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Human Rights and People's War in Nepal
Human Rights and People's War in Nepal - Human Rights - Politics/Ideology - News and Reports - Links - Italiano

 
 Volkskrieg auf dem Dach der Welt

 In Nepal wollen Maoisten das Königreich stürzen
 Von Peter Isenegger (Neu-Delhi)
 Das Himalaja-Königreich Nepal - im Westen als friedliches Trekking-Paradies bekannt - ist so friedlich nicht mehr. Maoistische Rebellen, die 1996 dem König und der Regierung den Krieg erklärten, haben in den vergangenen Wochen ihre militärischen Operationen verstärkt. Allein in der ersten Aprilwoche haben die Rebellen 70 Menschen umgebracht - meist Polizisten.
 Am Karfreitag erhielt die 50 Mann starke Polizeitruppe von Tiram den Befehl, ihren Außenposten - aus Furcht vor Überfällen der Maoisten - zu räumen und sich in eine sicherere Garnison zurückzuziehen. Tiram ist der siebte Außenposten in diesem westlichen Distrikt, der aufgegeben werden musste, seit die nepalesischen Maoisten vor fünf Jahren ihren "Volkskrieg" ausriefen.

 Waren die Maoisten am Anfang ihres Kampfes nur in ein paar abgelegenen Dörfern aktiv, so haben sie in der Zwischenzeit ihre militärischen Aktivitäten und ihren Einfluss auf 17 Distrikte - das entspricht der Hälfte des Königreichs - ausgedehnt. In einigen Distrikten bauten die Rebellen sogar eine parallele Verwaltung und eigene Gerichte auf.

 Mehr als 1500 Menschen sind getötet worden, seit die Rebellion ausgebrochen ist. Beide Seiten - die Maoisten wie auch die Regierung - gehen äußerst brutal vor. Amnestie International hat sowohl die Polizeikräfte als auch die Rebellen wegen massiver Menschenrechtsverletzungen kritisiert. Insbesondere rügt die internationale Menschenrechtsorganisation die Rebellen wegen der Entführung von Kindern und Jugendlichen, die dann von den Aufständischen als Kindersoldaten eingesetzt würden.

 Einige dieser Jugendlichen dürften sich allerdings auch freiwillig den Rebellen angeschlossen haben. Trotz ihres brutalen Vorgehens sind die Maoisten nämlich in weiten Kreisen der Bevölkerung ausgesprochen populär. Und ihr Erfolg lässt sich leicht erklären. Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt. Korruption ist ein weit verbreitetes Übel. In einzelnen Distrikten des Landes, vor allem im Westen, wo die Hochburgen der Rebellen liegen, beträgt das jährliche Pro-Kopf-Einkommen weniger als 100 US-Dollar.

 Die maoistische Revolution habe ihre Wurzeln "in der Verzweiflung und in den Entbehrungen, aber auch in der Einsicht der unterdrückten Landbevölkerung, dass sie von der regierenden Congress-Partei keine Hilfe erwarten kann", schrieb kürzlich eine nepalesische Zeitung, die der (offiziellen) kommunistischen Opposition mit marxistischer Ausrichtung nahe steht Über die Stärke der maoistischen Kader und deren Führung ist wenig bekannt. Ihr Anführer, Buburam Batterai, ein nepalesischer Intellektueller, lebt im Untergrund. Bevor er im Jahr 1996 den "Volkskrieg" ausrief, waren die Maoisten mit neun Abgeordneten im Parlament vertreten. Heute soll die Untergrundarmee über mehrere Tausend ausgebildeter Kämpfer verfügen. Die Finanzen für ihren Kampf beschaffen sich die Rebellen durch Banküberfälle sowie durch erpresste Schutzgelder. Wer nicht zahlt, riskiert umgebracht zu werden, oder muss zusehen, wie sein Geschäft in Flammen aufgeht.

 Zu den Hauptzielen der Maoisten gehören der Sturz der Monarchie und die Aufhebung des Mehrparteiensystems, umfassende Landreformen, die Auflösung der engen Verbindungen zu Indien sowie der Verzicht auf westliche Entwicklungshilfe. Die nepalesischen Maoisten, die sich als "nationalistische Kommunisten" verstehen, richten sich sehr stark an Perus "Leuchtendem Pfad" aus. Ihre Strategie stammt direkt aus Maos Schriften. Sie wollen zuerst in den armen ländlichen Gegenden die Macht an sich reißen, um schließlich die städtischen Eliten einzukreisen und am Ende ihr Regime dem ganzen Land aufzuzwingen.
 Mehrere aufeinander folgende Regierungen haben versucht, die Maoisten militärisch zu besiegen. Aber gegen die motivierten Rebellen konnte die schlecht ausgerüstete, schlecht bezahlte und durch die ständigen Überfälle demoralisierte Polizei nicht sehr viel ausrichten. Zwar haben sowohl Regierung als auch Rebellen, in jüngster Zeit Friedensverhandlungen angeboten. Aber bisher scheiterte die Aufnahme dieser Verhandlungen am gegenseitigen Misstrauen.

 Dafür verstärkten die Aufständischen in jüngster Zeit ihre militärischen Aktionen. Die Regierung wiederum will eine 1500 Mann starke und besser ausgebildete Polizeieinheit aufbauen und versucht, die Armee gegen die Rebellen zu mobilisieren. Bislang waren der König und seine Generäle allerdings nicht bereit, die Armee im eigenen Land und gegen eigene Leute einzusetzen.
 Fremdenverkehrsexperten in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu befürchten, der Konflikt könnte sich auch auf den Tourismus auswirken - einen der wichtigsten Industriezweige des Landes. Einige westliche Regierungen haben ihren Landsleuten bereits abgeraten, in den von den Maoisten beherrschten Gebieten Trekkingtouren zu unternehmen.

 http://www.frankfurterrundschau.de/archiv/fr30t/h120010416025.htm
 
 
 
 
 


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