelle Arbeit der Partei zur Volksarmee gezogen. Und während einige der Frauen gegen ihre Familien rebellieren mussten, um in die Volksarmee einzutreten, gab es auch Geschichten von Verwandten, die sie ermutigt hatten, sich der Revolution anzuschließen. Und fast jede konnte eine Geschichte darüber erzählen, wie die Polizei Mitglieder ihrer Familien misshandelt und verhaftet hatte. Eine 15jährige Frau, deren Vater im Untergrund ist, sagte mir:

"Januar 1996, als ich in der 9. Klasse war, kam die Polizei in mein Dorf, um die Veranstalter eines Kulturprogramms in unserer Schule zu verhaften. Unsere Lehrer wurden verhaftet; mein Vater und Onkel waren bereits Parteimitglieder und in den Untergrund gegangen. 500 Polizisten machten eine Razzia in unserem Dorf und verhafteten beinahe jeden – selbst die Kinder und Alten. Meine Mutter wurde verhaftet und ich wurde auch verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht. Es gab so viel Repression durch die Polizei, dass ich mich der Kulturgruppe der Partei anschloss. Und wegen der Ausbeutung und Unterdrückung der armen Massen, und insbesondere wie die Frauen darunter leiden. All das hat das mich dazu bewegt, einen Weg zu finden, die Massen von dieser Situation zu befreien. Ich fand heraus, dass die KPN (Maoistisch) das tat. Deswegen bin ich in die Partei eingetreten."

Die Regierung hofft, dass die Menschen angesichts der Verhaftungen, Folter und Mord, Angst bekommen und sich zurückziehen werden. Aber ich fange an zu verstehen, wie schwere Repression hauptsächlich das Gegenteil bewirkt – wie Menschen dadurch noch engagierter und entschlossener werden, zu kämpfen. Ein älterer Genosse hatte schon 12 Jahre lang mit der Partei zusammengearbeitet als der Beginn stattfand. Er wurde verhaftet und 26 Monate lang ins Gefängnis geworfen. Als er herauskam, schloß er sich sofort der Volksarmee an. Eine andere 15jährige Guerillakämpferin erzählte mir, dass ihr Vater im Gefängnis ist und ihr Onkel, ihre Tante und ihr Bruder alle verhaftet worden sind. Sie sagte, "Es gab keinen anderen Weg als am Volkskrieg teilzunehmen. Deswegen habe ich zu den Waffen gegriffen."

Die letzte Guerillakämpferin, die spricht, ist 16 Jahre alt und sitzt neben mir auf dem Bett. Zu Beginn erzählt sie, dass es viel Unterstützung für den Volkskrieg in ihrem Dorf gab, und dass ihr Vater seit 1995 im Untergrund ist. Dann beschreibt sie, wie die harte Repression durch die Polizei ihr Dorf zerstörte. Sie sagt mir: "Die Polizei kam zu uns nach Hause und terrorisierte uns. Sie vergewaltigten Frauen und verhafteten viele Menschen im Dorf. 1997 gab es einen Fall schwerer Repression durch die Polizei und jetzt, in diesem Dorf von etwa 26 Häusern, ist niemand mehr geblieben. Alle wurden gezwungen das Dorf zu verlassen und in den Untergrund zu gehen."

Einige der jungen Guerillas kamen zunächst durch die revolutionären Studentenorganisationen mit der Partei in Kontakt. Und viele von ihnen wurden gezwungen in den Untergrund zu gehen, nachdem sie verhaftet wurden und die Regierung hinter ihnen her war. Ein junger Mann sagt:

"Ich fing an, mich mit revolutionärer Politik zu beschäftigen, als ich Student war, und wurde Bezirkssekretär der revolutionären Studentenvereinigung. Ich begann mit der Kulturgruppe der Volksarmee zusammenzuarbeiten mit dem Verständnis, dass dies der einzige Weg ist, um die Ausbeutung zu beseitigen, und zwar durch den Volkskrieg. 1998 klagten die Reaktionäre mich an und bezichtigten mich des Landesverrats. Zur selben Zeit gab mir die Partei die Gelegenheit einzutreten, und jetzt bin ich in der Volksarmee. Ich bin dieser politischen Linie verpflichtet und glaube, dass das parlamentarische Mehrparteien-System, wie Lenin es sagte, der Ort ist, wo sie einem den Kopf einer Ziege zeigen, um einem dann das Fleisch eines Hundes zu verkaufen. Also ist der Volkskrieg der einzige Weg, die ausgebeuteten Massen zu befreien, sie von den Ketten der Sklaverei zu befreien. Deswegen habe ich mich der Volksarmee angeschlossen. Und wir sind voller Hoffnung und völlig zuversichtlich, dass wir erfolgreich sein werden."

Ein anderer junger Mann fügt hinzu: "Ich wurde in der Studentenvereinigung aktiv und lernte das Parteiprogramm durch eine kulturelle Veranstaltung in der Schule kennen. Ich fing an, zeitweise mit der Partei zu arbeiten, auf öffentliche, legale Art und Weise. Aber dann klagte mich die Regierung an. Ich wurde verhaftet und blieb 15 Tage lang in Untersuchungshaft. Die Reaktionäre warfen mir alles mögliche vor. Jetzt, seitdem ich mich dem Trupp angeschlossen habe, bin ich im Untergrund und seit sechs Monaten in diesem Zug."

Der Kulturtrupp reist im östlichen Gebiet herum und hält Kulturveranstaltungen für die Massen ab. Aber sie bekommen auch militärische Aufgaben zugewiesen. Ein Mitglied erklärte: "Die Mitglieder des Kulturtrupps nehmen auch an bewaffneten Aktionen gegen die Reaktionäre teil. Wir finden Sachen heraus über schlechte Elemente wie Polizisten oder Spione und greifen sie an. Und wenn die Partei uns anweist, dies zu tun, analysieren wir die Situation und prüfen, mit welchen Problemen wir zu tun haben werden, um die Aufgabe erledigen. Wenn der Feind nicht anwesend ist, können wir offen arbeiten. Manchmal arbeitet der Trupp auch auf dem Feld gemeinsam mit den Leuten. Und manchmal helfen wir, Probleme innerhalb der Massen zu lösen, die im Dorf auftauchen, wie zum Beispiel Streitereien beilegen, Recht sprechen, wenn jemandem Unrecht getan wurde usw."

Nachdem jeder Guerilla gesprochen hat, erzählt mir eine Gebiets-Parteisekretärin, wie sie dazu kam, sich dem Volkskrieg anzuschließen. Sie sagt:

"Ich war in der Studentenbewegung aktiv und 1994 habe ich geheiratet. Nach dem Beginn wurde mein Mann im Volkskrieg aktiv und im Mai 1997 wurde er getötet und hinterließ mich und unseren dreijährigen Sohn. Nachdem ich geheiratet hatte, arbeitete ich als Präsidentin der Frauenvereinigung des Bezirks. Letzten Mai wurde ich verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Als mein Mann getötet wurde, schwor ich mir, seinem Weg zu folgen und ich schwor, dass ich das Gewehr, das aus seinen Händen gefallen war, aufnehmen würde. Jetzt werde ich von der Polizei gesucht und bin gezwungen, in den Untergrund zu gehen."

Bei der Kulturveranstaltung hatte sie besonders die Frauen aufgerufen, sich dem Volkskrieg anzuschließen. Als ich sie fragte, warum ihr die Rolle der Frauen in der Revolution so wichtig ist, antwortete sie: "In dieser Gesellschaft wird gesagt, dass sich die Frauen gemäß den Wünschen ihrer Väter, ihrer Ehemänner und ihrer Söhne verhalten sollen. Das ist, wie diese Gesellschaft die Frauen behandelt. Der Kapitalismus beutet die Frauen aus und es gibt für sie keine Gleichberechtigung in Fragen des Eigentums und anderer Aspekte der Gesellschaft. Dieses Problem stammt nicht von speziellen Männern oder Gruppen von Männern. Vielmehr ist die Grundursache die reaktionäre Regierung, die mit den Expansionisten und Imperialisten zusammenarbeitet. Es ist klar, dass unser Kampf nicht erfolgreich sein wird, dass wir unsere Probleme nicht werden lösen können und Ausbeutung und Unterdrückung aller Art abschaffen können werden, solange diese reaktionäre Regierung und dieses System noch bestehen. Wir können es nur durch Waffengewalt stürzen, und darum müssen wir den Volkskrieg führen. Dann können wir neue Formen von Volksmacht haben, in denen die Frauen gleichberechtigt sind."

Für den Trupp ist es an der Zeit sich zu verabschieden und ein anderer Parteisekretär, ein junger Mann, sagt einige abschließende Worte: "Im Namen der Partei und des Volkes, das sich daran beteiligt, den Volkskrieg zu führen, danke ich Dir aufrichtig dafür, dass Du von so weit hergekommen bist, um über unseren Kampf zu erfahren. Wir drücken unsere Solidarität mit den Zielen der Revolutionären Kommunistischen Partei, USA aus und hoffen, dass überall auf der Welt Menschen von unserem Kampf erfahren werden."

Es ist inzwischen 3.00 Uhr früh und der Trupp hat noch einen zweistündigen Marsch durch ländliche Gebiete vor sich, wo sie in totaler Dunkelheit auf Berge klettern müssen. Bevor sie gehen, sagt der Truppführer, sie würden mir gerne ein Geschenk übergeben. Die Guerillas stehen auf, heben die Gewehre auf und stellen sich in eine Reihe in dem kleinen Raum neben den Betten. Jemand gibt einen Befehl und sie nehmen Haltung an und halten ihre Gewehre an der Seite, die Augen nach vorne gerichtet. Der Truppführer schreitet nach vorne und ich springe vom Bett und mache zwei Schritte auf ihn zu. Er streckt die Arme aus und ich sehe, dass er ein Khukhuri in der Hand hält – ein rasierscharfes Messer mit gebogener Klinge, das von den Bauern in Nepal benutzt wird und jetzt von den Guerillas gegen Volksfeinde eingesetzt wird. Er reicht es mir und sagt: "Das möchten wir Dir schenken, es ist unser Symbol des Krieges." Ich bin sehr gerührt, aber trotzdem gelingt es mir, es entgegenzunehmen und ein paar Worte zu sagen über die Solidarität zwischen den unterdrückten Massen und Revolutionären in den USA und den Volksmassen, die in Nepal den Volkskrieg führen. Wir werden diese Waffe nicht mitnehmen können auf unserer Reise, deshalb nimmt jemand sie für mich zur Aufbewahrung mit dem Versprechen, dass sie nach Kathmandu gebracht wird, wo ich sie abholen kann.

Der Trupp muss jetzt gehen und die Mitglieder stellen sich in einer Reihe auf, um sich von Shiva und mir zu verabschieden. Jeder Guerilla wartet, bis er oder sie an der Reihe ist, und macht dann einen Schritt vorwärts, um mir einen revolutionären roten Gruß – "lal salaam" – zu geben. Als erstes heben sie ihre rechte Hand zu einer starken Faust geballt, dann strecken sie beide Fäuste vor ihnen nach unten, um mir dann ihre beiden Hände entgegenzustrecken und mir einen festen Händedruck zu geben. Wie alle Genossen, die ich bisher kennengelernt habe, nehmen sie meine zwei Hände mit ihren zwei Händen in einen festen Griff, der Zuversicht, Stärke und Ernsthaftigkeit ausdrückt. Als jeder von diesen jungen Kämpfern sich von mir verabschiedet hat, werde ich daran erinnert, dass sie jeden Tag ihr junges Leben im Volkskrieg riskieren. Sie sind so furchtlos und haben so viel Vertrauen in die Gerechtigkeit ihrer Sache, und dass sie siegreich sein wird.

Der Trupp verläßt den Raum sehr schnell, einer nach dem anderen, und ich höre keinen Ton, als sie aus dem Haus gehen und das Dorf leise verlassen. Auf einmal ist das Zimmer leer, und es ist dunkler, mit nur einer kleinen Flamme in der Nähe von unseren Betten. Ich zwinkere ein paar Mal mit den Augen und starre in den leeren Raum, der erst vor einigen Minuten noch gefüllt war mit dem Anblick grüner Uniformen. Ich sage zu mir selbst – ja, es ist wirklich passiert, du hast die letzten paar Stunden im Gespräch mit der Volksarmee verbracht.

Es ist jetzt nach 3.00 Uhr früh, und wir werden das Dorf früh am Morgen verlassen müssen. Also löschen wir die letzte flackernde Flamme, legen uns hin und versuchen ein wenig zu schlafen.

Tagebucheintrag:

21.3 - Sonntag

Gestern trug ein Artikel auf der ersten Seite der Kathmandu Post die Schlagzeile: "7 Maoisten bei einem Zusammenstoß getötet". Laut dem kurzen Artikel ereignete sich der Zwischenfall in Banepa. Ich begann folgendes zu lesen, wobei ich daran dachte, dass viele Berichte über den Volkskrieg nicht zuverlässig sind: "Die Maoisten wurden verbrannt, als eine Bombe, die sie auf die Polizei warfen, in ihrer Mitte explodierte. Sie prallte bei dem Wurf gegen eine Wand des Hauses, in dem sie sich aufhielten. Berichten zufolge warfen die Maoisten die Bombe, nachdem sie von der Polizei zum Aufgeben aufgefordert worden waren. Laut der Polizei dauerte das Kreuzfeuer zwei Stunden ..."

Seitdem ich in Nepal bin, hat es mindestens ein paarmal pro Woche Berichte gegeben, dass Maoisten durch die Polizei getötet worden seien, sowie Berichte über Polizisten oder schlechte Elemente, die von Maoisten getötet oder verletzt worden seien. Jedesmal, wenn ich diese Berichte lese, interessiert es mich zu wissen, wo die Auseinandersetzungen stattgefunden haben. Also holte ich auch an diesem Morgen meine Landkarte hervor und suchte Banepa. In der Tat liegt es genau auf dem Weg, auf dem wir von Kathmandu in die östliche Region gefahren waren. Während des Tages dachte ich nicht viel mehr darüber nach – obwohl jedes Mal, wenn ich lese, wie tapfere Genossen getötet worden sind, bin ich mit einem Teil meiner Gedanken an sie den ganzen Tag beschäftigt . Und wenn ich an Kiosken vorbeilaufe und die Schlagzeilen lese, fühle ich einen immer wiederkehrenden Schmerz in meinem Herzen für diese Märtyrer.

Am Abend kommt ein Freund vorbei, der uns auf der Reise nach Osten begleitet hat. Er ist inzwischen wieder dort gewesen und hatte mit Menschen über das Ereignis in Banepa gesprochen. Er sagt uns, dass diejenigen, die bei dem Zusammenstoß getötet wurden, dem Kulturtrupp angehörten, den wir getroffen hatten.

Diese Nachricht verschlägt mir die Sprache. Ich schließe die Augen und versuche, mich an ihre Gesichter zu erinnern. Mitten in jener Nacht hatten wir ganz dicht nebeneinander auf dem Bett gesessen, im Schneidersitz, und unsere Knie hatten einander berührt. Im Kerzenlicht warfen sie ganz große Schatten an die Wände. Ich konzentriere mich darauf, mir die Gesichter der jungen Guerilla-Kämpferinnen in Erinnerung zu bringen – die 15- und 16jährigen, die ihre Dörfer verlassen hatten, nachdem sie mit ansehen mussten, wie ihre Familien und Freunde durch die Polizei verhaftet, verprügelt, vergewaltigt wurden – und wie ihre Väter, Onkel, Mütter gezwungen wurden in den Untergrund zu gehen. Erst vor kurzem hatten sie ihre Kriegserlebnisse mit mir geteilt. Jetzt waren sieben von ihnen – vier Männer und drei Frauen – tot, nachdem sie sich geweigert hatten, sich der Polizei zu ergeben. Auf eine tiefgehende Weise werde ich mit der Frage der Märtyrer konfrontiert, sowohl politisch als auch gefühlsmäßig. Und ich erinnere mich an das, was eine Bäuerin mir gesagt hatte: "Das Töten unserer Genossen kann den Volkskrieg nicht aufhalten ... das Blut der Märtyrer ist der Brennstoff der Revolution."

25.3 - Donnerstag

Heute habe ich ein wenig mehr über den Vorfall in Banepa gehört, bei dem die sieben Guerillas von dem ersten Trupp, den wir getroffen hatten, getötet wurden. Die Kathmandu Post hatte berichtet, dass sie gestorben waren, nachdem sie eine Bombe auf die Polizei geworfen hatten. Aber dies ist eine Lüge. Freunde erzählen mir, dass sie umzingelt wurden und sich weigerten sich zu ergeben, und dass es eine Schießerei gab. Dann setzte die Polizei das Haus in Brand. Und als die Genossen gezwungen waren, aus dem brennenden Haus zu fliehen, wurden sie kaltblutig erschossen. Meine Freunde erklären, dass der Mord an diesen Genossen auf die Spionage und Spitzelei durch ein Mitglied der VML, der für die Wahlen kandidiert, zurückzuführen sei. Anscheinend ist das typisch für die verräterische Rolle, die die VML heutzutage spielt, indem sie der Regierung direkt dabei hilft, Revolutionäre aufzuspüren und zu ermorden.

Heute Nachmittag brachte mir jemand Bilder von den Märtyrern, die in Banepa getötet wurden. Eine davon war die junge 15-jährige Frau mit dem hübschen Gesicht, die gleich neben mir auf dem Bett gesessen hatte in jener Nacht. Ihre Augen hatten geglänzt, selbst im düsteren Flackern des Kerzenlichts. Ich hatte die ersten Töne eines revolutionären Liedes von diesen Jugendlichen gehört. Sie waren die ersten, die mir das "lal salaam" beigebracht hatten. Sie waren die ersten Mitglieder der Volksarmee, die mit mir von Angesicht zu Angesicht ein Gespräch geführt hatten. Diese jungen Genossen hatten so kurz gelebt, aber dem Volk so viel gegeben. Und jetzt weiß ich, dass sie in den Herzen und Köpfen der Massen in Erinnerung bleiben und geschätzt werden. Ich werde sie ganz gewiss niemals vergessen. n

Fortsetzung folgt.

Nepal: Bewaffneter Konflikt
VolksKrieg in Nepal
Nepals langer Marsch zur Demokratie
Was werden Sie im Nepal Pavillon zu sehen bekommen (Expo-2000)
amnesty Bayreuth - Info
22.05. 2001 Aufrüstung gegen Maoisten
16.04. 2001 Volkskrieg auf dem Dach der Welt
07.03. 2001 Mädchen ihrer Kindheit beraubt
19.05. 2000 Die Globalisierung von Kriminalisierung und Ausbeutung
13.02. 2000 Die linke Bewegung in Nepal und die Maoisten: Hintergründe des 'People's War'