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Home » Archiv » Gera: Polizei statt Hilfe bei Angst vor rechtsextremen Angriffen

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Zeugenprotokoll und öffentliche Erklärung von the VOICE
English
PRESSEMITTEILUNG
des Flüchtlingsrates Thüringen e.V.
vom 13.02.2002:

Polizei statt Hilfe bei Angst vor rechtsextremen Angriffen -
Flüchtlingsrat fordert Aufklärung


Der Flüchtlingsrat protestiert gegen die zwangsweise Umverteilung von Constance E., eine Asylbewerberin aus Kamerun, von Jena nach Gera. Frau E. war nach ihrer Umverteilung aus der Erstaufnahmeeinrichtung Jena-Forst in die Gemeinschaftsunterkunft Gera aus Angst vor rechtsextremen Übergriffen nach Jena zurückgekehrt. Statt ihrem Wunsch auf Umverteilung in ein anderes Heim in Thüringen nachzukommen, wurde sie unter Anwendung von Gewalt durch die Polizei erneut nach Gera verbracht.

Nach einer detaillierten Schilderung von Frau E. und schriftlich vorliegenden Zeugenberichten von sieben Personen erhielt Constance E. am Montag, dem 11. Februar die Mitteilung, daß sie nach Gera umverteilt würde. Sie begab sich bereits am Dienstag, dem 12. Februar nach Gera und kam damit der Aufforderung unverzüglich nach. In Gera angekommen schilderten ihr dortige HeimbewohnerInnen, daß es in Gera eine starke Neonazi-Szene gebe und die Situation für die wenigen Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Gera gefährlich sei. Frau E. empfand, daß ihre Sicherheit nicht gewährleistet sei und entschloß sich, wieder nach Jena zurückzukehren. Dort gab sie bekannt, daß sie trotz eines positiven Eindrucks über das Heim aus Angst vor rassistischen Übergriffen nicht nach Gera zurückkehren, sondern in einem anderen Heim in Thüringen wohnen wolle. Bei dem heutigen Gespräch mit der Heimleitung in Jena-Forst sei ihr erklärt worden, daß man diesbezüglich nichts für sie tun könne. Sie wurde daran gehindert, die Unterkunft zu verlassen, um die Flüchtlingsorganisation "The Voice" in Jena aufzusuchen. Sie wurde vorübergehend in einem Zimmer eingeschlossen, bis die Polizei kam, um Frau E. zwangsweise nach Gera zu transportieren. Als sie sich wehrte, in das Polizeiauto einzusteigen, zwangen die Polizeibeamten sie in das Auto. Dabei sei ihre Hand verdreht worden, sie sei gestoßen und schließlich in Handschellen genommen worden.

Derzeit befindet sich Constance E. in der Gemeinschaftsunterkunft in Gera. Der Flüchtlingsrat Thüringen e.V. fordert, daß sie unverzüglich zurück nach Jena-Forst bzw. in ein anderes Heim ziehen kann, in dem sie sich sicher fühlt.

"Es ist ein Skandal, daß die begründete Angst vor rechtsextremen Übergriffen mit einem Polizeieinsatz beantwortet wird, statt gemeinsam mit der alleinstehenden Frau eine Lösung zu suchen", so der Flüchtlingsrat. Der Verein fordert Aufklärung, ob die Verantwortlichen in der landeseigenen Unterkunft gegen ihre Schutzpflicht verstoßen haben. Der Verein stellt die Rechtmäßigkeit des Verwaltungshandelns in Frage.

Eine Gruppe schwarzafrikanischer HeimbewohnerInnen von Jena- Forst befindet sich seit dem Vorfall im Hungerstreik. The Voice ruft für morgen, den 14. Februar zu einer Demonstration auf, die um 15 Uhr an der Stadtkirche beginnt.

Kontakt: Ellen Könneker (Montag- Donnerstag, 9.00- 16.30 Uhr)

Flüchtlingsrat Thüringen e.V. 
Warsbergstraße 1 
99092 Erfurt 
Telefon: 0361-21727-20 Telefax: 0361-21727-27 
E-mail: info@fluechtlingsrat-thr.de 
Internet: www.fluechtlingsrat-thr.de