| Der Flüchtlingsrat protestiert gegen
die zwangsweise Umverteilung von Constance E., eine Asylbewerberin aus
Kamerun, von Jena nach Gera. Frau E. war nach ihrer Umverteilung aus der
Erstaufnahmeeinrichtung Jena-Forst in die Gemeinschaftsunterkunft Gera
aus Angst vor rechtsextremen Übergriffen nach Jena zurückgekehrt.
Statt ihrem Wunsch auf Umverteilung in ein anderes Heim in Thüringen
nachzukommen, wurde sie unter Anwendung von Gewalt durch die Polizei erneut
nach Gera verbracht.
Nach einer detaillierten Schilderung von Frau
E. und schriftlich vorliegenden Zeugenberichten von sieben Personen erhielt
Constance E. am Montag, dem 11. Februar die Mitteilung, daß sie nach
Gera umverteilt würde. Sie begab sich bereits am Dienstag, dem 12.
Februar nach Gera und kam damit der Aufforderung unverzüglich nach.
In Gera angekommen schilderten ihr dortige HeimbewohnerInnen, daß
es in Gera eine starke Neonazi-Szene gebe und die Situation für die
wenigen Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Gera gefährlich sei. Frau
E. empfand, daß ihre Sicherheit nicht gewährleistet sei und
entschloß sich, wieder nach Jena zurückzukehren. Dort gab sie
bekannt, daß sie trotz eines positiven Eindrucks über das Heim
aus Angst vor rassistischen Übergriffen nicht nach Gera zurückkehren,
sondern in einem anderen Heim in Thüringen wohnen wolle. Bei dem heutigen
Gespräch mit der Heimleitung in Jena-Forst sei ihr erklärt worden,
daß man diesbezüglich nichts für sie tun könne. Sie
wurde daran gehindert, die Unterkunft zu verlassen, um die Flüchtlingsorganisation
"The Voice" in Jena aufzusuchen. Sie wurde vorübergehend in einem
Zimmer eingeschlossen, bis die Polizei kam, um Frau E. zwangsweise nach
Gera zu transportieren. Als sie sich wehrte, in das Polizeiauto einzusteigen,
zwangen die Polizeibeamten sie in das Auto. Dabei sei ihre Hand verdreht
worden, sie sei gestoßen und schließlich in Handschellen genommen
worden.
Derzeit befindet sich Constance E. in der
Gemeinschaftsunterkunft in Gera. Der Flüchtlingsrat Thüringen
e.V. fordert, daß sie unverzüglich zurück nach Jena-Forst
bzw. in ein anderes Heim ziehen kann, in dem sie sich sicher fühlt.
"Es ist ein Skandal, daß die begründete
Angst vor rechtsextremen Übergriffen mit einem Polizeieinsatz beantwortet
wird, statt gemeinsam mit der alleinstehenden Frau eine Lösung zu
suchen", so der Flüchtlingsrat. Der Verein fordert Aufklärung,
ob die Verantwortlichen in der landeseigenen Unterkunft gegen ihre Schutzpflicht
verstoßen haben. Der Verein stellt die Rechtmäßigkeit
des Verwaltungshandelns in Frage.
Eine Gruppe schwarzafrikanischer
HeimbewohnerInnen von Jena- Forst befindet sich seit dem Vorfall im Hungerstreik.
The Voice ruft für morgen, den 14. Februar zu einer Demonstration
auf, die um 15 Uhr an der Stadtkirche beginnt.
Kontakt: Ellen Könneker (Montag- Donnerstag,
9.00- 16.30 Uhr)
Flüchtlingsrat Thüringen e.V.
Warsbergstraße 1
99092 Erfurt
Telefon: 0361-21727-20 Telefax: 0361-21727-27
E-mail: info@fluechtlingsrat-thr.de
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